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Tim Cook: „Haben Gamechanger in uns“

Es waren nicht die einfachsten Monate für Tim Cook. Nach einem atemberaubenden Kurssturz, der 300 Milliarden Dollar Börsenwert in nur sieben Monaten vernichtete, hagelte die Kritik auf den umstrittenen Apple-Chef zuletzt nur so ein. Entsprechend stand der 52-Jährige zur Eröffnung der Digital-Konferenz D11 des Wall Street Journal-Ablegers AllThingsD unter einem gewissen Zugzwang. Cook ließ sich davon wenig anmerken und stellte "tolle, neue Produkte" in Aussicht. Er habe "eine große Vision" für den TV-Markt.

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Es waren nicht die einfachsten Monate für Tim Cook. Nach einem atemberaubenden Kurssturz, der 300 Milliarden Dollar Börsenwert in nur sieben Monaten vernichtete, hagelte die Kritik auf den umstrittenen Apple-Chef zuletzt nur so ein. Entsprechend stand der 52-Jährige zur Eröffnung der Digital-Konferenz D11 des Wall Street Journal-Ablegers AllThingsD unter einem gewissen Zugzwang. Cook ließ sich davon wenig anmerken und stellte "tolle, neue Produkte" in Aussicht. Er habe "eine große Vision" für den TV-Markt. 

Was für einen Unterschied ein Jahr machen kann: Als Tim Cook vor zwölf Monaten mit den Reporter-Ikonen Walt Mossberg und Kara Swisher vom Wall Street Journal über die Zukunft sprach, schwebte der Apple-CEO bei der D10-Konfernenz wie ein Popstar über die Bühne. Gerade mal zehn Monate war es damals her, dass Cook das schwere Erbe Steve Jobs’ übernommen hatte – und zwar mit Bravour. Die Geschäftsentwicklung boomte nicht, sie explodierte förmlich, was die Wall Street mit einer bemerkenswerten Kursrallye goutierte.

Ein Jahr später ist Cook in der Gegenwart angekommen: Apples Wachstum ist versiegt, die Gewinne schrumpfen, die Aktie ist dramatisch abgestürzt, Innovationen lassen auf sich warten, während Samsung an Apple bei den Smartphone-Verkäufen in rasanter Weise vorbeigezogen ist. Was sagt der CEO des noch wertvollsten Konzerns der Welt in solchen Zeiten? "Es heißt, Apple habe seinen Schwung verloren", versucht Mossberg Cook gleich zu Beginn zu locken: "Ist Apple in Gefahr?" 

"Unser Nordstern sind die besten Produkte der Welt"

Und dann beginnt, was sich seit Monaten wie eine Spirale wiederholt, wenn Tim Cook öffentlich auftritt: Der Apple-CEO ist in der Defensive, muss sich rechtfertigen und versucht Zuhörer mit einem Zahlenschwall vom Gegenteil zu überzeugen. Die Argumente sind stets dieselben.

Cook referiert über die Erfolge der Vergangenheit: 85 Millionen iPhones und 42 Millionen iPads wurden allein im letzten Geschäftsjahr verkauft. Das ist bekannt, genauso wie die hohe Kundenzufriedenheit und höhere Internet-Nutzung von iOS-Kunden. Cook sagt im Kern dieselben Dinge wie auf der Investorenkonferenz im Februar bei Goldman Sachs, wie auf der Quartalskonferenz im April. "Unser Nordstern sind die besten Produkte der Welt."

"Dieselbe Apple-Kultur des iPhones, iPad, iPod ist immer noch da"

Der Nordstern? Mossberg wird direkt. Es geht schließlich um nicht weniger als die Zukunft: "Sie brauchen Hits. Es ist schon eine Weile her. Sind Sie noch dasselbe Unternehmen?" Cook zögert keine Sekunde. "Wir sind noch dasselbe Unternehmen." Dann folgt die Kernaussage des Abends, der "Zinger", wie Pointen von bleibendem Wert in US-Präsidentschaftsdebatten so gerne genannt werden: "Ich glaube, wir haben mehrere Gamechanger in uns." Das ist eine Aussage.

Cook wird konkreter: "Wir haben einige unglaubliche Pläne, an denen wir schon einer Weile arbeiten. Wir haben unglaubliche Ideen. Es ist dieselbe Kultur und es sind größtenteils dieselben Leute, die das iPhone, das iPad mini, den iPod erfunden haben und einige der Leute, die am Mac gearbeitet haben. Dieselbe Kultur ist immer noch da."

"Wir haben eine große Vision vom Fernsehmarkt"

Was kann man also künftig von Apple erwarten? Cook lässt sich erwartungsgemäß nicht in die Karten schauen, doch Kara Swisher und Walt Mossberg kommen auf die vermeintlich nächste Branche zu sprechen, die Apple revolutionieren könnte: den Fernsehmarkt. Der, wie Cook nochmals bekräftigt, "von erheblichem Interesse" für Apple ist. Schließlich seien auch die Verkäufe der Set-Top-Box AppleTV, die Steve Jobs immer als "Hobby" bezeichnete, zuletzt regelrecht explodiert – allein dieses Jahr verkaufte Apple 6,5 Millionen seiner bisher 13 Millionen Geräte. 

Doch seit Jahren ranken sich Gerüchte um einen Apple-Fernseher, die nicht zuletzt Steve Jobs posthum in der Walter Isaacson-Biografie befeuerte. Cook lässt sich nichts Konkretes entlocken, öffnet Kara Swisher dann aber doch die Tür ein Stück weit: "Sie werden die Erste sein, die ihn sieht", scherzte Cook in Anspielung auf den inzwischen längst mythisch verklärten Apple-Fernseher. "Wir haben eine große Vision", gab der Apple-CEO Swisher mit auf den Weg. Keine Frage: So hält man am Spekulationen am Köcheln.

Google Glass nicht reif für den Massenmarkt

Zum einem realen Zukunftsprodukt der Konkurrenz, Google Glass, das in den vergangenen Monaten enorm viel mediale Aufmerksamkeit aufgesogen hatte, äußerte sich Cook dagegen erwartungsgemäß verhalten. "Es gibt ein paar positive Seiten an diesem Produkt, aber ich glaube, dass es eher etwas für einige Nischenmärkte ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass es die breite Masse anspricht, ist schwer zu erkennen", glaubt Cook. "Ich trage eine Brille, weil ich es muss. Ich kenne nicht so viele Leute, die eine tragen, ohne es zu müssen."

Dennoch sei der Trend zu tragbaren Computern unverkennbar. Daran sei Cook, der bekennender Fan des Nike FuelBands ist, "äußerst interessiert. Zum Glück kann ich an mehr als nur einer Sache interessiert sein", scherzte Cook und bot den Spekulationen um eine iWatch damit Vorschub.

Und noch etwas ließ der Apple-CEO im rund einstündigen Interview durchblicken: iOS 7, die nächste Generation des mobilen Betriebssystems, die in zwei Wochen auf der Entwicklerkonferenz WWDC vorgestellt wird, wurde komplett von Chef-Designer Jony Ive entwickelt. Die Schlagzeilen dürften Tim Cook damit heute zumindest schon sicher sein.

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