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Augstein: „Muss Springer Glück wünschen“

Ein vermeintlicher Salon-Linker springt Springer zur Seite: In einem flammenden Plädoyer schreibt Freitag-Verleger Jakob Augstein, er hoffe, dass die Bild mit ihrem neuen Bezahlmodell Erfolg haben werde. Denn solle der Journalismus eine Zukunft haben, müsse der Leser zahlen. "Auch im Netz." Augstein: "Der Erfolg von Springer wird der Erfolg des ganzen deutschen Journalismus sein." Andere Branchenbeobachter halten sich eher zurück, sehen aber auch die Tragweite des Experiments.

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Jakob Augstein, Der Freitag

"Der Rausch des freien Netzes ist vorüber. Es ist der Morgen danach. Wir wissen jetzt, wenn sich nichts ändert, wird es guten Journalismus bald nicht mehr geben….Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen. Aber der Leser hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt. Inhalte sind der freiverfügbare Rohstoff der Online-Welt. Ungeachtet ihrer Qualität. Das ist gefährlich. Die Verlage werden ihren Lesern den Unterschied zwischen Qualität und Quantität wieder beibringen müssen….Ganz gleich, was man sonst von dem Haus halten mag, beim Bezahlmodell muss man ihm Glück wünschen. Der Erfolg von Springer wird der Erfolg des ganzen deutschen Journalismus sein. Und das gilt umgekehrt auch für seine Niederlage."

Claudia Fromme, Süddeutsche Zeitung

"Aber was ist Mehrwert im Boulevard? Wenn die DNA von Bild ist, exklusiven Rummel zu erzeugen, birgt es eine Gefahr, hinter einer Mauer zu verschwinden. Und wenn er nicht exklusiv ist, konkurriert er mit Portalen, die den Stoff gratis anbieten….Für Springer hängt viel von Paid Content ab."

Malte Andre, taz

"Summa summarum: Bild ist toll. Und ab jetzt kostenpflichtig. So halb. Es gibt neben den sogenannten Bild-plus-Inhalten auch weiterhin kostenlose Inhalte. Man will niemand vergraulen. Das Wort "Paywall" werde nicht fallen, ich solle es daher nicht benutzen, heißt es.

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Ulrike Simon, Frankfurter Rundschau

"Döpfner macht damit bei aller Ratlosigkeit, die er mit seinen Verlegerkollegen teilt, deutlich, worum es geht: Um die Frage, wie Journalismus in einer zunehmend digitalen Welt zu finanzieren ist. Ob die Marke Bild mit ihren ganz eigenen Inhalten Vorbild für andere journalistische Angebote sein kann, steht auf einem anderen Tableau. Fakt ist, dass sie mit ihrer Reichweite und in Kombination mit Fußball ein Zugpferd sein kann."

Archibald Preuschat, Wall Street Journal Deutschland

"Keine leichte Aufgabe für die schreibende Zunft bei Bild, aber noch weniger für den Vorstand um Döpfner und seinen für die Bild-Gruppe zuständigen Vorstandskollegen Wiele. Die müssen nämlich den Spagat schaffen, die klassischen digitalen Bild-Leser nicht zu verprellen. Sie machen das Angebot zu einem der beliebtesten Online-Nachrichtenportale in Deutschland und generieren dementsprechend hohe Anzeigenerlöse. Auf der anderen Seite sollen sie den Beweis antreten, dass wertvoller Online-Journalismus auch seinen Preis hat."
 
dpa (via n-tv)

"Die Medienwelt blickt gespannt nach Berlin. Das Springer-Projekt «BILDplus» hat Signalwirkung für die ganze Branche. Zeitungen und Zeitschriften suchen angesichts schrumpfender Auflagen und begrenzter Werbeerträge nach neuen Erlösquellen im Netz. Für Döpfner geht es schlicht um die Frage: ‚Funktioniert die Idee, dass man in der digitalen Welt für Journalismus Geld verlangen kann.’"

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