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Spiegel-Mann Tuma spottet gegen ProQuote

Spiegel-Autor Thomas Tuma lässt Dampf ab und zwar so richtig: In der aktuellen Ausgabe spottet er in seinem Essay "Die ScheinriesInnen" über den Verein ProQuote e.V. Tuma wirft den Macherinnen vor, ihre Funktionen und ihre Medien im Eigeninteresse zu missbrauchen. Es gehe den ProQuote-Frauen um "Deutungshoheit, um Egos, um Macht", statt um Journalismus. Was sagen die ProQuote-Gründerinnen dazu? Sie haben Tuma bereits zu einem Bierchen auf ihre nächste Mitgliederversammlung eingeladen.

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Das nennt man dann wohl Binnenpluralismus: Spiegel-Wirtschaftsmann Thomas Tuma stänkert in einem Essay gegen den Verein ProQuote und deren Vorsitzende Annette Bruhns, die Redakteurin im Ressort Sonderthemen des Magazins ist. Der Zweck des Vereins sei reines Eigeninteresse, das von den Journalistinnen als gesellschaftliche Relevanz inszeniert werde: "Dem Ganzen wohnt ein frivoles Verständnis von Aufgaben, Funktionen und Verantwortung unabhängiger Medien inne."
Der Skandal beginnt für Tuma mit der Satzung der Organisation. "Die Beförderung der Berichterstattung über die bislang ungenügende Gleichstellung von Frauen und Männern in Medienberufen", sei als eines der zentralen Ziele angesetzt. Ein weiteres Ziel: die "Einflussnahme auf den Gesetzgeber ebenso wie auf Arbeitgeber". Für den Autoren ein "Kampfauftrag". Der Verein habe dabei nur 150 Mitglieder: "Wenn das ausreicht, dann müssten wir längst in einer ADAC-Diktatur leben oder die knapp 190.000 Mitglieder des FC Bayern München wenigstens das komplette Berliner Bundeskabinett besetzen dürfen", spottet Tuma. 
Der kleine Club habe aber eine "extrem laute Stimme" und maße sich ein Mitspracherecht bei allen neu zu vergebenden Chefposten an, egal ob bei Stern oder WDR. Den Spiegel hat Tuma an dieser Stelle ausgelassen, obwohl mit Wolfgang Büchner auch hier wieder ein Mann für den Chefsessel ausgesucht wurde. Als Beleg für die "geschlechtspolitisch-korrekte Berichterstattung" führt Tuma Beiträge über Facebook-Managerin Sheryl Sandberg und Yahoo-Chefin Marissa Mayer an. In den Artikeln gehe es "selten um ihre Führungsqualitäten", sondern nur "um ihr schieres Frausein". Ein Interview im Branchenmagazin "MediumMagazin" mit Bruhns geißelt Tuma als "positivistisch-affirmativen Kitsch".
Weitere Beispiele für Artikel, die aus reinem Eigeninteresse in Medien platziert wurden, hat Tuma allerdings nicht parat. Falsch sei nicht das Ziel der Kolleginnen – Tuma lehnt die Quote ab, sieht aber dennoch einen "unbestreitbaren Mangel an Frauen in Führungspositionen" – sondern der Weg dahin. Was Tuma den Kolleginnen rät? "Unbequemen Journalismus" machen, um "Führungsqualitäten" unter Beweis zu stellen.
Zu behaupten, das Essay von Tuma polarisiere, wäre eine gelinde Untertreibung. Die Spiegel-Journalistin Annett Meiritz twitterte am Montag: "Bin mit Tonlage von ProQuote oft nicht glücklich. Frauenquote ist kein Wunderserum. Aber was Kollege Tuma da schreibt, geht nicht klar." Bild am Sonntag-Mann Kayhan Özgenc sieht in dem Text ein "schräges Spiegel-Mobbing" (ebenfalls via Twitter).  
Der Verein selbst zeigt sich durch die Vorwürfe unbeeindruckt. Annette Bruhns lud den Kollegen bereits zur nächsten Mitgliederversammlung am 1. Juni ein. "Thomas Tuma kann auch gerne steuerbefreit bei uns spenden, da wir gemeinnützig sind", sagte die Vorsitzende Bruhns. "Auch so könne er dazu beitragen den bisherigen Anteil von Chefredakteurinnen – zwei Prozent bei Tagses-und Wochenzeitungen – zu steigern. Das scheint ihm ja ein Anliegen zu sein."

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