Rabe erklärt Schrumpfkurs für beendet

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe muss sich richtig ins Zeug legen, die neue Wachstumsstory der Gütersloher zu erzählen, ohne dabei Skepsis zu ernten. Im Handelsblatt-Interview sagte der Manager darum mit Nachdruck auf die Frage, wie lange das "Trauerspiel" der sinkenden Umsätze noch weitergehen solle: "Wir werden nun nicht weiter schrumpfen." Mit Blick auf digitale journalistische Inhalte gibt Rabe zu: "Was uns zusetzt, ist, dass die Menschen für Internet-Angebote noch viel zu wenig Geld ausgeben."

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Rabe dürfte es mittlerweile gewöhnt sein, Fragen nach dem schleichenden Rückgang der Umsätze zu parieren. Im Handelsblatt kündigt er an, der Umsatz solle Jahr für Jahr "um fünf bis sieben Prozent steigen, organisch und durch Akquisitionen". 17 Milliarden sollen dieses jahr erreicht werden, 18 Milliarden Euro im kommenden Jahr. Der Konzern leidet in der Außendarstellung darunter, dass er in den vergangenen Jahren keine wirklich überzeugende Strategie erzählen konnte. Die Wurzeln dieser Malaise liegen einige Zeit zurück. Weil die Familie Mohn einen Börsengang des Unternehmens um jeden Preis verhindern wollte, kaufte der Konzern für 4,5 Milliarden Euro Aktien zurück. Dies fesselte den Gütersloher Riesen für lange Zeit.
Die wichtigsten Argumente Rabes, dass Bertelsmann nun wieder die Erfolgsspur eingeschlagen habe:
Der Rückkauf der Aktien sei richtig gewesen, denn Bertelsmann gehöre "wieder ganz sich selbst". Die Familie garantiere langfristiges Denken statt "kurzfristiges Ergebnismanagement".
Ein Börsengang des Mutterkonzerns sei "keine Option mehr", sei aber auch nie auf Gedeih und Verderb geplant gewesen. Bertelsmann wäre an der Börse ohnehin "nicht angemessen bewertet" worden, glaubt Finanzexperte Rabe.
Die Verkauf von RTL-Aktien sei dagegen genau richtig gewesen, um an frisches Geld für Zukäufe zu kommen. In den kommenden drei Jahren könne Bertelsmann nun drei Milliarden Euro investieren. Nicht in Mega-Zukäufe wie Springer Science + Business, das etwa drei Milliarden gekostet hätte. Für Einzelinvestments stünden aber mehrere hundert Millionen Euro zur Verfügung. Konkrete Kaufziele benennt Rabe freilich nicht.
Gruner+Jahr gehöre zum "Kern von Bertelsmann", auch die Zusammenarbeit mit der Familie Jahr als Minderheitseigner sei "sehr erfreulich". Wir erinnern uns: Eigentlich wollte Rabe den Jahr-Anteil von G+J abkaufen, um diesen gegen RTL-Anteile zu tauschen. Doch die Jahrs wollten lieber Bertelsmann-Anteile, die gab’s dann aber nicht. Einziges, wenn auch nicht ganz kleines Manko des Geschäfts mit Journalismus: Im Web bezahlten die Leute zu wenig für Inhalte: "Reine Kostenloskultur geht zulasten der Qualität."
Bildung gilt als Wachstumsthema bei Bertelsmann – aber wie wollen die Gütersloher auf diesem Markt angreifen? Er setze "stark auf Online-Angebote", sagte Rabe. Anders als im Journalismus seien Menschen hier bereit, Geld beispielsweise für E-Learning zu bezahlen.
Schließlich dementierte Rabe in dem Gespräch noch einen Börsengang von Arvato. Ums Musikrechtegeschäft von BMG ging es dieses mal nicht. Die Botschaft, die Rabe seit Monaten verbreitet, ist die des Wachstums, der Digitalisierung, der Diversifizierung. Skeptische Nachfragen wird es in Zukunft dennoch geben. 

MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt.

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