“Tagesschau” kontert die Kleber-Kritik

Vor wenigen Tagen sorgte “heute journal”-Moderator Claus Kleber für Schlagzeilen, weil er zusammen mit Ex-”Tagesthemen”-Moderator Ulrich Wickert in der Zeit die “Tagesschau” wegen ihres Sprecher-Prinzips kritisierte.  "Ich glaube, dass sich dieses Konzept gerade überlebt", sagte Kleber. Nun hat “Tagesschau”-Chefredakteur Dr. Kai Gniffke im “Tagesschau”-Blog darauf reagiert. Gniffke übt sich dabei in einer für ihn eher ungewohnten Disziplin: der Selbst-Ironie.

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Er habe sich die “ganze Schwarte” in der aktuellen Print-Ausgabe der Zeit “mal komplett durchgelesen”, schreibt er im Tagesschau-Blog. Und weiter: “Zwei reifere Herren (Wickert, Kleber) philosophieren über Nachrichten, und da möchte ich Ihnen die Haltung eines dritten reiferen Herren (nämlich Gniffke) nicht vorenthalten.” Die Wortwahl deutet an: Hoppla, hier wird es potenziell “lustig”. Also, so mit Anführungszeichen. Zwinker, zwinker. Sie verstehen?

Kai Gniffke führt weitere Signal-Worte für Ironie ins Feld wie “bedeutungsschwanger” und “Grandseigneure”. Aber dann wird er auch ernst. Er selbst findet es natürlich nicht schade, dass die “Tagesschau” nicht moderiert wird: “Im Gegenteil, so lange ich Verantwortung in diesem Laden trage, bleibt die Tagesschau eine Sprecher-Sendung, weil ich sicher bin, dass die Menschen die knackige Viertelstunde um 20 Uhr schätzen, ohne Emotionalisierung und lange Interviews. Knack und Back sagen, was aus unserer Sicht heute für dieses Land von Bedeutung war. Das ist Tagesschau.”

Mal abgesehen von den gestelzt daherspazierenden flotten Formulierungen – was soll er auch anderes sagen, bzw. schreiben, der Herr Gniffke? Wir haben ihn hier bei MEEDIA in der Vergangenheit weiß Gott schon oft und wortreich für Überheblichkeit und Scheuklappentum kritisiert. Aber in diesem Fall – Herr Gniffke, jetzt müssen Sie sehr stark sein – möchte man ihm fast zustimmen. Dass ausgerechnet Claus Kleber und Uli Wickert die “Tagesschau” kritisieren, das wirkt schon unfreiwillig komisch. Erst Recht, wenn Claus Kleber in der Zeit davon redet, dass der Text heutzutage oft “vor die Hunde” gehe. Kleber als Text-Gott? Gott bewahre! Wie schrieb Peer Schader in seinem Fernsehblog neulich sehr treffend:

“Mir fällt es zunehmend schwerer, Kleber dabei zuzusehen, wie er im ‘heute journal’ durch seine originalitätsaufgepumpten Korrespondentenfilmankündigungen wackelt; wie er mitten im Satz Punkte macht, wo keine sind; sich in den selbst gebauten Moderationsirrgärten verläuft – und ich die ganze Zeit befürchte, dass er da aus eigener Kraft nicht mehr raus kommt.”

Nein, die Sprache von Claus Kleber taugt nicht zum Vorbild. Mit der Sprache der “Tagesschau” ist das eine andere Sache. Die ist zwar nicht so windschief zusammengezimmert wie viele von Klebers Moderationen, dafür wird ein überkorrekter Behörden-Nominalstil gepflegt, dem bisweilen auch schwer zu folgen ist. Und es ist auch kein Wert an sich, wie Kai Gniffke meint, dass die “Tagesschau” zu einer Art TV-Ritual erstarrt ist.

Es gibt da übrigens eine feine, kleine Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen, die eine überaus verständliche, plastische Sprache pflegt, die Zusammenhänge gut erklärt und auch “moderiert” ist: die vom ZDF produzierten Kindernachrichten “Logo”. Von dieser Sendung, könnten sich die großen Nachrichtenmacher bei “Tagesschau”, “Tagesthemen”, “heute” und “heute journal” sehr gerne die eine oder andere Scheibe abschneiden.

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