P. Steinbrück: der mit der Hand twittert

Neues von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Nachdem er von seinem Team zum Twittern gezwung... , äh, überredet wurde, pflegt der Sozialdemokrat eine erfrischend old-school-mäßige Methode des Twitterns: Er schreibt seine Tweets per Hand. Bertelsmann-Boss Thomas Rabe erlaubt im Rolling Stone Einblicke in seine Vergangenheit als - Hüstel - Punkrocker. Und unsere Printmedien experimentieren anlässlich irgendso eines Fußballspiels mit einer Art digitalem Faxabruf.

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Die Umarmung zwischen Bild-Chef Kai Diekmann und unserem Vizekanzler Philipp Rösler sorgte diese Woche für eine gewisse Wallung. Absolut zurecht. Auch wenn Diekmann es auf seine unnachahmliche Art sofort verstanden hat, die Sache mit einer Web-Aktion zu ironisieren und für sich zu vereinnahmen. Man muss schon sagen: Hut ab vor soviel Chuzpe – es mag einem kein zweiter deutscher Medienmächtiger einfallen, der so schnell und gewitzt reagiert wie der Bild-Chef. Rösler dagegen steht nach wie vor bedröppelt da. Und das Foto, das Springer-Lobbyist Dietrich von Klaeden (Bruder von Eckart von Klaeden – das ist jener CDU-Politiker, der mal zum einem von der Titanic inszenierten “Schwarzgeldtreffen” nach Luzern reiste) mit Rösler im hautengen Jogging-Dress twitterte, das macht die Sache für Rösler auch nicht besser. Wirklich nicht.

Über Bertelsmann-Chef Thomas Rabe ist bekannt, auch wenn es kaum zu glauben ist, dass er in seiner Jugend Bassist in einer Punkrockband war. Ja, richtig gelesen: Punk(!)rockband. In einem Interview mit dem deutschen Rolling Stone ging Rocker Rabe nun ins Detail. So ein kleines bisschen zumindest. "White Lie", also in etwa: Notlüge, hieß eine der Bands, in denen er, Rabe, "leidenschaftlich" Musik gemacht habe, bevor mit 20 Jahren Schluss war. Andere Dinge hätten ihm damals aussichtsreicher erschienen als eine Musikerkarriere. Zum Beispiel Oberboss bei einem Multi-Milliarden-Konzern zu werden. Vor zwei Jahren habe er sein Instrument für eine Probe mit der Gütersloher Hausband entstaubt, um "Knockin‘ on Heaven’s Door" einzuüben. Doch das habe “irgendwie nicht funktioniert”. Warum auch diese durchgenudelte Nummer? Wir wünschen uns: Die Gütersloh Hausband mit Thomas Rabe am Bass spielt “Money” von Pink Floyd. Das hätte immerhin einen gewissen Witz. Einer wie Diekmann würde es machen.

Zuerst versuchte sich der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück als Twitter-Verweigerer zu positionieren. "Ich werde nicht twittern", sagte er während einer Podiumsdiskussion. Naja, wie das so ist – kurze Zeit später war er dann doch bei Twitter. Die meisten Tweets unter dem Account @peersteinbrueck stammen aber nicht von ihm selbst, sondern von seinen Wahl-Helferlein. Auf der Twitter-Profilseite heißt es darum: “Hier twittert das Team von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück – und ab und zu er selbst.” Und wenn “er selbst” twittert, dann sieht das seit einiger Zeit so aus, dass Peer Steinbrück handschriftliche Notizen anfertigt. Irgendeiner knipst die und stellt sie als Foto ins Netz. Diese Woche hat Steinbrück anlässlich des 150. Geburtstages der SPD so eine handschriftliche Notiz getwittert:

Die Notiz-Fotos sind so klein geraten, dass man sie nur mit Mühe entziffern kann. Das Steinbrück-Team hat für diese sehr spezielle Form des Very-Old-School-Twitterns das Format “P.S. kurz notiert zu …” erfunden. Wahrscheinlich aus purer Not.

Haben Sie es schon gemerkt: Am morgigen Samstag soll irgendwo ein nicht ganz unwichtiges Fußballspiel stattfinden. Die Medien sind ganz wuschig wegen des Champions League Finales Bayern gegen Dortmund im Wembley Stadion in London. Weil das Spiel bis spätabends dauert, drohen die Printmedien mal wieder in die berühmte Röhre zu gucken. Einige haben sich aber ganz besondere Kniffe einfallen lassen. So druckt die Bild am Sonntag für jene Leser, die eine Ausgabe ohne Spiel-Ergebnis erwischen einen Webcode ins Blatt. Mit dem können die Print-Aficionados eine digitale Ausgabe der BamS mit Champions League runterladen. Oder die Süddeutsche …Die macht anlässlich des Spiels eine “digitale Sonderausgabe” mit zwölf Seiten. Inhalt: Spielbericht, Analysen, Einzelkritiken, das ganze Programm halt. App-Abonnenten der SZ bekommen das Teil ohne Mehrkosten, für 89 Cent kann man es auch einzeln kaufen. Aber Moment mal…gibt es da nicht dieses Dingens, in dem all dieses Zeugs kurz nach dem Spiel auch drinsteht und wofür man gar nix bezahlen muss. Dieses Dings, wie heißt das noch gleich. War das der Faxabruf …, nein, jetzt hab’ ich’s: das Internet!

Schönes Champions League Wochenende!  

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