Funke-Gruppe steigt bei Radio Herne aus

Die Funke-Mediengruppe (ehemals WAZ-Gruppe) zieht sich bei Radio Herne zurück. Grund: Der Sender sei seit seiner Gründung 1990 defizitär. Konkret hat die zur Mediengruppe gehörende Westfunk, die insgesamt zwölf NRW-Sender betreibt, angekündigt, den Vertrag mit der Veranstaltergemeinschaft von Radio Herne zum Jahresende zu kündigen. Bis dahin könne die Veranstaltergemeinschaft Herne90acht ein neues Konzept erarbeiten. Die Funkes haben dazu gleich einen Vorschlag parat.

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"Die Funke Mediengruppe wird vor dem Hintergrund anderer Stellenkürzungen in der Gruppe den defizitären Lokalfunksender nicht weiter betreiben! Dies ist nicht zu rechtfertigen", sagt Gunther Fessen, Sprecher der Funke Mediengruppe. Um Radio Herne eine Zukunft zu geben, sei es notwendig, strukturelle Veränderungen herbeizuführen. 
Pläne für einen möglichen wirtschaftlichen Betrieb würden von der Betriebsgesellschaft Radio Herne bereits erarbeitet. Alle Fakten und alle Zahlen seien den Gesellschaftern offen gelegt worden. Die geplante Kündigung zum 31.12.2013 biete der Veranstaltergemeinschaft ausreichend Zeit, eine neue Betriebsgesellschaft zu finden oder ein tragfähiges Konzept zusammen mit der Betriebsgesellschaft zu entwickeln. 
"Fakt ist, dass der Sender seit Gründung im Jahre 1990 bis zum heutigen Tag  nur negative Ergebnisse erwirtschaftet hat. Gründe hierfür liegen vor allem in der geringen technischen Reichweite des Senders im regional sehr begrenzten Sendegebiet, das von seiner Wirtschaftskraft  nicht in der Lage ist einen Lokalsender zu tragen", so Fessen. Der macht jedoch zugleich einen Vorschlag, wie es mit dem Sender weiter gehen könnte: "Eine wirtschaftlich tragfähige Lösung wäre sicher, die Sender Herne und Bochum zusammen zu legen." 
Der Deutsche Journalisten-Verband in NRW äußerte sich in einer Mitteilung kritisch über die Pläne der Funke-Gruppe und fragt: "Wird die Sparpolitik, die bereits bei den Zeitungstiteln der Funke-Gruppe üblich ist, auf die Lokalradios übertragen?" Der Vorsitzende des Landesverbands, Frank Stach, kritisiert: "Wieder wird mit fortlaufenden hohen Verlusten argumentiert, wieder ist für Außenstehende nicht erkennbar, wie der Konzern rechnet." Für den DJV-NRW sei rätselhaft, warum ausgerechnet dieser eine Lokalradiosender im Westfunk-Verbund derart defizitär arbeiten sollte.
Durch Sparaktionen sorgte die Funkegruppe in den vergangenen Monaten und Wochen für negative Schlagzeilen in eigener Sache. Bei der Westfälischen Rundschau wurde die komplette Redaktion aufgelöst. Die Zeitung wird nun von anderen Redaktionen mit Inhalten beliefert. Auch an anderer Stelle sparte die Mediengruppe ein. Ende März wurde bekannt, dass der Konzern weitere 200 Stellen in Redaktion, Verwaltung und Anzeigenverkauf abbaut.
"Das Print-Sparmodell darf nicht auf den Lokalfunk übergreifen", fordert Frank Stach. Wenn sich die Funke-Gruppe nicht besinne, wäre es Zeit für neue Player auf dem Markt. "Und zwar für solche, die Presse- und Meinungsvielfalt ernst nehmen und Lokalfunk ernsthaft betreiben wollen."

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