Wie die Zeit ARD und ZDF demaskiert

Fernsehen Die Zeit macht in dieser Woche mit dem Thema Fernsehen auf: “Ist das noch unser Fernsehen? Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen in der Kritik. Was läuft schief?” Herzstück des Themenschwerpunkts, der sich durch alle Ressorts zieht, ist ein großes Doppel-Interview mit ZDF-Intendant Thomas Bellut und ARD-Programmdirektor Volker Herres. Das entlarvende Gespräch verrät mehr über die strukturellen Probleme des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, als den beiden lieb sein kann.

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Es ist schon bezeichnend, wenn in einem Interview ZDF-Intendant Thomas Bellut Sätze sagt wie: “Natürlich bieten wir auch Durchschnittsware an.” Aber das sind nur nette Randerscheinungen in einem lehrreichen Stück. Am Besten ist das Zeit-Gespräch mit den beiden mächtigen Männern von ARD und ZDF dann, wenn die TV-Bosse ins Herumeiern und Schwadronieren geraten. Dann verraten sie zwischen den Zeilen viel über die Unbeweglichkeit des öffentlich-rechtlichen TV-Apparates.

So fragt die Zeit an einer Stelle, warum die meisten Dokumentationen spätabends oder nachts laufen. Antwort Volker Herres: “Das ist ein Vorurteil. Am Montag um 22.45 Uhr gibt es im Ersten einen festen Sendeplatz für Dokumentationen.” Er hat es offenbar nicht gemerkt – aber was ist 22.45 Uhr, wenn nicht spätabends? Thomas Bellut verweist auf den Doku-Sendeplatz des ZDF dienstags um 20.15 Uhr. Dort sei jüngst die Doku zu den Hitler-Tagebüchern zu sehen gewesen, “Die Jahrhundertfälschung”. Die sei mit einem Marktanteil von 6,8% “allerdings nicht sehr gut gelaufen.” Bellut schiebt nach: “Es ist die Höchststrafe in unserer Branche, nicht beachtet zu werden.” Nicht-Beachtung ist also die Höchststrafe? Wirklich?

Gilt also, Quote, Quote über Alles? Natürlich nicht, sagen die Bosse von ARD und ZDF, wenn man sie fragt. Aber mit dem was sie sagen, bestätigen sie das Vorurteil dann doch indirekt. Was würde denn passieren, fragt die Zeit scheinbar naiv, wenn man ein hochwertiges Programm mit tollen Kritiken aber schlechten Quoten hätte? Da können die beiden Herren nur lachen. Herres: “Die Folge wäre eine Diskussion, die sich auf einen Satz verkürzen lässt: Warum müssen alle Beiträge für ein System bezahlen, das von einem Großteil der Bevölkerung gar nicht genutzt wird?”

Das ist ein Standard-Argument der öffentlich-rechtlichen Macher bei jeder Quoten-Diskussion. Aber wo war denn der postulierte öffentliche Aufschrei, als zum Beispiel Dominik Grafs hoch gelobte Reihe “Im Angesicht des Verbrechens” mit bescheidenen Quoten lief? Der Nachweis, dass es tatsächlich einen öffentlichen Sturm der Entrüstung geben würde, wenn ARD und ZDF weniger auf die Quote schielten, der steht aus.

Oder nehmen wir das aktuelle Thema Transparenz. Auch hier sind Bellut und Herres schnell dabei zu versichern: Ja, ja. Wollen wir. Ganz viel davon! Her mit der Transparenz! Sobald es konkret wird, kneifen sie wieder. Wieviel hat die Champions League das ZDF gekostet? Bellut: “Wir sind bei den Fußballverträgen zu Verschwiegenheit verpflichtet.” Die Zeit weist zurecht darauf hin, dass der Pay-Sender Sky offenbar Verträge abschließt, die dies erlauben.

Volker Herres sagt: “Der Wille ist da – wir haben nichts zu verbergen.” Okay, wie viel verdienen denn die ARD-Moderatoren. Da springt Bellut seinem Kollegen bei: “Würden wir das veröffentlichen, gäbe es sofort eine Neid-Debatte, die sehr heftig wäre.” Seiner Meinung nach haben “auch gut bezahlte Menschen ein Recht, geschützt zu werden.” Die Verträge, der Neid, die Politik. Immer gibt es tausend Gründe, für die die ARD- und ZDF-Oberen natürlich nix können, die die eigentlich so sehnlich gewünschte Transparenz dann doch wieder behindern. Man wär’ ja so gern transparent – aber ach …

Anderes Thema: Warum zeigen ARD und ZDF nicht mal eine hochwertige amerikanische Serie wie zum Beispiel “Homeland”, will die Zeit wissen. Herres meint allen Ernstes, dass er zuviel gute Angebote im Programm hat, um auch noch sowas zeigen zu können: “Eine überschaubare Serie könnte ich platzieren, eine lang laufende Serie wäre schwierig.” Gemeinerweise haben die Schlingel von der Zeit in der Randspalte neben dem Interview die jeweiligen Tages-Programme von ARD und ZDF vom 23. Mai 2013, dem Erscheinungstag des Interviews, abgedruckt. Das sieht man dann, was Volker Herres meint, wenn er von “zuviel guten Angeboten” im Programm spricht: lauter Roten Rosen, ARD-Buffets, Liebes-Stürmen, Zoo-Soaps, Fußball, Küchenschlachten, Topfgeldjägern, Krimi-Ware, Talkshows und das ZDF-Film-Highlight “Molly & Mops: Ein Mops kommt selten allein”. Anspruch und Wirklichkeit sind eben zwei Paar Schuhe.

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Alle Kommentare

  1. Tut mir leid. Aber ARD und ZDF haben diktatorische Methode.
    Sie sind den politischen Parteien hörig. Nur durch Zwangsabgaben der Zuseher können sie überleben. Milliarden werden eingenommen und an Millionäre -teilweise – verteilt ( Fußballer ,u.s.w.).Hier zweifel ich an der Demokratie.

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