Medien-Hickhack um SPD-Geburtstag

Die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag der SPD am 23. Mai wurden nur vom ZDF und Phoenix live übertragen – weil die Privaten nicht durften. Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) verweist auf einen "Exklusivvertrag", der dem ZDF das alleinige Übertragungsrecht gesichert habe. Das ZDF weist dies zurück und erklärt, dass private Sender, wie beispielsweise n-tv, nicht bereit gewesen seien, sich an den Produktionskosten zu beteiligen. Was der Nachrichtensender prompt dementierte.

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Das ZDF weist die Vorwürfe, es habe einen "Exklusivvertrag" mit der SPD gegeben, zurück. Der Sender habe die Poolrechte an der Veranstaltung erhalten. Das bedeutet so viel wie: Das ZDF stellt die Produktion sicher und beliefert andere interessierte Sender mit dem Material, damit nicht mehr Kameras vor Ort sind als Gäste.
Wenn sich mehrere TV-Anstalten für die Live-Ausstrahlung eines Events interessieren, sei es üblich nach dem sogenannten Berliner Modell zu verfahren, so das ZDF. Demnach würden die Kosten nach einem festgelegten Schlüssel verteilt. Laut ZDF habe sich der private Nachrichtensender n-tv (gehört zur RTL Group) nicht aber an den Kosten beteiligen wollen, weshalb ihm nur eine zeitverzögerte Berichterstattung zugesprochen wurde.
n-tv bestreitet diese Darstellung. "Der Verweis auf die Kosten überrascht uns doch sehr. Wir wären da durchaus gesprächsbereit gewesen, zumal in Poolverfahren eine Kostenbeteiligung ja durchaus üblich ist", so n-tv-Sprecherin Bettina Klauser. "Eine finanzielle Forderung des ZDF ist aber weder in der Geschäftsführung noch in der Chefredaktion von n-tv bekannt." n-tv hätte die SPD "nicht erst gestern" auf eine Ungleichbehandlung aufmerksam gemacht und bereits vor zwei Wochen das Gespräch mit Partei und Sender gesucht.
"Die Sozialdemokraten zeigen hier ein sehr spezielles Verständnis von Informationsfreiheit. Wir fordern die Sozialdemokratische Partei daher auf, Chancengleichheit in der Berichterstattung herzustellen und private Veranstalter nicht weiter zu benachteiligen", sagt Annette Kümmel, Vorsitzende des Fachbereichs Fernsehen und Multimedia des VPRT.
Die SPD hat sich gegenüber MEEDIA noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

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