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Apple spart legal 17 Mio. Steuern – täglich

Es war ein echtes Scheingefecht: Apple, der vermeintlich böse Steuertrickser, wurde vor den US-Senat zitiert, um Rede und Antwort zu stehen. Den unangenehmen Termin musste Apple-Chef Tim Cook gestern höchstpersönlich wahrnehmen. Cook war darauf bestens vorbereitet und parierte höflich, aber bestimmt die Vorwürfe. Anstatt des angekündigten Kreuzverhörs geriet die Befragung zur Kuschelstunde mit dem Boss des wertvollsten Konzerns der Welt. Selbst republikanische Senatoren outeten sich als Apple-Fanboys.

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Es war ein echtes Scheingefecht: Apple, der vermeintlich böse Steuertrickser, wurde vor den US-Senat zitiert, um Rede und Antwort zu stehen. Den unangenehmen Termin musste Apple-Chef Tim Cook gestern höchstpersönlich wahrnehmen. Cook war darauf bestens vorbereitet und parierte höflich, aber bestimmt die Vorwürfe. Anstatt des angekündigten Kreuzverhörs geriet die Befragung zur Kuschelstunde mit dem Boss des wertvollsten Konzerns der Welt. Selbst republikanische Senatoren outeten sich als Apple-Fanboys.

Das Setting ist ein Klassiker: Tim Cook spricht in der Öffentlichkeit – und die Apple-Aktie fällt, ganz gleich, was der Vorstandsvorsitzende des wertvollsten Konzerns des Welt auch sagt. So ging es die vergangenen sechs Mal, hat die Huffington Post nachgerechnet.  Heute ist ein siebtes Mal dazugekommen – doch Apple-Aktionäre werden es verschmerzen können: Das Minus betrug weniger als ein Prozent.   

Es hätte um einiges schlimmer kommen können, als sich Cook in die Höhle des Löwen nach Washington begab, wo sich der US-Senat nur darauf wartete, den Apple-Chef gebührend zu grillen. "Apple war nicht damit zufrieden, Gewinne in ein Niedrigsteuer-Paradies zu verlegen", zog  Senator Carl Levin im Vorfeld vom Leder.

"Apple hat nach dem Heiligen Gral der Steuervermeidung gesucht", erklärte Levin bissig. Der frühere Präsidentschaftskandidat John McCain sprach von "sehr fragwürdigen Steuerstrategien, die Unternehmen wie Apple nutzen, um Steuerzahlungen in Amerika zu vermeiden".

Milliarden in Irland gespart

Also wurde ein Ausschuss einberufen, um der Sache auf den Grund zu gehen. 17 Millionen Dollar Steuern spart Apple durch ein äußerst ein ausgeklügeltes Steuersparsystem aus unzähligen Tochtergesellschaften im Ausland – jeden Tag. In Irland etwa zahlt Apple Operation International (AOI) weniger als 2 Prozent Unternehmenssteuern.

Seit 2009 sind es gerade mal 0,06 Prozent, die Apple von der irischen Regierung genehmigt wurden, wenn Apple denn entsprechend seine Geschäftstätigkeit verlagern würde, obwohl die Holding operativ weiter von den USA aus geführt wurde. Genau das passierte: Insgesamt 74 Milliarden Dollar an Umsatz waren in den vergangenen vier Geschäftsjahren aus den USA so in der Bilanz nach Irland verlagert worden.

Apples Steuerspartricks: Ähnlich kreativ wie die Produkte

Insgesamt sparte Apple im vergangenen Geschäftsjahr durch sein Geflecht an ausländischen Offshore-Firmen im Vergleich zur Besteuerung in den USA von 35 Prozent bemerkenswerte 12,5  Milliarden Dollar. Auf Sicht von vier Jahren wären gar 44 Milliarden Dollar zusammengekommen.

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Entsprechend sah der US-Senat Rechtfertigungsbedarf und lud Tim Cook, der im Vorfeld bereits deutlich gemacht hatte, "alle nötigen Steuern gezahlt zu haben – jeden einzelnen Dollar", Cook zur Anhörung vor.  Die geriet dann jedoch zur eigentlichen Show-Veranstaltung, denn rechtlich ist Apple nicht zu belangen: Der iPhone-Hersteller geht in seiner Buchführung schlicht ähnlich kreativ vor wie bei seinen Produkten.  

US-Senat knickt vor Cook ein: "Eigentlich müssten wir uns entschuldigen"

Tim Cook, dem Schulungen durch Rechts- und PR-Berater im Vorfeld anzuhören waren, parierte die kritischen Fragen souverän. Apple zahle mit sechs Milliarden Dollar so viel höchsten Steuern wie kein anderes Unternehmen, machte der Apple-CEO einen wichtigen Punkt.  Und fügte voller Patriotismus hinzu: "Wir sind stolz darauf, ein amerikanisches Unternehmen zu sein."

Cooks Charmeoffensive verfehlte die Wirkung nicht. Am Ende schien den US-Spitzenpolitkern die Sache selbst unangenehm: "Sagen Sie mir, was Apple Illegales getan hat", merkte der republikanische Senator Rand Paul kleinlaut an. "Eigentlich müssten wir uns bei Apple entschuldigen und ihnen für die Jobs, die sie geschaffen haben, gratulieren."

John McCain: "Warum muss ich ständig meine Apps aktualisieren?"

Selbst der frühere Präsidentschaftskandidat der Republikaner, John McCain, merkte selbstkritisch an: "Ich spreche mich schon lange dafür aus, unsere kaputten Steuergesetze zu überarbeiten".

Als McCain sich dann auch noch bei Cook mit Sachfragen offenbar einschmeicheln wollte ("Was ich wirklich gerne wissen würde, ist, warum ich meine Apps immer updaten muss, könnten Sie das nicht ändern"), geriet der vermeintlich so heikle Showdown mit der US-Politik zur Wohlfühlveranstaltung – der Apple-CEO klang wie ein klarer Gewinner. Wann konnte man das zuletzt von Tim Cook sagen?

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