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Warum DuMont eine neue Struktur braucht

Es ist für das Haus M. DuMont Schauberg zu Köln eine Zeitenwende. Der Traditionsverlag bekommt einen Vorstandsvorsitzenden. Zumindest diese Erkenntnis kann als gesichert gelten. Welcher Medienmanager den neu geschaffenen Posten bekleiden wird, ist zwar nicht unwichtig, aber dennoch zweitrangig. Viel entscheidender ist die Tatsache, dass sich Patriarch Alfred Neven DuMont offenbar dazu entschlossen hat, die Führungsstruktur des Medienunternehmens zu überdenken.

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Bisher musste bei DuMont streng das Familienprinzip gewahrt bleiben. Der Verlag gehört zu gleichen Teilen den Familien Neven DuMont und Schütte, wobei die Neven DuMonts traditionell den Part übernommen haben, das Haus nach außen zu vertreten. Der kürzlich verstorbene Verleger Dieter Schütte hielt sich eher im Hintergrund, das hält sein Sohn und Erbe Christian ebenfalls so. Neben Christian DuMont Schütte sitzt nach dem turbulenten Ausstieg von Konstantin Neven DuMont dessen Schwester Isabella in dem Führungsgremium. Im Verlag ist sie aber nicht weiter in Erscheinung getreten, sie hat den Posten vermutlich eher aus Pflichtgefühl übernommen. Den Vorstand komplettieren der kaufmännische Vorstand Eberhard Klein und Franz Sommerfeld als journalistischer Kopf.
Einen Vorsitz im Vorstand gab es zuletzt nicht, auch und vor allem, um die "Balance of Power" nicht durcheinanderzubringen. Klar ist indes, dass Aufsichtsratschef Alfred Neven DuMont zwar nicht mehr aktiv das Tagesgeschäft gestaltet. Dennoch wird vermutlich keine wichtige Entscheidung ohne ihn getroffen. Der Patriarch ist mittlerweile 86 Jahre alt. Das dynastische Prinzip lässt sich auf seiner Familienseite zumindest im operativen Geschäft mit großer Wahrscheinlichkeit auf Dauer nicht aufrechterhalten. Darum ist es nur vernüntig, wenn nun ein starker Manager von außen auf den neu zu schaffenden Posten käme. Die Voraussetzung, dass eine solche Umstrukturierung Erfolg hätte: Neven DuMont müsste loslassen. Konsequent wäre, wenn er Christian DuMont Schütte seinen Chefposten im Aufsichtsrat überließe und Isabelle Neven DuMont ebenfalls dort einen Platz bekäme.
Für einen erfahrenen Verlagsmanager mit Digital-Affinität gibt es in Köln und Berlin eine Menge zu tun. Denn die Zukäufe von Frankfurter Rundschau, Berliner Verlag und  Hamburger Morgenpost haben den Kölnern zwar zu einem Sprung nach vorn in der Tabelle der größten deutschen Zeitungsunternehmen verholfen. Doch könnte Alfred Neven DuMont die Zukäufe ungeschehen machen – er würde das mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit sogar tun. Nur für kurze Zeit konnte er sich als Retter der bedrohten Zeitungslandschaft feiern lassen. Dann kamen die Probleme, und die auch nicht völlig unvermutet.
In die FR steckten die Kölner viele Millionen Euro, um sie dann in die Insolvenz schicken zu müssen. Für DuMont eine vermutlich niederschmetternde Entwicklung, die am Selbstvertrauen kratzt. Die mutige digitale Offensive mit einer glänzenden iPad-App der Frankfurter brachte außer ein wenig Prestige – nichts. Das Debakel in Frankfurt, dessen Ursprünge freilich noch vor dem Einstieg von DuMont Schauberg liegen, hat ebenfalls Konsequenzen für den Berliner verlag, mit dem die Frankfurter redaktionell eng verflochten waren. Auch in Berlin müssen Stellen abgebaut werden, aktuell läuft ein freiwilliges Abfindungsprogramm. 2011 schloss der Konzern das Geschäftsjahr mit einem Fehlbetrag von 2,7 Millionen Euro ab. Das größte im Geschäftsbericht gehandelte Risiko, die Rundschau, ist DuMont Schauberg allerdings nun los.
Schließlich zu den gehandelten Personen. Christian Nienhaus, Co-Geschäftsführer bei der WAZ, wird es nach MEEDIA-Infos nicht. Nienhaus selber dementierte zudem gegenüber den Kollegen von w&v. Bereits vor knapp zwei Jahren gab es aber Kontakte zwischen Nienhaus und dem Verlag, heißt es in Unternehmenskreisen. Ein Wechsel nach Köln sei dann aber doch nicht zustandegekommen. Was nicht bedeutet, dass Nienhaus nicht mit einem Seitenwechsel liebäugeln könnte.
Der ebenfalls (vom Hamburger Abendblatt) gehandelte Hans-Georg Schnücker, der Geschäftsführer der Verlagsgruppe Rhein-Main, wäre eine interessante Wahl. Schnücker gilt als kompetenter, unaufgeregter und – auch wenn man dies bei der Verlagsgruppe Rhein-Main nicht zwingend vermutet – digitalen Medien gegenüber sehr aufgeschlossener Manager. Er wäre nicht die Besetzung, die für großes Aufsehen sorgt. Doch das muss kein Nachteil sein, im Gegenteil. Kleiner Indikator pro Schnücker: Am Dienstag ernannte der Kölner Verlag den langjährigen Geschäftsführer der Frankfurter Rundschau, Karlheinz Kroke, zum Leiter für Sonderprojekte. Kroke und Schnücker kennen sich und sollen gut miteinander auskommen.
In Köln kursiert offenbar auch der Name Christoph Bauer, der bis Ende 2012 Geschäftsführer der Schweizer AZ Medien (u.a. Aargauer Zeitung) war und von der Zeitschrift Schweizer Journalist im vergangenen Jahr zum "Medienmanager des Jahres" gekürt worden war. Aber, siehe oben: Wer den Posten bekleiden wird, ist nicht die Hauptfrage. Die lautet: Hat DuMont Schauberg den Mut, seine Entscheidungs- und Führungsstrukturen umzubauen? 

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