Kleber und Wickert kritisieren „Tagesschau“

Haue von einem Ex-Moderator und einem Konkurrenten: In einem Doppel-Interview mit der Zeit kritisieren der ehemalige Mister-Tagesthemen, Ulrich Wickert, und der "heute journal"-Anchor Claus Kleber die "Tagesschau". Kleber sagt: "Ich glaube, dass sich dieses Konzept gerade überlebt". Web-Angebote ersetzten den schnellen Blick auf die Nachrichten. Ähnlich sieht es Wickert. Er wünscht sich eine längere und moderierte Sendung, befürchtet jedoch, dass diese "wohl nicht in den Abendablauf der Zuschauer" passe.

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In dem Zeit-Gespräch stellen die beiden den Unterschied zwischen ihrer Funktion und der eines Nachrichten-Sprechers heraus. "Wir Moderatoren sagen im ‚heute journal‘ oder in den ‚Tagesthemen‘ das, was wir uns selbst erarbeitet haben und was unsere Meinung ist. In der ‚Tagesschau‘ um 20 Uhr wird lediglich ein Text vorgetragen, den eine Redaktion verfasst hat", erklärt Wickert. Eben dieses nicht moderierende Format sehen beide jedoch kritisch.
Kleber betont, dieses werde am ehesten ersetzt "durch den schnellen Blick ins Internet." Der "heute journal"-Moderator konkretisiert: "Studenten etwa sind, während sie ihre Essays schreiben, auf Facebook aktiv und lesen Spiegel Online. Das läuft alles gleichzeitig. Die brauchen abends die Tagesschau wirklich nicht." Man müsse die Zeichen der Zeit erkennen. 
Wickert findet es auch deshalb schade, "dass die Tagesschau nicht moderiert wird." Eine moderierte Tagesschau müsste jedoch länger sein, was nicht in den Abendablauf der Zuschauer passe. "Das ist eine Zwickmühle", so Wickert. Er gibt jedoch auch zu bedenken, dass die Zahlen zum Teil anders aussähen: "Es gibt wachsende Zuschauerzahlen auch unter Jugendlichen bei der live im Fern sehen ausgestrahlten Tagesschau." 
Kleber glaubt, dass sich zudem die Frage der Aktualität neu stelle: "Wir reißen uns ja die Beine aus, um selbst während der laufenden Sendung noch die aktuellsten Bilder reinzukriegen. Aber die jungen Leute schauen sich die Sendung erst spätabends oder am nächsten Morgen in der Mediathek an und finden sie aktuell genug. Da raufe ich mir die Haare."
Lob finden die beiden Größen der TV-Nachrichtenjournale ausgerechnet für die Konkurrenz von RTL. Das gelte weniger für "RTL aktuell", das laut Kleber "vier bis sechs Minuten täglich" gute Nachrichten mache und dann im Infotainment versinke, sondern für das "RTL Nachjournal". Dort sähen er und sein Team "häufig gute Zugänge, die uns auch gern eingefallen wären." Wickert sagt der Zeit, er denke sich hier häufig: "Mensch, gute Reportage."
Klebers Ausführungen werden auch bei den Kollegen der "heute"-Redaktion auf großes Interesse stoßen. Zwar äußert sich der Moderator mit keinem Wort zur Nachrichtensendung des ZDF, da diese aber sehr ähnlich aufgebaut ist, wie die der ARD, dürfte die Kritik in gleicher Weise auch hier anzuwenden sein.
Freuen dürfen sich hingegen die Kollegen der "heute show". Die sei inspirierend. Kleber: "Von denen können wir ‚ernsthaften‘ Moderatoren auch was lernen." Besonders die Direktheit bewundert der Moderator: "Da wurde Wolfgang Kubicki gefragt, wie es mit einem Aufstand gegen seinen Vorsitzenden Rösler stehe: ‚Gibt’s schon ein Datum?’". Um die Idee beneide Kleber Oliver Welke bis heute.

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