Kai Diekmann: Was sich bei Bild ändern wird

Wenn demnächst ein Resümee gezogen werden sollte, was Bild-Chef Kai Diekmann in seiner Zeit im Silicon Valley so alles erreicht hat, lässt sich eines mit Sicherheit auch sagen: Gute PR für die Axel Springer AG hat der Journalist auf jeden Fall geliefert. Die deutschen Journalisten drängelten sich geradezu, um Interviews mit Diekmann zu führen, ihn besuchen oder sonstwie in neuer Umgebung befühlen zu dürfen. Dem Handelsblatt teilte Diekmann nun sein neues Credo mit: "Wir müssen alle Überzeugungen überprüfen".

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Diekmann wird in nur wenigen Wochen zurück nach Berlin kommen. Wird er gleich damit beschäftigt sein, den vom Spiegel kolportierten Stellenabbau zu exekutieren? Nein, sagte Diekmann gegenüber den Reportern der Wirtschaftszeitung, die vom Nachrichtenmagazin genannten 200 Stellen würden keineswegs gestrichen. Es gehe darum, die "Marke Bild" umzubauen, Strukturen anzupassen. Mit anderen Worten: redaktionelle Ressourcen von der Print- in die digitale Welt umzuschichten. Doch keinesfalls werde an Reportern gespart: "Das ist in meinen Augen lebensgefährlich."
Geleitet wird Diekmann auf seinem Heimweg von der Erkenntnis, "vor welch ungeheuren strategischen Herausforderungen wir in unserem Geschäft stehen". Es gehe darum, die "digitale Transformation, oder Revolution, noch viel entschiedener voranzutreiben". Das bedeute: Bild müsse "wieder dahin, wo unser Publikum ist". Also: Auf alle digitalen Plattformen, vor allem auf die mobilen Endgeräte. Die gedruckte Zeitung bleibe wichtig, sei aber "eine Oberfläche von vielen". Eine ähnliche Botschaft verbreitet seit einigen Jahren mit zunehmender Vehemenz auch Springer-CEO Mathias Döpfner. Eine kleine Ankündigung konnte der Bild-Chef gleich loswerden: Noch im Sommer werde eine Leserreporter-App fertig.
Diekmann wird in dem Gespräch etwas konkreter, wo es um die redaktionelle Organisation geht. "Die gesamten Arbeitsabläufe werden sich ändern", so der Bild-Chef. Geschichten würden künftig wichtiger und über Tage hinweg vorangetrieben. Das Ressortdenken trete zugunsten von Team-Denke eher in den Hintergrund. Exklusivität in Form von Breaking News sei in der digitalen Welt eine Chimäre. Stattdessen sei Exklusivität künftig, "eine Geschichte auf einmalige, unverwechselbare Art zu erzählen, so wie nur wir es können". Neue Formate müssten entwickelt werden, dazu "eine eigene Sprache". Und noch stärker als bisher gelte es, in sozialen Netzwerken präsent zu sein. Diekmann: "Automatisierte Tweets, wie sie von einigen Medien eingesetzt werden, sehen eben aus, wie automatisierte Tweets – nämlich Scheiße."
Am kommenden Montag stellt Bild sein neues Online-Bezahlsystem vor. Zu diesem Thema sagte Diekmann in dem Interview, das heute in der Handelsblatt-Live-App zu lesen war und morgen in der gedruckten Ausgabe veröffentlicht wird, nur so viel: "Es wird in unserem Angebot frei zugängliche und bezahlte Informationen nebeneinander geben." Es handele sich um ein flexibles Abo-Modell.
MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt

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