So unübersichtlich ist das neue Google+

Auf seiner Entwicklungskonferenz I/O stellte Google eine ganze Reihe von Updates für bekannte Dienste wie Maps, die Suche und das Soziale Netzwerk Google+ vor. Statt echter Neuerungen hat sich Google reichlich bei Ideen der Konkurrenz bedient. Vor allem bei Google+ wird das deutlich. Der Remix aus Pinterest und Instagram sorgt bei den Nutzer jedoch nicht unbedingt für Jubel. Google+ mutiert in seiner neuen Version zu einer Art Foto-Netzwerk, das auf Mainstream-Nutzer zielt.

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Die drei wohl größten Produktveränderungen, die Google jüngst vorstellte, sind der Musik-Streaming-Dienst für Google Play, der bereits länger erwartet wurde, die Generalüberholung für Google+, sowie die für Google Maps. Aller Voraussicht nach ist das Streaming-Tool ein richtiger Schritt. Der Trend geht weg vom Musik-Kaufen, hin zum Streamen und Google schafft nun Möglichkeiten für beides. Als großes Unternehmen wird es sich perspektivisch auch leichter tun, Verträge auszuhandeln, als Spotify. Dennoch ist Googles Musik-Streaming-Dienst eher Reaktion, als Aktion. 
Ähnlich schaut es bei Google+ aus. Das soziale Netzwerk kommt nicht richtig aus dem Quark. Einst mit innovativen Ideen, wie den Kreisen für Kontakte und der Video-Konferenz Hangout, gestartet, wurde Google+ in jüngster Zeit immer stärker mit anderen Google-Diensten verzahnt – wohl um Nutzer auf Google+ zu lenken. Und doch bleibt das Netzwerk eine Geisterstadt, bemängeln Kritiker. Statt Google+ boomen Netzwerke wie Instragram, Pinterest oder Tumblr.
Google+ im Pinterest-Look
Wohl auch deshalb setzt Google nun bei Google+ auf Kopieren statt Erfinden. Die neue Übersicht – die in dieser Form in der iPad-App bereits sehr ähnlich verwendet wurde – ist nicht mehr linear. In drei Spalten werden Beiträge der "eingekreisten" Personen angezeigt. Vor allem Fotos und Videos werden prominent dargestellt.
Die Folge: Google+ mutiert zu einer Art Foto-Netzwerk. Textbeiträge in der Timeline zu finden, wird umso schwerer. Zumal die drei Spalten es schwieriger machen, die genaue Chronologie der Posts zu erkennen. Posts sind nicht alle gleich lang und die Sortierung nicht immer nachvollziehbar. So wirkt die Timeline eher wie ein Kühlschrank voller Post-it-Zettel und nicht wie ein Newsstream.
Das neue Google+ ist trotzdem hübsch geworden. So gibt es durchaus auch positive Rückmeldungen zum neuen Design. Doch hagelt es vor allem reichlich Kritik. Viele User wollen lieber wieder das alte, einspaltige Layout. Dieses lässt auch wieder aktivieren. Wie, beziehungsweise wo, das geht, wird im Netzwerk derzeit fleißig rumgereicht
Auch bei Instagram bediente man sich
Und doch ist der Ärger vor allem bei intensiven Nutzern groß. Kommentare wie "Wie bekomme ich dieses hässliche Windows-8-Layout bei Google plus wieder weg? Oh, ich hab’s – einfach nicht mehr öffnen!", machen auf Twitter die Runde. Viele vergleichen das Layout mit dem von Pinterest. An diesen Bilder-Dienst erinnert die Optik tatsächlich. 
Doch das erfolgreiche Pinterest-Konzept lässt sich nicht so einfach übertragen. Google+ ist bislang eher ein Netzwerk, in dem Medien- und Internet-Interessierte sich austauschen und kein Netzwerk, auf dem Urlaubsfotos geteilt werden. Google will das offenbar mit Gewalt ändern und orientiert sich an der breiten Nutzerschaft von Facebook. Google+ ist neuerdings so etwas wie das richtige Netzwerk für die falsche Zielgruppe.
Google Maps mit Anleihen von Bing und Apple
Auch Google Maps wurde kräftig umgestaltet und entschlackt. Einmal umgewöhnt, fällt die Bedienung leichter. Ein einfacher Klick in die Karte sorgt dafür, dass im neuen Info-Fenster die Adresse angezeigt wird. Bei speziellen Orten, wie Behörden oder Restaurants, werden zudem Informationen wie Öffnungszeiten, Adresse oder URL angegeben.

Screenshot: So sieht das neue Google Maps aus
Doch auch hier dürften Probleme programmiert sein: Wie komme ich in die Streetview-Ansicht? Wie aktiviere ich den Routenplaner? Gerade der Karten-Dienst ist dabei ein heikles Objekt, betrachtet man den Ärger, denn sich Apple beim Wechsel des Kartenmaterials eingehandelt hat. Nun legt also auch Google Hand an und macht dabei ausgerechnet Anleihen beim viel gescholtenen Apple-Dienst. Zumindest erinnern die neuen Logos für Restaurants, Bars und weitere Points-of-Interest sehr an jene aus der Karten-Anwendung für iOS-Geräte.

Zum Vergleich: Das alte Google Maps
Anleihen macht Google auch bei Bing-Maps. So gibt es nun auch eine Ansicht aus der Vogelperspektive. Jedoch ist diese an vielen Stellen, zum Beispiel Hamburg, noch flach und nicht dreidimensional. Im Vorschauvideo zeigt Google jedoch, wie die Funktion im Idealfall aussehen kann.
###YOUTUBEVIDEO###
Die Vogelperspektive und andere Funktionen des neuen Google Maps lassen sich nur auf neueren Browsern und auf neueren Betriebssystemen nutzen. Auch hier könnte Ärger ins Haus stehen. Für alle anderen gibt es noch eine "light"-Version, die zumindest in der Test-Variante noch durchaus hier und da hakt.

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