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Null Punkte: die missratene App zum ESC

Apps waren ursprünglich mal dafür gedacht, mobil die Bedienung bestimmter Dienste einfacher zu machen. Mittlerweile sind sie häufig jedoch Marketing-Tool und -Kanal, um Paid Content zu ermöglichen. So ist es fast schon nicht mehr überraschend, dass die App zum Eurovison Song Contest, die laut NDR "endlich" da ist, den Zugang zum ESC alles andere als einfacher macht. Besonders das hervorgehobene Feature, via App abstimmen zu können, gerät zur aufwändigen und datenfressenden Farce.

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Die App für Smartphones mit Android- oder iOS-Beitreibssystem ist zunächst einmal kostenlos. Umgesetzt wurde sie in Kooperation mit der Kölner Digame Mobile. Der NDR und zwei weitere europäische Rundfunkanstalten waren an der Entwicklung beteiligt. "Mit der App bringen wir den ESC den Leuten näher als jemals zuvor, das gibt dem Zuschauen und Bewerten eine ganz neue Dimension", zitiert die deutsche Eurovision-Seite Jon Ola Sand, von der "European Broadcasting Union" (EBU).
Zunächst sei die Anwendung auf Deutsch, Schwedische und Niederländisch erhältlich, ist hier auch zu lesen. Die App lässt sich jedoch auch auf Englisch stellen. Der Großteil der Inhalte ist ohnehin in Englisch. Es gibt in einer "Timeline" Artikel, Fotos und Videos zum Geschehen rund um den Song Contest. Während der Live-Shows gibt es jeweils Informationen zum aktuellen Akt, sowie der Songtext zum jeweiligen Lied.
Dies freilich könnte, ebenso wie der ohnehin im Browser öffnende Shop für die Songs, auch auf einer mobilen Seite stattfinden. Das Hauptaugenmerk liegt denn auch auf die Möglichkeit per App abzustimmen. Überschrieben ist der Beitrag auf Eurovision.de mit: "Endlich: Voten über die ESC-App!". Im ersten Halbfinale am Dienstag verwies auch TV-Moderator Peter Urban mehrfach auf das neue Tool. 
Doch genau dieses Kernelement erweist sich als zu sperrig. Nutzer müssen zunächst einen Account einrichten. Dafür sind sie gezwungen, ihre Mobilfunk-Nummer und E-Mail-Adresse anzugeben. Die Mobilfunk-Nummer sei nötig, um die Herkunft des Abstimmenden zu bestimmen, ist in den FAQ zu lesen. Nur so könne die Stimme dem richtigen Landesergebnis zugeordnet werden. Zur Abstimmung werden laut Datenschutz-Bestimmungen allein Herkunftsland des Abstimmenden und das Land für das abgestimmt wird, losgelöst von den persönlichen Daten, übertragen.
Doch damit noch nicht genug. Wer via App abstimmen will, muss zudem einem "Billing Agreement" zustimmen und einen Paypal-Account angeben. Denn die Abstimmung via App ist keineswegs kostenfrei. Die Veranstalter wollen mit verdienen. Über Paypal – nicht als in-App-Kauf – wird daher eine Gebühr für die abgegebenen Stimmen verlangt. Diese soll genauso hoch sein, wie bei einer Abstimmung per SMS. 
Angesichts dieses Aufwandes (in der App heißt es, die Registrierung brauche "nur" zwei Minuten) und den zu übermittelnden Daten, werden viele Nutzer wohl lieber wie bisher per SMS oder Anruf abstimmen. Die sonstigen Inhalte der App funktionieren schließlich auch ohne Registrierung.

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