Journalisten ernüchtert von Social Media

Publishing Wie wichtig sind Facebook und Co. für die Öffentlichkeitsarbeit und den journalistischen Alltag? Dieser Frage ging news aktuell im neuen Trendmonitor nach. Das Ergebnis liest sich ernüchternd. Insgesamt bewerten Pressesprecher, PR-Fachkräfte und Journalisten die Aktivitäten ihrer Arbeitgeber im Social Web eher zurückhaltend. Nur bei jedem zehnten Journalisten hätten sich die Erwartungen an den Einsatz von Social Media "voll erfüllt". In der PR liegt dieser Wert nur geringfügig höher.

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Rund zwei Drittel aller Befragten zeigen sich in ihrem Fazit unentschlossen und geben an, dass sich die Erwartungen an Facebook, Twitter und andere Anwendungen nur "zum Teil" erfüllt haben (Journalisten 64 Prozent, Pressesprecher 64 Prozent). Die Gründe dafür sind vielfältig, wie news aktuell in Zusammenarbeit mit Faktenkontor in einer Umfrage unter 1470 Fach- und Führungskräften aus Journalismus und PR zwischen März und April herausgefunden hat.
49 Prozent der Pressesprecher etwa klagen vor allem über zu wenig Unterstützung im eigenen Betrieb. Bei den Journalisten geben 53 Prozent die Erkenntnis “Viel Aufwand, wenig Ertrag” als Grund für die Ernüchterung an. Über eine zu schwach ausgeprägte Interaktion mit Fans, Followern und Bloggern beklagen sich 41 Prozent der befragten Journalisten und 46 Prozent der Pressesprecher. Dass diese vor allem an den bereitgestellten Inhalten liegen kann, sei einmal dahingestellt. Die logische Konsequenz, eine nur schwache Entwicklung der Fan- bzw. Followerzahlen, mindert bei einem Drittel aller Befragten zusätzlich die Lust auf Social Media im Job.
Dennoch geben branchenübergreifend über die Hälfte der Befragten an, dass Social Media eine hohe Relevanz für die eigene Arbeit hat. Knapp die Hälfte erklärt zudem, dass die eigene Arbeit durch den Einsatz von Social Media erfolgreicher geworden ist. Den höchsten Stellenwert hat Facebook (59 Prozent), gefolgt von YouTube und Twitter.
Bei Twitter gehen die Meinungen noch weiter auseinander – vor allem bei den Journalisten. Während die eine Hälfte Twitter nicht als Quelle nutzt und außerdem Tweets von Personen als nicht zitierfähig empfindet, nutzt die andere Hälfte den Mikrobloggingdienst bereits täglich im Job, um sich über Personen und Events zu informieren. So schätzt jeder Zweite die "Direktheit und Authentizität" von Twitter (50 Prozent) sowie die Möglichkeit, in 140 Zeichen "schnell Themen und Trends zu erkennen" (49 Prozent). Allerdings würde es nur knapp jeder dritte Redakteur begrüßen, wenn weitere Promis und Unternehmen anfangen zu twittern (28 Prozent).
Dennoch sind die Webseiten und die generelle Googlesuche die ersten Anlaufstellen für recherchierende Journalisten. Auch der Griff zum Hörer scheint noch lange nicht aus der Mode gekommen zu sein: Ein gutes Drittel der Medienvertreter bevorzugt für die Erstinformation die Kontaktaufnahme mit dem Pressesprecher (39 Prozent) oder mit anderen persönlichen Kontakten in Unternehmen und Organisationen (36 Prozent). Allerdings: Nur 15 Prozent der befragten Journalisten wählt Social Media aus, um sich ein erstes Bild von einem Ereignis zu machen.

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