World Press: Zoff um gefaktes Gewinnerfoto

Ist es nun gephotoshopped oder nicht? Der Blog Extremtech will technisch nachgewiesen haben, dass Paul Hansen, Gewinner des diesjährigen World Press Photo Awards, das Gewinnerfoto nachträglich bearbeitet hat. Der Vorwurf: Die Lichtverhältnisse wurden angepasst und Elemente aus anderen Bildern übernommen. Das hätten mehrere Tests ergeben. Der Fotograf dementiert die Vorwürfe. Nun ist eine Debatte darum entbrannt, ab welchem Grad der Bearbeitung ein Bild zum Fake wird.

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Der Vorwurf kommt nicht von ungefähr. Der Bild-Forensiker Neal Krawetz hat sich auf HackerFactor ausgiebig mit dem betreffenden Bild beschäftigt. So hätte etwa die Analyse des XMP-Blocks ergeben, dass das Bild zwar kurz nach der Aufnahme am 20. November 2012 in Photoshop geöffnet worden war. Allerding seien am 4. Januar zwei weitere Bilder in die Aufnahme hinzugefügt worden – nur wenige Wochen vor der Abgabefrist für den World Press Photo Award. Somit liegt der Verdacht nahe, dass die Aufnahme speziell für den Contest manipuliert wurde.

Ferner hat man eine sogenannte Error-Level-Analyse (ELA) vorgenommen. Dabei wird deutlich, ob bestimmte Bereich aufgrund einer JPEG-Komprimierung Pixelfehler aufweisen oder ob diese auf andere bildverändernde Maßnahmen zurückzuführen sind. Diese Art der Analyse ergab offenbar, dass die Gesichter der abgebildeten Personen nachträgliche retuschiert wurden.
Als wäre das noch nicht genug, glich man zusätzlich noch die Schatten mit der Zeit der Aufnahme ab. Dabei kam man zu dem Schluss, dass an einem Wintermorgen um 10.30 Uhr in den Straßen von Gaza die Sonne niemals so hoch gestanden haben kann, um derartige Schatten an die Wand zu zeichnen: Die Winkel stimmen nicht.
ExtremTech vermutet, dass der Fotograf erkannte, dass das Bild an einigen Stellen zu dunkel war und dann per Photshop nachhalf. Allerdings verbieten die Statuten des World Press Photo Awards jegliche Veränderungen an den eingereichten Bildern. Gegenüber News.com.au erklärte Hansen, dass das Bild kein Fake sei und auch nicht aus mehreren Bildern zusammengestellt wurde. Vielmehr hätte er das Foto im RAW-Format so entwickelt, dass das natürliche Licht der Gasse genutzt wurde. Damit nähere sich das Bild dem an, was das menschliche Auge erfassen kann. “Um es einfach auszudrücken: Es ist dasselbe Bild, entwickelt mit sich selbst. Dasselbe macht man mit Negativen, wenn man sie scannt.”

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