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DJV-Chef kontert Seehofers Medienschelte

Jetzt springt der Deutsche Journalisten Verband einigen Leitmedien bei und verteidigt diese gegen die Vorwürfe des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Der CSU-Politiker hat in der SZ dem ZDF, dem Focus und der FAS Manipulation vorgeworfen. Für den DJV-Chef Michael Konken ist dies der „offensichtliche Versuch, kritische Journalisten vor der bayerischen Landtagswahl einzuschüchtern und die Berichterstattung über fragwürdige Beschäftigungsverhältnisse von Verwandten bei CSU-Politikern zu beenden“.

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Weiter sagte Konken: „Hier wird der Überbringer der schlechten Nachricht an den Pranger gestellt.“ Seehofer beklagte unter anderem eine falsche und schlampige Berichterstattung. Die Medien seien über das Ziel hinausgeschossen: „Wie wenn man auf der Treibjagd ist, und die Bluthunde wittern eine Blutspur. Da wird nicht mehr links und rechts geschaut, das ist schlimm.“

Besonders hat sich der Politiker offenbar über einen ZDF-Bericht zum CSU-Konvent geärgert. ZDF-Moderator Claus Kleber hatte behauptet, dass in Parteitags-Videos Bezüge zur Steuer-Affäre Hoeneß sowie zum Skandal um den zurückgetretenen Fraktionsvorsitzenden Georg Schmidt rausgeschnitten worden seien.

Dazu will die CSU demnächst im ZDF-Verwaltungsrat "noch etwas sagen", so Seehofer. Seiner Meinung nach habe das mit Qualitätsjournalismus alles "nichts mehr zu tun".

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In einer ersten Stellungnahme hatte das ZDF am Montag erklärt, dass es für den Hinweis auf "Umschnitte" im Zusammenhang mit Uli Hoeneß nur eine Quelle (DLF) gegeben hätte. "Ein Dementi war nicht bekannt. Es war ein Fehler der Redaktion, dass dazu keine Reaktion der CSU eingeholt wurde." Auch Kleber musste kräftig zurückrudern: "Ich habe die Darstellung einiger Medien, nach der die CSU einen Video-Film in letzter Minute noch umarbeiten ließ, in meiner Moderation aufgegriffen und ungeprüft übernommen. Das hätte mir nicht passieren dürfen."

Der DJV-Vorsitzende wandte sich nun dagegen, dass der CSU-Politiker Fehler in der Berichterstattung einzelner Medien, die als solche erkannt und eingestanden worden seien, zum Anlass von Manipulationsvorwürfen nehme. „Ich empfehle den Journalistinnen und Journalisten, sich davon nicht beeindrucken zu lassen.“ Seiner Meinung nach hätten Journalisten auch in Wahlkampfzeiten die Aufgabe, zu recherchieren und kritisch zu berichten. „Wer darin Manipulation sieht, hat die Rolle der Medien im demokratischen Staat offenbar nicht verstanden.“

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