‘Tatort’-Watch: Polizei-Rechtsverletzung im TV

Publishing Der "Tatort" ist der beliebteste TV-Krimi in Deutschland. Doch wie realitätsnah ist das, was auf dem Bildschirm passiert wirklich? Grünen-Politiker wollen den "Tatort" nutzen, um Bürgerrechte verstärkt ins Gespräch zu bringen. Auf Twitter starteten sie den "Tatort Watch", in dem sie auf Rechtsverletzungen der TV-Ermittler hinweisen. Regelmäßig kritisierten in der Vergangenheit bereits Vertreter der Polizei die ARD-Filme. Besonders der Dortmunder Ermittler Peter Faber (Jörg Hartmann) sei kein Vorbild.

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Beim "Tatort" rund um Kommissar Borowski am Sonntag kam der Twitter-Account @TatortWatch zum ersten Mal zum Einsatz. Unter dem Slogan "Darf der Tatort das?" soll hier wöchentlich ein anderer Politiker aus den Reihen der Grünen den TV-Krimi kommentieren. "Im Fernsehen – gerade in Krimis – passieren viele Grundrechtsverletzungen und wir möchten das gerne auf einer niedrigschwelligen und auch humoristischen Ebene ansprechen", verrät Paula Riester gegenüber MEEDIA.
Sie machte am gestrigen Sonntag den Start. Die Berliner Bundestags-Kandidatin entdeckte vor allem fehlende Belehrungen im Krimi: So schrieb sie zum Beispiel: "Auch die Polizei muss Menschen, die sie befragt, über ihre Rechte belehren" und kommt zu dem Schluss: "Das Seminar zur Belehrung über Zeugen- und Beschuldigtenrechte haben die Kommissar_innen wohl geschwänzt." 
Außerdem kritisierte sie im Hinblick auf eine vom Kommissar angeordnete Fahndung: "Darf die Polizei zwar auch anordnen, aber wie so oft nur bei Gefahr im Verzug." Außerdem moniert Riester: "Lieferanten einfach mal so mit SEK und gezogener Waffe überprüfen….muss ja nicht sein."
Vermummte SEK-Kräfte im "Tatort" kritisierte vor einiger Zeit auch der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende der Polizei-Gewerkschaft GdP, Ernst Scharbach. Er würde kaum den ARD-Krimi anschauen: "Das kann ich nicht sehen, weil da so viel falsch drin ist." Die Polizei-Gewerkschaft kritisierte zuletzt auch den Dortmunder Ermittler Peter Faber. Der Charakter schade dem Berufsstand der Polizisten. Riesters Fazit am Ende des gestrigen TV-Films fiel da schon versöhnlicher aus: "Wenn man mal von den fehlenden Belehrungen absieht, war die Polizei heute ganz korrekt."
Die Idee für den Tatort-Watch stamme von Sebastian Brux, Twitterer und Büroleiter von Volker Beck, verrät die Grünen-Politikerin. Bislang sei eine kleine Gruppe aus Landtags-, Bundestags- und Europaabgeordneten involviert. "Wir gucken alle sehr gerne den Tatort und manche von uns verfolgen die bereits dazu stattfindenden Diskussionen dazu auf Twitter. Wir möchten diese Diskussion nun gerne um das Thema Bürgerrechte erweitern und erhoffen uns eine rege Debatte dazu", so Riester. Tatsächlich finden während dem "Tatort" regelmäßig Diskussionen zum Film auf Twitter statt. Ob der „Tatort-Watch“ diese jedoch wirklich auf das Thema Bürgerrechte erweitern kann, muss sich zeigen. 
Immerhin über 1000 Follower sammelte der Account bereits nach dem ersten Fall. Riester bewertet die Reaktionen überwiegend positiv, wenngleich es auch negatives Feedback gegeben habe. Den Machern sei durchaus bewusst, dass der "Tatort" ein fiktiver Film sei. In den Reaktionen ist genau das zum Teil als Vorwurf zu finden. Es handle sich nicht um eine Dokumentation, schreiben Nutzer und ein Film, in dem ständig eine Belehrung zu sehen sei, sei reichlich langweilig.
Ein anderer Nutzer kritisiert dies ebenfalls humorvoll und schlägt bereits eine Erweiterung vor: "HerrderRingeWatch wäre auch angebracht! Die Orks führen ständig völkerrechtswidrige Angriffskriege. Da muss was passieren."

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