Nur Zeit-Döner macht schöner

Angebliche Lästereien zwischen Burda und Springer bezüglich Gratis- bzw. Paid Content, Dieter Zetsches Auftritt bei der re:publica in Berlin, ein launiger Vortrag von Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser beim European Newspaper Congress in Wien (inklusive Giovanni di Lorenzo als Döner-Wirt) und: Die freie Welt ist offenbar in akuter Gefahr, weil MEEDIA diese Woche an die Verlagsgruppe Handelsblatt verkauft wurde. All diese gnadenlos übergeigten Geschichten in diesem Wochenrückblick.

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Springer-Chef Mathias Döpfner soll ja derzeit durch die Lande ziehen, und so ein bisschen gegen Burda stänkern. Weil die Tomorrow Focus AG, die mehrheitlich zu Burda gehört, nun mit der Huffington Post kuschelt und die HuffPo als Speerspitze des von Döpfner und Co. verhassten Gratis-Contents im Web angesehen wird. Der Springer-Boss hätte wohl ganz gerne einen branchenübergreifenden Konsens, dass Bezahl-Inhalte im Netz möglichst von Allen eingeführt werden. Nur: So etwas wie einen branchenweiten Konsens in der Verlagswelt gab es ungefähr noch nie. Und so geht die Lästerei auch schon wieder in anderer Richtig weiter. Diese Springers, wird geraunt, die hauen doch mit der Gratis-Bild zur Bundestagswahl auch mächtig Gratis-Content raus. Naja. Das eine ist halt Content im Web und das andere eine Art Marketing-Gag zur Image-Pflege der Bild-Zeitung. So oder so wird es spannend zu beobachten, wen Burda als Kopf für die deutsche HuffPo anheuert und wie sich das Portal hierzulande entwickeln wird.
Übrigens: Das "Gesicht der deutschen Huffington Post" sucht die Tomorrow Focus AG nicht etwa nur mit Headhuntern und in vertraulichen Gesprächen, sondern auch erfrischend offensiv via 08/15 Stellenanzeige. Obacht: fünf Jahre Berufserfahrung in Führungsposition sollten es schon sein.  

In Berlin ging diese Woche das zum Internet-Kongress gereifte Blogger-Klassentreffen re:publica über diverse Bühnen, pardon: Stages. Bemerkenswert war, dass mit Daimler-Chef Dieter Zetsche diesmal sogar ein DAX-Vorstand den Weg zu den Digital-Bürgern fand. Womöglich tat Zetsche der Auftritt bei der re:publica, wo er eine Art Star-Status genoss, ganz gut. Mit dem Rummel um lediglich drei Sterne bei einem Crash-Test für den Mercedes-Transporter Citan und der gerade publik gewordenen privaten Trennung von Désirée Nosbusch, kann auch ein Dr. Z. ein wenig Seelen-Balsam vertragen.

Was Berlin die re:publica, das ist Wien der European Newspaper Congress – oder so. Jedenfalls hielt Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser in Wien seinen Hit-Vortrag über das Erfolgsgeheimnis der Zeit. Ein Aspekt: “Ausweitung des Portfolios”. Dabei darf man die Marke aber auch nicht bis Ultimo dehnen. Um dies zu illustrieren, warf Esser eine Fotomontage mit Chefredakteur Giovanni di Lorenzo an einem Zeit-Döner-Imbiss an die Leinwand. Ein Zeit-Döner für alle, denen es nicht reicht, wenn der Wissens-Hunger gestillt ist – das wäre womöglich tatsächlich des gut Gemeinten zuviel. (gefunden beim Twitter-Feed von @MattBannert)

Mit Allem aber ohne Scharf: das Erfolgsgeheimnis der Zeit
Da war doch noch was, da war doch noch was diese Woche … ach ja, fast vergessen: MEEDIA wurde diese Woche von der Verlagsgruppe Handelsblatt gekauft. Die Kollegen von Focus Online sehen nun ganz dramatische eine (Trommelwirbel) “Gefahr für die Unabhängigkeit”. Der Verkauf sei ein “pikanter Deal” und habe in der “Internet-Gemeinde für Unmut gesorgt”. Das ist ja schon fast zuviel der Ehre, liebe Kollegen. Aber mal im Ernst: Mit der Medienberichterstattung und der Unabhängigkeit ist es ja immer so eine Sache. Im Medien-Ressort des Spiegel wird man kaum Unabhängiges oder Enthüllendes über die Führungskrise im eigenen Haus lesen. Ob man bei der werben & verkaufen eine gnadenlose Abrechnung mit dem Management der Süddeutschen Zeitung (gehören zum selben Verlag) lesen wird, wage ich zu bezweifeln. Und selbst im gedruckten Focus ist aktuell nichts sonderlich Kritisches mehr zum Geschäftsmodell der Huffington Post zu lesen, seit bekannt ist, dass der “Medien-Ausbeuter” HuffPo (so die frühere Sicht des Focus auf die HuffPo) nun zum eigenen Laden gehört. (Fast) jedes Medienangebot gehört zu dem einen oder anderen Laden und muss darum auch hier und da mit Interessenskonflikten umgehen. Das macht man am besten mit Transparenz. Ansonsten lassen wir uns auch künftig gerne an dem messen, was zählt: an unserer Berichterstattung.

Schönes Wochenende!

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