SpOn-Fußball: Inhalt top, Layout balla balla

Spiegel Online hat eine Fußball-App gestartet - in Form eines Fußballs. Inhaltlich spielt "Spiegel Online Fußball" auf Champions-League-Niveau. Die Redaktion verwöhnt News-Junkies, Taktikfüchse und Statistikfreunde mit jeder Menge Informationen zu Spielen und Spielern aus mehreren Ligen. Das Design ist gehobenes Bundesliga-Niveau, doch die Nutzerführung leider Kreisklasse. Schon kurz nach dem Start geben Kritiker für das ungewöhnliche Interface die rote Karte.

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Die App von Spiegel Online hat doch schon einen Toralarm. Was braucht man da noch eine gesonderte Anwendung? Nun, kaum eine Nation ist so fußballverrückt wie die Deutschen. Und bei kaum einem anderen Sport spielen Statistiken eine so große Rolle. Spiegel Online trägt dem Rechnung und hat eine App herausgebracht, die hartgesottene Fußballfans mit jeder Menge Informationen versorgt. Tatsächlich kann sich das Angebot sehen lassen. Ein Überblick über die Features:
– News-Übersicht zu Artikeln und Statistiken gelangen.
-Spielstände immer auf den ersten Blick.
– Live-Konferenz inklusive redaktionellem Ticker und Live-Tabelle.
– Toralarm: Voice Push mit Erlebnismoderation. Oder je nach Einstellung mit Push-Benachrichtigung.
– Live-Tabelle, Heimtabelle, Auswärtstabelle, Tabelle der ersten und zweiten Halbzeit zu allen Ligen.
– taktische Aufstellungen
– Spielervergleich nach Positionen sowie individuell einstellbar.
– Live-Statistiken während des Spiels.
– Umfangreicher Statistikteil mit Top-Ten-Listen, Steckbriefen zu allen Mannschaften und Spielern, sowie eine Datenbank aller Spiele inklusive Team- und Spielervergleichen für die erste Bundesliga, die Champions League und die Europa League.
– Detaillierte Spiel- und Spieler-Statistiken wie Ballkontakte, erfolgreiche Pässe, Toreffizienz, Zweikampfwerte, Laufleistung und Heatmaps.
– Top-Ten-Listen zu Top-Torschützen der Teams, Spielern mit den meisten Ballkontakten, meistgefoulten Spielern, Torhütern und Zweikämpfen
– grafisch dargestellte Teamstatistiken wie die Formkurve der Vereine oder der Saisonverlauf in einer Tabelle.
– alle wichtigen Informationen zu Teams und Spielern der zweiten Bundesliga, dritten Liga, Premiere League, Primera División, Serie A, dem DFB-Pokal sowie der Deutschen Nationalmannschaft.
Wie bekommt man die vielen Informationen vernünftig gebündelt? Ausgerechnet bei dieser Frage entschied man sich offenbar für eine spielerische Variante: die Ballform. Einmal gestartet, ordnet “Spiegel Online Fußball” die einzelnen Elemente auf den Waben eines virtuellen Fußballs an. Mittels Wischbewegungen navigiert der Nutzer horizontal durch die einzelnen Ligen. Innerhalb einiger Ligen muss er dann zusätzlich noch vertikal und diagonal navigieren, um Zugriff auf Tabellen, Galerien und Artikel zu bekommen.
Die Fußball-App von Spiegel Online wurde gemeinsam mit Nordpol+ Hamburg konzipiert und von deren App Development-Tochter i/POL entwickelt und programmiert. In der Mitteilung heißt es, diese Form der 360-Grad-Navigation sei intuitiv und schnell. Doch in der Praxis verhindert das Spiel mit dem Ball eher den schnellen Zugriff. Oft lässt der Drall die Kugel zu weit drehen, und man rutscht eine Liga zu weit. Da sich die Oberfläche der Anwendung ständig aktualisiert, lässt sie sich nicht intuitiv bedienen. Beim Start muss sich der Nutzer stets aufs Neue orientieren.

Dieser Effekt wird noch verstärkt, wenn man aus einem Artikel in eine andere Geschichte wechseln will. Da hilft auch das sieben-seitige Handbuch, das sich in den Einstellungen versteckt, nicht weiter. Die erste Nutzer der App schwanken zwischen Begeisterung und Ablehnung. iPhone-Ticker nennt es gar eine “Interface-Katastrophe”. Ob die App ein Erfolg wird, wird sich in der ablaufenden Saison kaum noch feststellen lassen. Dass sich Fußball-Fans nicht unbedingt mit dieser spielerischen Form begnügen und doch lieber die alte Webseiten-Ansicht eines Kicker bevorzugen, liegt nahe. An interessanten Inhalten mangelt es “Spiegel Online Fußball” allerdings nicht.

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