Mit Google Glass zum Superfreak

Kaum wurden die ersten Testexemplare von Google Glass verschickt, ist die Schlacht um die Deutungshoheit entbrannt: Ist die Datenbrille des Internetriesen die Zukunft – oder landet Google mit Glass einen gigantischen Flop? Einig sind sich Tester wie Journalisten darüber, dass die Zeit für Glass noch nicht reif ist – die Datenbrille macht den Träger zum Superfreak. Haben die nerdigen Google-Gründer schlicht ihre Jugendfantasien verwirklicht und dabei die Zielgruppe buchstäblich aus den Augen verloren?

Anzeige

Kaum wurden die ersten Testexemplare von Google Glass verschickt, ist die Schlacht um die Deutungshoheit entbrannt: Ist die Datenbrille des Internetriesen die Zukunft – oder landet Google mit Glass einen gigantischen Flop? Einig sind sich Tester wie Journalisten darüber, dass die Zeit für Glass noch nicht reif ist – die Datenbrille macht den Träger zum Superfreak. Haben die nerdigen Google-Gründer schlicht ihre Jugendfantasien verwirklicht und dabei die Zielgruppe buchstäblich aus den Augen verloren?

Ein Bild sagt mehr als tausend Rezensionen: Ein stämmiger Mann unter der Dusche mit klatschnassen Haaren, weit aufgerissenem Mund und einem schelmischen Grinsen. Keine Frage: Das Kind im Manne hat seinen großen Augenblick. Doch dabei bleibt es nicht: Der nasse, kindische Mann trägt eine Brille unter der Dusche. Eine besondere Brille. Tatsächlich ist sie eigentliche Grund zum Jubelsturm: Es ist die Datenbrille Google Glass, und der Träger ist niemand anderes als Alphablogger Robert Scoble.

Der Träger könnte zum Überbringer der guten Botschaft werden, wie so oft  in den vergangenen Wochen, als der bärtige Google-Gründer Sergey Brin mit seinem vermeintlichen Wunderwerk in New Yorks U-Bahnen spazieren fuhr und wissend Passanten angrinste oder als Bild-Chefredakteur Kai Diekmann öffentlichkeitswirksam um Glass bettelte und natürlich vom Internet-Giganten erhört wurde.  

Freakiger Robert Scoble erweist Google einen Bärendienst

Es waren gute Wochen für Google: Der Hype verselbständigte sich, die Apple-Taktik des begehrten Kultgadgets schien sich auszuzahlen. Doch nicht nur coole Typen wie Brin und Diekmann tragen Glass – auch Robert Scoble, der als Techblogger der ersten Stunde eigentlich ein Abonnement auf Coolness haben müsste und Glass über den grünen Klee lobt.

Doch hier fängt das Problem an: Niemand möchte aussehen wie der Mann unter Dusche, der einen wie ein Freak mit einer Datenbrille anglotzt. Niemand möchte dieser Mann sein – und niemand möchte ihn zum Freund haben. Der Google Glass-Träger der ersten Stunde sieht aus wie ein schräger Vogel.

Glass-Träger, die zukünftigen Segway-Fahrer

Auf dieses Wahrnehmungsproblem hat etwa Wired am Wochenende hingewiesen: Wie auch Segway-Fahrer und Headset-Träger würden Google Glass-Träger einfach dämlich aussehen, ganz egal, welche Vorteile die Datenbrille im Einsatz haben möge.

„Vor dem Verkaufsstart haben die smartesten Leute in der Techbranche auch behauptet, der Segway würde die Welt verändern“, legte das Fachorgan den Finger in die Wunde. Was ist daraus geworden? Heute gelten die halbschnell fahrenden Segways als Höchststrafe für würdelos gealtertete Touristen.

Ob Google mit seiner Datenbrille ähnlich schmerzlich floppt, bleibt abzuwarten, doch zumindest die ersten Testberichte sind alles anderes als hoffnungsvoll. „Das Urteil ist gefallen:  Niemand mag Google Glass“, fasst das Blogkonglomerat Business Insider die aktuelle Stimmungslage zusammen. Der Wind scheint zu drehen …

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige