Bild verteilt Gratis-Ausgabe zur Wahl

Publishing Zur Bundestagswahl gibt es eine politische Bild für alle: Einen Tag vor dem bundesweiten Urnengang, am 21. September, will Springer eine thematische Sonderausgabe seines Boulevard-Blattes an alle 40 Millionen deutschen Haushalte kostenlos verteilen. Bereits im vergangenen Jahr beglückte die Bild zu ihrem 60. Geburtstag jeden Briefkasten mit einer Zeitung. Im Vorfeld sorgte die Aktion damals für einigen Protest. Auf mögliche Beschwerden sind die Berliner diesmal sicherlich besser vorbereitete.

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Die Bild zur Wahl – so der offizielle Name – soll aktuelle politische Zusammenhänge beleuchten, Wahlprogramme der Parteien hinterfragen, die Kanzlerkandidaten vorstellen und die wichtigsten Umfragen analysieren. Dabei verzichtet die Zeitung aus „Neutralitätsgründen“ auf Parteienwerbung in der Sonderausgabe.

„Bild ist für pointierte politische Kommentare bekannt. Aber in dieser Sonderausgabe geht es uns allein darum, die Bürger für das Wählen an sich zu begeistern, ihnen Lust auf Politik und diesen zentralen Moment in einer parlamentarischen Demokratie zu machen“, erklärt Alfred Draxler, Stellvertreter des BILD-Chefredakteurs.

Insgeheim hofft die Redaktion, neben einem schönen Werbeeffekt und zusätzlichen Vermarktungserlösen auch mithelfen zu können, das Absinken der Wahlbeteiligung zu stoppen. Bei der Bundestagswahl 1998 lag sie noch bei 82,2 Prozent, 2009 nur noch bei 70,8 Prozent. Sollte am 22. September dieser Wert wieder steigen, wird die Bild mit diesem Ergebnis sicherlich nicht gerade defensiv umgehen.

Auch auf mögliche Proteste scheinen die Berliner besser vorbereitet zu sein, als im vergangenen Jahr. Zur Geburtstagsausgabe der Boulevard-Zeitung gab es einiges an Hickhack zu der Frage, ob und wie man die kostenlose Zustellung verweigern konnte. Am Ende etablierte sich ein Prozedere: Die Verweigerer legten schriftlich Beschwerde gegen die Gratisbild ein. Von Springer bekamen sie am Erscheinungstag der Sonderausgabe einen roten Umschlag geschickt. Die Postboten wussten so: Jeder Haushalt mit rotem Umschlag bekommt keine Bild in den Briefkasten. Damals verweigerten über 230.000 Menschen die Gratis-Zeitung. Spannend wird es sein zu beobachten, wie viele es bei der Bild zur Wahl sein werden.

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