ZDF dementiert “Faktencheck”-Vorwürfe

Fernsehen Das ZDF hat im Rahmen der re:publica seinen für den Bundestagswahlkampf geplanten "Faktencheck" genauer vorgestellt, der in Zusammenarbeit mit den Betreibern der deutschen Wikipedia verwirklicht werden soll. Dabei nahmen die ZDF-Online-Redakteure Sonja Schünemann und Michael Umlandt gemeinsam mit Barbara Fischer und Mathias Schindler von Wikimedia Deutschland auch Stellung zur Kritik am Projekt.

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Für den Faktencheck wird es eine ZDF-Redaktion aus bis zu zehn Personen geben. Diese wird in Berlin angesiedelt sein und aus Vertretern viele verschiedener Formate bestehen, wie zum Beispiel dem "heute journal", aber auch der Online-Redaktion des ZDF. Neben dem Zweiten soll auch Phoenix involviert sein. Geplant sei, dass Ergebnisse des Faktenchecks auch im TV zu sehen sind. Dies soll sowohl im laufenden Fernsehprogramm geschehen, als auch in eigenen Sendungen. Entsprechende Formate werde man auf ZDFinfo testen, ließ man in Berlin verlauten. Die genaue Gestaltung will das ZDF in der "heißen Phase" des Wahlkampfs bestimmen.

Applaus gab es im Publikum der re:publica für die Ankündigung, dass alles, was im "ZDFcheck" erstellt wird, unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht wird. Unter die freie Lizenz fallen auch Videos. Zu diesem Zweck habe man in die ZDF-Mediathek eine Funktion eingebunden, mit der Videos unter CC-Lizenz heruntergeladen werden können.

Doch wie genau soll der Faktencheck eigentlich aussehen? Es wird vier Stufen für die Bewertung von Aussagen geben, verriet Sonja Schünemann. Man habe festgestellt, dass Politiker nicht immer die Wahrheit sagen oder lügen, sondern dass es auch Schattierungen gebe, zum Beispiel wenn Informationen ausgelassen würden.

Am Beispiel eines Statements des CSU-Politikers Stefan Müller erklärte Schünemann, wie der Check durchgeführt werden solle. Auf der entsprechenden Seite wird zunächst der entsprechende Politiker, seine Aussage und auch der Zusammenhang kurz zusammengefasst. Der eigentliche Faktencheck wird dann auf Zwischenüberschriften runtergebrochen. Dabei sollen einzelne Teilaussagen überprüft werden. Die Recherche wird daraufhin "live und transparent" veröffentlicht, so die ZDF-Journalistin. Wenn das ZDF zu einem Punkt zum Beispiel einen Juristen interviewe, werde dies angekündigt und Nutzer könnten noch anmerken, was in diesem Zusammenhang gefragt werden soll. Allerdings: Die Auswahl der Fakten, die man überprüfe, treffe die Redaktion – auch um politischer Einflussnahme zuvorzukommen.

Michael Umlandt ging in Berlin zudem auf den MEEDIA-Artikel ein, der über den Unmut einiger Wikipedia-Autoren zur geplanten Kooperation berichtete. Als er sich die Diskussionen auf Wikipedia angesehen habe, habe er vor allem drei Punkte entdeckt. Der Vorwurf, dass das ZDF damit nur auf modern machen wolle, stimme nicht, sagte seine Kollegin Schünemann. Es gebe bereits Formate mit Crowdsourcing-Elementen.

Die ZDF-Journalisten traten auch dem Vorwurf entgegen, das ZDF hätte offenbar keine eigenen Journalisten. Man könnte einen Faktencheck auch alleine machen, was sogar weniger Arbeit wäre, da geringere Absprachen notwendig seien. Man wolle jedoch nicht nur im Elfenbeinturm sitzen, sondern sich öffnen.
Die Frage, was die Wikipedia davon habe, gaben die ZDF-Journalisten an Barbara Fischer und Mathias Schindler von Wikimedia Deutschland weiter. Die betonten, dass unter anderem die unter einer freien Lizenz veröffentlichten Grafiken von Nutzen seien. Sehr wichtig sei für Wikimedia Deutschland aber auch, ein Arbeitsverhältnis mit Menschen auszuprobieren, die bislang nicht in der Wikipedia engagiert sind. Auf diese Art könnte man, so die Hoffnung, auch neue Autoren für das Online-Lexikon gewinnen.

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