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Olli Dittrich, Feinmechaniker des Humors

Nach der ZDF-Fingerübung “Lerchenberg” läuft am kommenden Montag, 6. Mai, um 23.30 Uhr “Frühstücksfernsehen” von und mit Olli Dittrich als zweiter Selbstversuch in Sachen Selbstironie des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Mit der wunderbaren Cordula Stratmann an seiner Seite läuft Olli Dittrich in dieser Medienparodie in zahllosen Rollen und Verkleidungen zu absoluter Hochform auf. Er erweist sich einmal mehr als ein hoch präziser Feinmechaniker des Humors.

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Die vielleicht beste der vielen sehr guten Rollen, die Olli Dittrich in “Frühstücksfernsehen” spielt, ist die des Moderators Sören Lorenz. Mit Wuschelfrisur, gemeißeltem Lächeln, Hochwasserhosen und Karohemd liegt er nur eine Idee neben der Spur der Realität. Sören Lorenz traut man zum Beispiel ohne weiteres zu, mit Katja Riemann ein Interview über ihre „schönen, blonden Locken“ zu führen. Die Parodie ist sehr fein ausgearbeitet, eigentlich nur mit geschultem Zuschauerauge in allen Facetten zu erkennen. Da trifft es sich, dass Dittrich mit Cordula Stratmann als Claudia Akgün eine ebenso präzise spielende, wie exakt frisierte Partnerin an der Seite hat. Wenn beide ihr fröhlich sinnfreies Lachen anstimmen, dann ist das zu wahr, um nicht gut zu sein.

Natürlich sind auch die übrigen Dittrich-Figuren trefflich und treffend: von der CSU-Bürgermeisterin Ingrid Höffelhuber über den Theaterregisseur Maximilian von Klaaden bis zum wirklich ganz großartigen argentinischen Fußballstar “Pipo”. Dessen Interview mit Reinhold Beckmann (dessen Firma “Frühstücksfernsehen” zusammen mit dem WDR auch produziert hat) gehört zu den Höhepunkten der Sendung. Weitere prominente Gaststars sind Hellmuth Karasek, Ben Becker als Meerschwein, HSV-Trainer Thorsten Fink und Lothar Matthäus (!).

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Sehr schön geworden ist auch der Nachrichtenblock, in dem Dittrich den roboterhaften “Tagesschau”-Stil aufs Korn nimmt. Nur manchmal geht seine Vorliebe für Wortspielereien ein kleines bisschen mit ihm durch („Mohnerhöhung für Bäckergesellen“, „Fiat Mortadella“) – aber das sei einem so großen Humoristen und Wort-Artisten wie ihm nun wirklich verziehen.

Was am “Frühstücksfernsehen” neben der absoluten Präzision des Spiels von Dittrich und Stratmann hängen bleibt, ist die für eine deutsche Komik-Produktion ganz und gar ungewohnte Detailversessenheit. Von der Aufschrift auf dem ARD-Kult-Eierbecher („Wir sind Ei“) bis zur Auswahl der Hintergrundmusik oder dem Video mit dem einstürzenden Gebäude in der Kulisse beim Bob-Dylan-Auftritt oder dem kommentarlos im Hundekorb herumwuselnden Ferkel im Studio – diese Sendung strahlt jederzeit das Gefühl aus, dass sich ihre Macher bei wirklich Allem etwas gedacht haben. Das ist ein sehr beruhigendes und schönes Gefühl, das sich viel zu selten einstellt.
"Frühstücksfernsehen" läuft am Montag, 6. Mai 2013, um 23.30 Uhr im Ersten.

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