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Common Lens: Neustart nach dapd-Pleite

“Das Ende der dapd war für uns schon länger absehbar”, verrät Fotograf Axel Schmidt gegenüber MEEDIA. Deshalb haben er und fünf weitere Fotografen, die bis vor kurzem für die dapd in Berlin tätig waren, sich mit ihrer eigenen Fotoagentur selbstständig gemacht: Common Lens. Am Montag starteten die vier Männer und zwei Frauen offiziell. Als Kunden konnten sie bereits Zeit Online, Spiegel Online und verschiedene Springer-Publikationen gewinnen. Hauptsächlich wollen sie sich an Online-Medien richten.

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Die Idee einer eigenen Agentur sei vor etwa sechs Wochen aufgekommen, berichtet Axel Schmidt. Er selbst war seit 2006 bei der dapd beziehungsweise deren Vorgängerin ddp beschäftigt. Seit 2009 bildete er auch die Fotovolontäre dort aus. Bei Common Lens soll jedoch vieles anders sein, als bei dapd, nicht nur, weil man kleiner ist. “Wir wollen Spaß haben, Bilder machen, die vorher durch die Strukturen nicht möglich waren.” Die Fotografien sollen journalistischer sein und nicht nur als Illustrationen dienen. Fotografieren will man vor allem politische Ereignisse. So sind die Macher von Common Lens zum Beispiel bei der Bundespressekonferenz zu Gast. Aber auch andere Termine und Ereignisse in Berlin will wollen sie covern: Sport-Events oder Filmpremieren zum Beispiel.
Das Vertriebsmodell ist neu. Common Lens will seine Bilder wie klassische Agenturen auch im Abo verkaufen. Allerdings sollen die Abonnenten selbst bestimmen können, wie viel ihnen der Service wert ist. So soll das Polit-Blog, das vielleicht nur fünf Bilder im Monat aus der Bundespolitik oder Berlin benötigt, eine andere Summe zahlen, als die große Nachrichtenseite.
Im Idealfall sollen so alle faire Preise zahlen. Ohnehin sei die Rückmeldung in den Kundengesprächen fast ausschließlich positiv. Bereits vor dem Start habe man Spiegel Online, Springer-Medien und Zeit Online als Abnehmer gewinnen können. Gerade Zeit Online habe auch bei der Einführung der technischen Struktur durch Feedback von Kundenseite Unterstützung geleistet.
Die sechs Fotografen kommen ohne ein Büro aus. Sie treffen sich abwechselnd bei einen der Mitglieder von Common Sense. Der Großteil der Arbeit kann zudem über das Netz stattfinden, ohne dass man an einem gemeinsamen Ort sein muss. Das Modell sehe vor, das jeden Tag einer der Fotografen arbeite. Das erwirtschaftete Geld wird in einen Topf geworden und gemessen an der Zahl der gearbeiteten Tage unter den Fotografen aufgeteilt. “Das ist nicht dafür gedacht, den kompletten Lebensunterhalt zu sichern”, sagt Axel Schmidt. Zwar hätten auch Investoren angefragt, aber sie wollten nicht zu schnell zu brutal wachsen – auch aufgrund der Erfahrungen, die sie mit der dapd gemacht haben: “Das sind Fehler, die wir schon kennen”, so Schmidt.
Alle der sechs Fotografen sind gleichberechtigt. Jeder kann Termine vorschlagen oder zu Kundengesprächen mitkommen. “Wir wollen weg von einer hierachischen Struktur.” Man orientiere sich eher an der Unternehemsstruktur, wie sie in einem Software-Startup üblich sei.
Von ihren ehemaligen Kollegen der dapd hätten sie bereits viel Unterstützung erfahren. “Wir sind total überrascht und überwältigt”, verrät Schmidt. Auch die Texter hätten ihnen Glück gewünscht. Viele fänden es gut, dass die sechs Fotografen nicht nur reden, sondern auch etwas eigenes machen. Nun muss sich zeigen, ob sie damit auch Erfolg haben werden.

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