RTL-Börsengang: der träge Gigant

Ab morgen ist Deutschlands größter TV-Sender auch an der Frankfurter Börse handelbar. Um ihre Expansionspläne zu finanzieren, bringt Konzernmutter Bertelsmann 17 Prozent der RTL Group an den deutschen Aktienmarkt, hält damit aber weiterhin 75 Prozent an der Sendergruppe. Unterm Strich ändert sich jedoch wenig: Auch wenn ein MDax-Aufstieg absehbar ist, bleibt die RTL Group ein Unternehmen ohne Wachstumsimpulse. Die Aktie ist vor allem etwas für Dividendenjäger.

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Ein Dschungelcamp für Aktionäre ist die RTL Group eher nicht. Keine Wundertüte wie ProSiebenSat.1 vor der Trennung ihrer langjährigen Kapitaleigner KKR/Permira, keine lupenreine Turnaround-Wette wie Sky. Die RTL-Aktie ist konservativer als das TV-Programm der Gruppe.

"Die RTL Group hat wiederholt ihre Fähigkeit, langfristiges Wachstum und hohe Geldflüsse zu generieren, unter Beweis gestellt", warben die beiden CEOs Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch bei Vorstellung der Eckdaten des IPOs um das Vertrauen der Anleger. Beides stimmt. Das Problem liegt im Tempus: RTLs Wachstumsraten gehören der Vergangenheit an.

Dividendentitel RTL: der Reiz der Ausschüttung

Im vergangenen Jahr schrumpfte der Gewinn der RTL Group sogar: Der Nettogewinn sank 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent auf 690 Millionen Euro. Auch die Umsätze sind mit einem Zuwachs von 4 Prozent ziemlich erlahmt. Keinesfalls überzeugender: Erst im vergangenen Jahr konnten die Rekorderlöse aus dem Jahr 2008 nach mageren Zuwächsen von lediglich 4 Prozent übertroffen werden.

Die Argumente für die RTL Group liegen eindeutig an anderer Stelle: Die Bertelsmann-Tochter lockte Aktionäre zuletzt mit einer satten Dividende von 5,10 Euro. Auf dem aktuellen Kursniveau von 57 Euro entspricht das einer guten Dividendenrendite von 9 Prozent. Es gibt europaweit kaum vergleichbare Ausschüttungen an Aktionäre. Bleibt die Kursentwicklung stabil, wäre die RTL-Aktie attraktiver als so ziemlich alles, was auf dem Bondmarkt zu bekommen ist.


MDax-Aufstieg lockt



Zwischen 54 bis 62 Euro sollen RTL-Aktien kosten; der Ausgabepreis wird heute erwartet. Sollten die Anteilsscheine am oberen Ende der Zeichnungsspanne zugeteilt werden, spielt Konzernmutter Bertelsmann damit für ihre 17 Prozent der platzierten Anteile 1,6 Milliarden Euro ein.

Damit wäre die RTL Group aus dem Stand heraus ein MDax-Kandidat. Insgesamt wird die Sendergruppe aktuell mit 8,8 Milliarden Euro bewertet und hätte damit bei entsprechendem Freefloat mittelfristig sogar Potenzial für eine Dax-Aufnahme. 

Ob das Potenzial für Aktionäre indes so groß ist, ist eine ganz andere Frage.

Interessierte Zeichner sollten sich klarmachen, dass sich unterm Strich nichts geändert hat – außer dem Handelsplatz: nach Luxemburg ist die RTL Group nun eben auch in Frankfurt handelbar. Seit Jahresbeginn zählt das Papier mit Verlusten von 25 Prozent zu den größten Verlierern. Die Sonderdividende herausgerechnet, bleibt seit Januar immer noch ein Minus von 18 Prozent. Werbung für den IPO sieht anders aus.

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