„Iron Man 3“: Marvel geht in die zweite Runde

Über vier Jahre und fünf Filme hinweg bereiteten die Marvel Studios ihren Kino-Erfolg "The Avengers" vor. Die Comic-Verfilmung, die unter anderen die Superhelden Iron Man, Hulk, Thor und Captain America zusammenführte, erzielte in den USA den stärksten Premieren-Umsatz der Kinogeschichte: Über 200 Millionen Dollar wurden am Start-Wochenende eingenommen. Eine Fortsetzung ist für 2015 geplant. Doch zuvor sollen die Superhelden wieder einzeln die Welt retten. Den Auftakt macht seit gestern Iron Man.

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Bereits im Vorlauf zum ersten Avengers-Streifen war es der von Robert Downey Jr. verkörperte Tony Stark, der zuerst als Iron Man als erster auf Kino-Leinwand kam. Der Film stellte einen Bruch in Sachen Marvel-Comic-Verfilmungen da. Bei allen zuvor verfilmten Comics, zum Beispiel bei den X-Men-Filmen, traten die Marvel Studios nur als Co-Produzent und Lizenzgeber auf. Das sollte sich 2008 ändern. Nun produzierte man selbst, wofür man viel Geld in die Hand nahm.
Mit dem Strategie-Wechsel bei den Produktionen war auch ein Strategiewechsel inhaltlicher Sicht verbunden: Wenngleich "Iron Man" und "Der unglaubliche Hulk" (beide 2008), sowie "Thor" und "Captain America" (beide 2011) zwar jeweils eigenständige Geschichten erzählten, spielten sie doch innerhalb eines gemeinsamen Handlungsrahmens, dem "Marvel Cinematic Universe".
In die Filme wurden Verweise auf die anderen Streifen eingebaut. Nach dem Abspann gab es jeweils eine weitere Szene, in der die Brücke zum nächsten Marvel-Film geschaffen wurde (in "Iron Man 2" zu "Thor", darin und in "Captain Amercia" wiederum zu "The Avengers"). Auch in "der unglaubliche Hulk" und bereits "Iron Man" wurde die Avengers-Initiative rund um die Superhelden-Organisation SHIELD angekündigt. Eine so umfangreiche Verquickung verschiedener Filme stellt in der Kino-Landschaft eine absolute Ausnahme da.
Superheld mit posttraumatischer Belastungsstörung
Nun befindet sich Marvel im Jahr eins nach dem Kinoerfolg und muss Anlauf nehmen für den zweiten Avengers-Film, der für 2015 geplant ist. Dafür vertraut man auf den einzigen der Helden, dem man bereits zwei Filme gegönnt hat (der Hulk-Film aus 2003 gehört nicht zur neuen Reihe der Marvel-Filme): Iron Man. 
Der Film schließt an die Geschehnisse aus "The Avengers" an. Die finale Schlacht daraus wird mehrfach erwähnt, in Rückblenden sind sogar Ausschnitte aus dem Streifen zu sehen. Eine so klare Verbindung zwischen den Filmen war bislang unüblich, wobei die ersten beiden Teile der Iron Man-Saga bereits wenig überraschend aufeinander aufbauten. 
Die Ereignisse aus "The Avengers“ haben Iron Man Tony Stark stark gezeichnet. Im neuen Film ist ein Superheld mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD) zu sehen, jener Kriegskrankheit, die durch die Anti-Terror-Einsätze der westlichen Militärkräfte zunehmend ins Bewusstsein rückt. Soweit, dass nun auch ein Kinoheld dieses lange tabuisierte Thema transportiert.
Doch freilich handelt es sich noch immer um eine Superhelden-Comic-Verfilmung, auch wenn sie sich vom Comic-Original zum Teil stark löst. Daher sind alle Charaktere überzeichnet, mit Realismus hält man sich nicht lange auf. Der Versuch einer Charakterstudie geht daher nicht wirklich in die Tiefe. Die zweite Runde bei Marvel bleibt überwiegend Actionkino, gepaart mit vielen Humor-Elementen. Iron Man 3 ist eine klassische Fortsetzung. Sie ist optisch stark, unterhaltsam und spannend, aber eben nichts Neues.
Keine Verbindung zu "Thor"
Wie in jedem der "Iron Man"-Filme wieder dabei ist Gwyneth Paltrow als Pepper Potts und der im Avengers-Film fehlende Col. James Rhodes (Don Cheadle). Neu besetzt wurde der Posten des Regisseurs: Statt Jon Favreau war dieses Mal Shane Black für die Regie verantwortlich. Er arbeitete mit Robert Downey Jr. bereits in "Kiss Kiss Bang Bang" zusammen.
Es fällt auf, dass es in "Iron Man 3" keine deutlichen Querverbindungen gibt. Die SHIELD-Organisation taucht nicht auf. Es gibt keine neuen Charaktere, mit denen der Zuschauer fest als Unterstützer oder Feind in einem der kommenden Marvel-Filme rechnet. Wer bis nach dem Abspann wartet, wird zwar erneut mit einer ergänzenden Szene versorgt, die dem Film sogar eine kleine Wendung gibt, wer hier jedoch einen Vorgriff auf den ebenfalls in diesem Jahr anlaufenden zweiten Thor-Film erwartet, wird enttäuscht.
Auch dieser wird dem ersten Trailer zufolge an die Ereignisse aus "The Avengers" anknüpfen. Ein weiterer Captain America-Film und der erste Streifen zu "Guardians of the Galaxy" sollen den weiteren Weg zum nächsten Superhelden-Klassentreffen ebnen. "Iron Man 3" hinterlässt zunächst jedoch den Eindruck, als solle dieses Mal das Crossover genutzt werden, um den Einzelfilmen Rückenwind zu geben. Es bleibt abzuwarten, ob das für alle Filme gilt. Immerhin: Ganz am Ende von "Iron Man 3" steht die Ankündigung: "Tony Stark will return". Wohlgemerkt: Tony Stark, nicht Iron Man.

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