Die Zeit holt den Uli-Hoeneß-Pott

Während in der Fußball-Champions-League noch nicht ausgemacht ist, ob Bayern München oder Borussia Dortmund den Pokal holen, ist das Medien-Rennen um den heißesten Scoop der jüngsten Zeit entschieden: Die Zeit hat das höchst begehrte erste Interview mit Deutschlands prominentestem Steuersünder, Bayern-Manager Uli Hoeneß, ergattert. Der frühere SZ-und Spiegel-Chefredakteur Hans Werner Kilz hat den Scoop offenbar für die Zeit eingetütet.

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Für die Zeit ist das Hoeneß-Interview der jüngste Scoop in einer ganzen Reihe. Das von Giovanni di Lorenzo geführte Wochenblatt hatte auch das erste Interview mit dem gefallenen CSU-Starpolitiker Karl Theodor zu Guttenberg (wobei die parallele Buch-Kooperation mit di Lorenzo der Zeit auch Kritik einbrachte) und das erste Interview mit dem Wetterexperten Jörg Kachelmann, nachdem dieser von dem Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen wurde. Die Zeit ist derzeit der Medien-Beichtstuhl Nummer eins der Republik.

Ein bisschen überraschend ist, dass der frühere Spiegel-Chef und langjährige Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, Hans Werner Kilz, hier als Zeit-Autor in Erscheinung tritt und offenbar die Federführung bei der Titelgeschichte hatte. Jedenfalls trat Kilz äußerst prominent in der Halbzeitpause des Champions-League-Halbfinales Bayern-Barcelona während der “heute”-Nachrichten im ZDF auf und durfte sich zu der Geschichte äußern, aus der vor einem TV-Millionenpublikum ausführlich zitiert wurde. Bessere Werbung kann sich eine Zeitung nicht wünschen. Kilz berät das Investigativ-Ressort der Zeit – als Autor trat er so prominent nun erstmals für das Wochenblatt in Erscheinung.

Alle, alle anderen Medien stürzten sich noch am Mittwoch auf die Vorabmeldungen der Zeit. Hoeneß und sein Steuerfall waren und sind (neben König Fußball), derzeit DAS Topthema in Deutschland. Nicht wenige Journalisten hätten vermutlich ihre rechte Hand hergegeben, um das erste Hoeneß-Interview zur Steuersache zu bekommen. Naja – das ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben – aber man kann wohl sagen: Das Hoeneß-Interview ist der derzeit begehrteste Medienstoff.

Und das Interview selbst? Hans Werner Kilz hat Uli Hoeneß zusammen mit dessen Sohn Florian und den Zeit-Redakteuren Cathrin Gilbert und Stephan Lebert in Hoeneß-Lieblings-Restaurant Käfer in München getroffen. Im Interview wird Hoeneß mit Respekt behandelt, aber es werden auch genau die Fragen gestellt, die gestellt werden müssen. Absolut lesenswert – auch wegen der bemerkenswerten Offenheit von Uli Hoeneß.

Über Twitter teilte Zeit Online am Mittwoch mit, dass die Digital- und PDF-Ausgaben mit dem Interview bereits zu haben sind – es habe “zahlreiche Nachfragen” gegeben. Das glaubt man gerne. In der vergangenen IVW-Auflagenmeldung hatte die Zeit wieder einmal Rekordverkäufe gemeldet. Im Schnitt verkaufte die Wochenzeitung im ersten Quartal 2013 519.573 Exemplare – ein historischer Rekord.

Für die Zeit sprechen sicherlich ihre geschickte Positionierung als Wochenblatt und ihre (Print)-Medien affine Zielgruppe aus der gehobenen Bildungsschicht. Es sind aber auch immer wieder exklusive Top-Geschichten, wie in dieser Woche das Hoeneß-Interview, die den Erfolg der Zeit erklären. Das Geheimnis des Zeit-Erfolgs in Zeiten der Medien-Dauerkrise: es ist vermutlich guter, altmodischer Journalismus. Schlicht und ergreifend.

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