Wolfgang Büchner: „Das ist ein Anpacker“

Bereits der Start des neuen Spiegel-Chefredakteurs verspricht eine Zeitenwende. So war die Konferenz, auf der Wolfgang Büchner verkündet wurde, die erste gemeinsame Sitzung der Print- und Online-Redaktion überhaupt. „Wie passend. Genau das wird auch Wolfgang Büchners neue Aufgabe sein“, kommentiert die SZ. Fast alle Kommentatoren beschreiben den ehemaligen dpa-Chefredakteur als „Wunschkandidat“ und hervorragenden Redaktionsmanager. Angezweifelt wird die Meinungsstärke und die Fähigkeiten als Blattmacher.

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In der Süddeutschen Zeitung schreiben Johannes Boie, Caspar Busse und Claudia Fromme, dass die Personalie beim Spiegelnicht gerade mit Jubel aufgenommen worden wäre, aber durchaus mit "wohlwollendem Nicken". Zu Recht merkt die SZ an, dass sich Büchner bislang „weder als Blattmacher noch als Schreiber oder gar Intellektueller, dessen Stimme auch in der Politik gehört wird, einen Namen gemacht“. Zudem hätte er kein besonderes Gespür für Themen. „Einer aber meint: ‚Er ist ein Typ, der sich häuten kann, der an dem Job wächst, den er macht – und den macht er dann gut‘."
Ulike Simon schreibt in der Mitteldeutschen Zeitung: „Nun also bekommt der Spiegel einen Manager zum Chefredakteur: einen Organisator, der die reibungsintensiven Strukturen sprengen, einen Motivator, der die Journalisten zu mehr Leistung antreiben soll“. Weiter analysiert sie: „Büchner bleibt zu wünschen, dass, wenn eines bösen Tages seine Abberufung bevorsteht, er nicht für das verurteilt wird, was er von vornherein nicht mitgebracht hat: das Können eines Blattmachers und das Gewicht eines politischen, meinungsstarken Kopfs“.
Im Abendblatt schreibt Kai Hinrich Renner: „Der Schwerpunkt von Büchners Amtszeit wird aber zweifellos in der längst überfälligen Neudefinition des Verhältnisses von Print zu Online liegen“. Als Wochentitel war der Spiegel gegenüber Tageszeitungen bei investigativen Geschichten – seiner ursprünglichen Kernkompetenz – war in puncto Aktualität deutlich im Hintertreffen geraten. Doch Spiegel Online konnte dieser Nachteil ausgeglichen werden. „Die Idee, Geschichten, die man aus Aktualitätsgründen nicht halten kann, an das Gratis-Portal Spiegel Online weiterzureichen, ist nicht wirklich eine Lösung. Investigative Geschichten sind besonders rechercheintensiv und folglich auch besonders teuer. Sie zu verschenken macht wenig Sinn.“
Bei Zeit Online heißt es, dass die Chefredaktion des gedruckten Spiegels sich am stärksten verändern wird. „Über die vergangenen Jahrzehnte war es dort stets der Chefredakteur, der die prägenden Geschichten des Blattes bestimmte. Ob Büchner dafür Zeit hat, bleibt abzuwarten. Auf ihn warten daneben große, richtungsweisende Fragen. Er kommt als oberster Redaktionstechnologe, Organisator und die bisherigen Lager einender Super-Chefredakteur. Diese Aufgabe ist nach jahrelangen Grabenkämpfen im Spiegel-Verlag groß genug.“
In der FAZ lobt Michael Hanfeld Büchners wirken bei der dpa: „Unbeeindruckt vom Auf und Ab des lauten und inzwischen gescheiterten Konkurrenten dapd, hat er die Deutsche Presse-Agentur in sensationeller Weise modernisiert. Interne Abläufe und die Zwiesprache mit den Kunden hat Büchner optimiert und die als schwerfällig und teuer geltende dpa bestens positioniert. Die Lücke, die er dort hinterlässt, ist groß.“

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