Magazin-Dreikampf in Sachen Hoeneß

Der Fall des Steuersünders Uli Hoeneß beschäftigt nach wie vor Gemüter und Medien der Republik. Alle drei großen General-Interest Magazine, stern, Spiegel und Focus, machten ihre aktuellen Ausgaben mit Geschichten zu Uli Hoeneß auf dem Titel auf. MEEDIA lädt darum ein zum großen Magazin-Dreikampf in Sachen Hoeneß. Wir vergleichen Titelbilder, Umfänge, Herangehensweise und Enthüllungen. In welchem Wochenmagazin steckt am meisten Hoeneß?

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Das Titelbild

Spiegel
Und der Uli, der hat Zähne … Der Spiegel schert aus der Reihe der Uli-Hoeneß-Cover aus und zeigt die Illustration eines offenbar äußerst aggressiven Haifischs ("Hoeneß-Hai"), der herzhaft zubeißt und in Geldscheinen schwimmt. Dazu die Zeile: “Das Hoeneß-Prinzip – Gier, Steuerbetrug und der FC Bayern” Man ahnt, wie es gemeint ist und vermisst ein wenig, dass der Hai noch einen Bayern-Schal um den Hals hat. Prädikat: übergeigt.

stern
Sehr stark. In Nahaufnahme ist Hoeneß zu sehen. Dazu die Zeile: „Im Abseits. Vom Vorbild zum Scheinheiligen. Wie Uli Hoeneß seinen guten Ruf verspielte“.

Focus
Auf den Titel ist Hoeneß zu sehen. Allerdings nur klein am rechten Rand. Dominiert wird das Cover von der Zeile: „Strafsache Hoeneß“.

Die Enthüllung

Spiegel
Der Spiegel weiß, dass sich wichtige Sponsoren, u.a. Audi, zusammengesetzt haben um über den Fall Hoeneß zu sprechen. Konkret geht es darum, ob Hoeneß für Sponsoren noch als Bayern-Präsident tragbar ist. Es sieht schlecht aus. Audi und Adidas halten immerhin auch Anteile am FC Bayern.

Außerdem hat der Spiegel gehört, dass Anfang Januar Jemand von der Vontobel Bank bei Hoeneß angerufen und ihn von den stern-Recherchen “nach einem Prominenten aus dem Sportbereich” erzählt habe. Ob damit tatsächlich Hoeneß gemeint war, ist nach wie vor umstritten. Hoeneß hat aber laut Spiegel nach dieser Warnung seinen Steuerberater angewiesen, die Selbstanzeige in die Wege zu leiten.

stern
Keine echte neue Enthüllung. Die Story fasst den Fall zusammen und berichtet noch detaillierter über das mysteriöse Konto bei der Vontobel Bank, auf der ein Deutscher, der mit Fußball zu tun hat über eine halbe Milliarde Euro deponiert haben soll. In einem Telefonat mit stern-Chefredakteur Andreas Petzold, bestreitet Hoeneß allerdings vehement, dass er hinter diesem geheimnisvollen Konto steckt.

Focus
Der Anreißer-Text auf der Titelseite fasst die wichtigsten Recherchen zusammen: „Sein Name war auf einer Steuer-CD. Seine Telefone wurden abgehört. Steuerfahnder auch in der Zentrale des FC Bayern“. Dumm nur, dass bereits am Sonntagabend die Behörden via dpa dementierten, dass der Name des Fußball-Managers auf einer Daten-CD gestanden habe.

Laut Focus sollen die Steuerbehörden bereits im August vergangenen Jahres, den Namen Hoeneß erstmals auf der CD gesehen haben. Rhetorisch fragt das Nachrichtenmagazin: „Kann es sein, das irgendjemand der von der Steuer-CD und der Liste der bayerischen Verdächtigen wusste, dieses Wissen nicht für sich behielt und Hoeneß einen Tipp gab?“ Dies hätte das Zeug „zur echten Staatsaffäre“.

Der Umfang

Spiegel
16 Seiten (in der Digital-Ausgabe)

stern
8 Seiten

Focus
18 Seiten

Pro oder Contra Hoeneß?

Spiegel
Die soziale Ader des Uli Hoeneß und seine wirtschaftlichen und sportlichen Leistungen kommen zur Sprache. Insgesamt fremdelt der Spiegel aber spürbar mit dem Bayern-Boss. Seine “manchmal ruchlose Art, sich im Wettbewerb zu behaupten”, seine “Scheinheiligkeit” nehmen beim Spiegel den deutlich breiteren Raum ein.

stern
Die Story entlastet Hoeneß nicht. Wie bereits der Focus trägt sie viele Fakten zusammen, die den Bayern-Boss nicht besser dastehen lassen. Der Artikel verzichtet auf Zynismus und Polemik.

Focus
Die Titelzeile gibt die Richtung vor. In der „Strafsache“ kommt der Bayern-Manager nicht gut weg.

Der Stil

Spiegel
Typischer Spiegel-Style: In einem Mini-Psychogramm berichten die Autoren förmlich aus dem Kopf von Uli Hoeneß. Anschließend wird der ganz große Bogen gespannt: vom Metzgersbub, der zum Wurstfabrikanten und schließlich zum Bayern- und Volks-Idol wurde, bis hin zum Groß-Kapitalismus und Weltensport. Und auch ein wenig über “schönen Fußball” wird philosophiert.

stern
Flüssig und solide. Dieser Text stützt sich auf Fakten und neigt nicht zum Über- Psychologisieren.

Focus
Wolf Schneider wäre zufrieden. Viele Fakten, wenige Adjektive. Die Schreibe ist ruhig und kommt weitestgehend ohne Polemik aus.

Bester Satz

Spiegel
“Es ist ein doppelgesichtiger Kapitalismus, der in München herrscht: einerseits brutal und großspurig, andererseits fürsorglich und seriös.”

stern
„Eines aber unterscheidet den Bayern-Boss von den Zumwinkels. Offenbar ist bei ihm nicht Gier das vorherrschende Motiv. Sondern etwas, dass man mit guten Gründen für noch gefährlicher halten kann: Nämlich der Glaube, über den Gesetzen zu stehen“.

Focus
„Auch wenn er (Hoeneß) sich selbst angezeigt und einen ‚schweren Fehler’ eingeräumt hat, auch wenn über Schuld und Strafe noch lange nicht entscheiden ist, der Fall Hoeneß – aufgedeckt durch einen Focus-Bericht – ist ein Meilenstein in der Moralchronik der Republik. Es gibt ein Davor und ein Danach.“

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