NSU-Medienlotterie wird zur Lachnummer

Publishing Das Oberlandesgericht München hat bekanntgegeben, wer die Presseplätze im NSU-Prozess erhält. Nicht dabei: die Zeit, die FAZ, die Welt, die taz und die SZ. Plätze zugelost bekamen dagegen zum Beispiel kabel eins, RTL 2 und die Brigitte. Insgesamt gab es 927 Anträge auf Akkreditierungen und 324 Lose für gerade mal 50 Presseplätze. Die Pressekonferenz in München mutierte an einigen Stellen zur Lachnummer. Der Präsident des Oberlandesgerichts München, Karl Huber, holte zu Beginn erst zur Medienschelte aus.

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"Der Senat sollte sich eigentlich auf die juristische Vorbereitung konzentrieren können", sagte Karl Huber zu Beginn der Pressekonferenz. Stattdessen müsste er sich jedoch auch um organisatorische Belange kümmern. "Die Angriffe, die das Gericht aushalten musste, obwohl es sich vollkommen korrekt verhalten hat, sind einmalig", so der OLG-Präsident. Er kritisierte zudem, dass Personen ihre Meinung zur Akkreditierung äußerten, die juristisch nicht durchdacht gewesen sei. 
Das neue Verfahren sei ein "angemessenes, gerechtes und allgemein anerkanntes Verfahren." Huber hoffe, dass es nun nicht zu weiteren Klagen komme, da es darum gehe ein Strafverfahren durchzuführen, nicht darum, Medieninteressen zu befriedigen. Eine Hoffnung, die Huber im Rahmen der Pressekonferenz noch mehrfach wiederholte, die aber angesichts des Ergebnisses der Medien-Lotterie ein frommer Wunsch bleiben dürfte.
Bei der Pressekonferenz sorgte der Platz für Al Jazeera für kritische Nachfragen. Der TV-Sender hat sich mit seinem Büro in Istanbul beworben und wurde so in die Gruppe der türkischen Medien eingeteilt. Ein persischsprachiges Medium, für das auch ein Platz reserviert gewesen wäre, hatte sich gar nicht beworben.
Die Verkündung der Gewinner der Lotterie wurde von der Pressevertretung des Gerichts und den anwesenden Journalisten nur mit einer gewissen Portion Galgenhumor ertragen. Die Plätze für das öffentlich-rechtliche Fernsehen gingen an ARD und WDR. Das ZDF hatte in der freien Runde Glück. Die Plätze für das Privat-TV erhielten ebru TV – ein Sender der türkisch-islamischen Gülen-Bewegung – und kabel eins, was für ein erstes Raunen im Presseraum sorgte.
Bei den Tageszeitungen (8 Plätze für 71 Bewerber) gingen Welt, FAZ und SZ leer aus. Die Münchner haben mit dem SZ-Magazin aber einen Platz für ein wöchentliches Medium erhalten. Glück gehabt. Bei den wöchentlich publizierten Medien ging die Zeit leer aus. Dafür ging ein Platz an die Sonntagsbeilage der Stuttgarter Nachrichten. Die zum gleichen Verlag gehörende Stuttgarter Zeitung war bei den Tageszeitungen mit Losglück versehen.
In der freien Gruppe ging ein Platz an hallo-muenchen.de. Den letzten Presseplatz bekam die Zeitschrift Brigitte. Lachen im Raum. Kommentar der Pressesprecherin: "Ich wusste, dass ich damit den größten Lacheffekt haben werde."
Hier die Liste mit allen Medien, die Losglück bei der großen NSU-Medienlotterie des OLG-München hatten:
Gruppe 1: In- und ausländische Nachrichtenagenturen
Untergruppe "Agenturen, die Nachrichten auch in deutscher Sprache im Inland verbreiten":
Radio Dienst
Rufa Rundfunk-Agenturdienst
Gruppenloskorb:
IHA (Ihlas Haber Ajansi, Türkei)
dpa
dpa English Services GmbH
Gruppe 2: Fremdsprachige Medien und deutschsprachige Medien mit Sitz im Ausland
Untergruppe "Auf Griechisch publizierende Medien":
ERT (griechischer Rundfunksender – Hörfunk/Fernsehen)
Untergruppe "Auf Persisch publizierende Medien"
Kein Bewerber, 1 gesetzter Platz Der Platz fiel dem allgemeinen Gruppenloskorb zu
Untergruppe "Auf Türkisch publizierende Medien"
Al Jazeera (Büro Istanbul)
Sabah
Hürriyet
Evrensel (Tageszeitung)
Gruppenloskorb
Radio Lora München (polnischsprachige Redaktion)
Svenska Dagbladet
France 2
Berlin NOS – Niederländischer Rundfunk
Neue Zürcher Zeitung
Gruppe 3: Auf Deutsch publizierende Medien mit Sitz im Inland
Untergruppe "Öffentlich-rechtliches Fernsehen"
ARD
WDR
Untergruppe "Privatrechtliches Fernsehen"
Ebru TV
Kabel 1
Untergruppe "Öffentlich-rechtlicher Rundfunk"
Deutschlandfunk
BR
SWR
Untergruppe "Privatrechtlicher Rundfunk"
TOP FM
Charivari
Radio Lotte Weimar
Untergruppe "Werktäglich erscheinende Printmedien"
Bild
Allgäuer Zeitung
Passauer Neue Presse
Pforzheimer Zeitung
Sächsische Zeitung
Oberhessische Presse Marburg
Stuttgarter Zeitung
Lübecker Nachrichten
Untergruppe "Wöchentlich erscheinende Printmedien"
Focus
Stuttgarter Nachrichten – Sonntag aktuell
Süddeutsches Magazin
Der Spiegel
Gruppenloskorb
Tom Sundermann (freier Journalist)
Freie Presse
Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung
Thüringer Tageszeitung
„Freies Wort“
Thüringer Landeszeitung
Viola Volland (freie Journalistin)
RTL 2
Offenbach Post
ZDF
Hallo-muenchen.de
Hendrik Puls (freier Journalist)
Junge Welt
Brigitte

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