Neue „Tatort“-Teams: Wo sind die Frauen?

Nach der "Tatort"-Premiere von Wotan Wilke Möhring ist es Zeit für eine erste Bilanz der vier neuen Ermittler-Teams. Und die fällt durchaus gemischt aus. MEEDIA geht den Fragen nach: Wie gut oder schlecht sind Wotan Wilke Möhring, Til Schweiger, Devid Striesow und Jörg Hartmann für den "Tatort"? Welche neuen Aspekte bieten sie den Genre und welche Baustellen bleiben bestehen? Und vor allem: Warum sind die Hauptdarsteller der neuen Krimis fast durchgehend männlich?

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Drei neue Ermittler-Teams gingen 2013 im "Tatort" auf Sendung. Ende 2012 feierte zudem das Team aus Dortmund mit zwei dicht aufeinander folgenden Episoden Premiere. Es folgte Devid Striesow im Saarland. Die meiste Beachtung bekamen aber wohl Wotan Wilke Möhring, gemeinsam mit Petra Schmidt-Schaller, und vor allem Til Schweiger, Fahri Yardim und Britta Hammelstein, die das Revier Hamburg übernommen haben, das bis 2012 Mehmet Kurtuluş als Cenk Batu gehörte.
Mit den neuen Teams kommt Prominenz in den Sonntag-Abend-Krimi. Striesow, Schweiger und Möhring sind erfahrende und bekannte Schauspieler. Das mediale Interesse im Vorfeld war dementsprechend groß. Selten zuvor wurde so viel über den "Tatort" gesprochen und geschrieben. Was das angeht, ist der Plan der Produzenten voll aufgegangen.
In Sachen Kritik ging dieser Plan nur zum Teil auf. Am psychisch instabilen Kommissar Farber aus Dortmund und am schießwütigen Nick Tschiller (Schweiger) scheiden sich die Geister. Auch das Publikum ist gespalten. Sehr schlecht bei vielen Kritikern kamen bisher Devid Striesows Krimis weg. Dabei wurden jedoch weniger der Hauptdarsteller und seine Figur als vielmehr die Geschichten und die Nebendarsteller negativ bewertet. Die schlechten Kritiken sorgten aber häufig für Rückmeldungen von Lesern, die das Saar-Team verteidigten.
Möhring hingegen scheint über alle Zweifel erhaben, er polarisiert nicht. Die Kritiken sind nicht herausragend, aber vor ihnen fürchten muss sich der bekennende BVB-Fan aber auch nicht. Bei den meisten kommt er besser an, als Til Schweiger, mit dem er sich im direkten Hamburg-Vergleich befindet. Allerdings: in Sachen Quote zieht er den Kürzeren.
Hier ist Til Schweiger, sicher auch wegen der großen Medienaufmerksamkeit im Vorfeld, einsam an der Spitze – zumindest was die neuen Kommissare angeht. Denn dem Münsteraner "Tatort" musste er sich trotz Quoten-Rekord kurz darauf geschlagen geben. "Feuerteufel" am gestrigen Sonntag und die Dortmunder Fälle lieferten Quoten im oberen Drittel ab. Striesows Quote liegt darunter. All diese Werte sind jedoch noch nicht sehr aussagekräftig. Die Premieren sorgten für gestiegenes Interesse. Die beiden Teams mit bereits zwei Fällen (Saarland, Dortmund) mussten beide leicht abnehmende Quoten in Kauf nehmen.
Insgesamt brachten die neuen Teams viele neue Aspekte in die Serie ein: Jörg Hartmann spielt einen labilen und zugleich hochintelligenten Kommissar Farber. Seine persönliche Hintergrundgeschichte ist dramatisch und wird am Ende des zweiten Falls als Cliffhanger völlig offen gelassen. Für die sonst in sich geschlossenen Folgen ein Novum. Außerdem kam mit Dortmund eine weitere Stadt auf die "Tatort"-Landkarte.
Kommissar Stellbrink (Striesow) sorgt für einen weiteren Comedy-Aspekt neben Münster, der jedoch nicht bei allen gut ankommt. Gleiches gilt für den Action-geladenen ersten Film mit Til Schweiger. Einzig Möhrings Kommissar Falke wirkt in diesem Quartett "Tatort"-typisch. 
Was allen Filmen gemeinsam ist: Frauen spielen nur die Nebenrolle. Vier neue Teams – und alle sind klar männlich dominiert. Was das angeht, kommt Dortmund mit zwei männlichen und zwei weiblichen Ermittlern noch am Besten weg. Was weiterhin fehlt: mehr Fälle im Osten. 
Was das angeht werden die beiden neuen Teams, die in diesem Jahr noch auf den Bildschirm gehen, für Abhilfe sorgen. Für beide ist der MDR zuständig. Zu Weihnachten soll der einmalige Krimi mit Nora Tschirner und Christian Ulmen aus Weimar zu sehen sein. Bereits im November gibt das neue Trio aus Erfurt sein Debüt. Doch auch hier ist die Geschlechterverteilung eindeutig: zwei männliche Kommissare und eine weibliche Praktikantin gehen auf Verbrecherjagd. Höchste Zeit für eine Frauenquote beim "Tatort"!

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