Anzeige

Wer macht den besseren Hamburg-„Tatort“?

Am Sonntag feiert erneut ein "Tatort"-Kommissar seine Premiere: Wotan Wilke Möhring geht in Hamburg auf Verbrecher-Jagd. Nachdem er im anderen Hamburg-"Tatort", dem vielbeachteten Schweiger-Krimi, bereits einen Cameo-Auftritt hatte, steht der neue Mann nun im Mittelpunkt. Zwei Ermittler in der gleichen Stadt und noch dazu beide von prominenten Schauspielern dargestellt - das wirft unweigerlich die Frage auf: Wer ist der bessere, wer der wahre Hamburger "Tatort"-Kommissar?

Anzeige
Anzeige

Die Rahmenbedingungen:
Til Schweiger löste als "Tatort"-Kommissar bereits im Vorfeld Diskussionen aus. Bei Wotan Wilke Möhring gibt es deutlich weniger Reibungsfläche. Die Folge: Möhring, eigentlich selbst prominenter Schauspieler, steht zunächst eher im Schatten seines "Tatort"-Kollegen.
Punkt für Schweiger 
Die Rolle (Herkunft):
Schweigers "Nick Tschiller" zieht von Frankfurt nach Hamburg. Möhrings Charakter Thorsten Falke ist in Hamburg aufgewachsen, genau genommen im Stadtteil Billstedt. Ein echter Hamburger, ein Kommissar, der mit seiner Stadt verwurzelt ist, wie es die Kölner Ermittler auch sind. Dies verstärkt die regionale Verankerung des Krimis und zeigt zugleich, dass nicht jeder Neue immer neu ins Kommissariat kommen muss, wie zuletzt die meisten Ermittler bei ihrer Premiere (Striesow im Saarland, Schweiger in Hamburg, Hartmann in Dortmund).
Punkt für Möhring
Lieblings-Accessoire:
Nick Tschiller scheint mit dem Headset verwachsen zu sein. Thorsten Falke hingegen konsumiert in den knapp 90 Minuten etwa die Jahresproduktion einer Kuh-Herde an Milch. Beides nervt, aber das Tschillers Headset passt eher in die moderne Großstadt.
Punkt für Schweiger 
Ermittlungsmethoden:
Während Tschiller wild rumballert, lässt Falke die halbe Stadt befragen. Allerdings: Wenn es darum geht, für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen, überstrapazieren beide den erlaubten Rahmen. So unterschiedlich beide sind: Der Bauch bestimmt die Entscheidungen. Beides führt zum Erfolg. Falke taugt mit seinem Bestreben, für Ruhe zu sorgen, aber eher als Vorbild.
Punkt für Möhring
Freunde und Familie:
Tschiller lebt mit seiner Tochter zusammen, die von Schweigers echter Tochter Luna gespielt wird. Falke lebt mit einer Katze zusammen. Letztere spielt ihre Rolle überzeugender. Doch auch Falke hat ein Kind, dieses wird im ersten "Tatort" mit ihm jedoch nur erwähnt. Über die Mutter ist kaum etwas bekannt, ebenso über eine verflossene des Ermittlers, die in einer Szene vorkommt. Hinzu kommt der beste Freund, der zwar nicht mehr Partner von Falke ist, aber dennoch auch in künftigen Filmen eine unterstützende Rolle einnehmen könnte. Und vielleicht geht da ja sogar noch was mit der neuen Kollegin?! Tschillers alter bester Freund hingegen entpuppte sich als Krimineller.
Punkt für Möhring
Die Bilder:
Was die neuen Hamburg-"Tatorte" angeht, scheinen sich die Macher in einer Sache einig: Die Stadt soll optisch stärker ins Zentrum gerückt werden. Im Schweiger-Tatort gab es Luftaufnahmen der Elbphilharmonie, im Möhring-Krimi gibt es eine sehenswerte Zeitraffer-Panorama-Aufnahme des Hafens.
Punkt für beide
Der Fall:
Schweigers Remix von "Schutzengel" wirkte arg konstruiert. Der Fall in "Feuerteufel" am Sonntag liegt näher an der Realität: Angezündete Autos gibt es in Hamburg und anderen Großstädten immer wieder. Obwohl es auch in diesem "Tatort" die üblichen Logik-Lücken gibt:
Punkt für Möhring
Die Co-Kommissare:
Der Möhring-"Tatort" hat, was dem Schweiger-"Tatort" fehlt: Eine echte weibliche Hauptrolle: Petra Schmidt-Schaller als Katharina Lorenz bildet einen passenden Kontrast zum Hauptermittler: Das Team versteht sich nicht bestens, arbeitet aber dennoch gut zusammen. Zwischen beiden entwickelt sich Respekt und vielleicht sogar Freundschaft. Die weibliche Ermittlerin und die Staatsanwältin im Schweiger-"Tatort" kommen hingegen kaum über die Rolle der Statistin hinaus. Dafür kann der Film mit Fahri Yardim als Sidekick punkten. Und der ist aktuell vielleicht der beste Co-Ermittler im "Tatort".
Punkt Schweiger
Spannung und Humor:
Das Team Schweiger und Yardim bringt Spannung und Humor in den "Tatort". Der Möhring-"Tatort" bietet konservative Krimi-Kost, schafft es aber nicht, große Spannung aufzubauen. Zu langsam ist die Handlung, zu weit der Zuschauer vom Geschehen entfernt. Auf ein Humor-Element verzichtet "Feuerteufel" zudem ganz.
Punkt Schweiger 
Der Einstieg:
Tschiller sagt als erstes "Fuck" und danach geht die Action los. Bei Falke wird erst einmal gemütlich ein Bier auf der südlichen Elbseite getrunken. Wer zu spät einschaltet verpasst nichts Wesentliches. Das ist zwar realistischer, aber auch weniger fesselnd.
Punkt Schweiger 
Das Ende:
Finale Furioso bei "Willkommen in Hamburg" und dann kocht Schweiger, um den Puls noch etwas zu beruhigen, auch noch das perfekte Frühstücks-Ei. Bei Möhring kommt es am Ende zum einer anderen Form des Schlagabtausches. Und auch hier wird im Anschluss noch eine große Portion Harmonie fürs Herz mitgeliefert. Beides vorhersehbar und doch irgendwie schön.
Punkt für beide
Fazit:
7:6 für Schweiger. Und dennoch: Der Krimi mit Wotan Wilke Möhring ist der Film, der besser zum "Tatort" passt und der "Tatort", der besser zu Hamburg passt. In den Kritiken und Zuschauer-Stimmen dürfte der Film besser abschneiden. Gerade die Einzelpunkte des obigen Vergleichs werden aller Voraussicht nach jedoch dafür sorgen, dass der Schweiger-"Tatort" quotenmäßig die Nase vorn behält.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*