HuffPo kooperiert angeblich mit der ToFo AG

Laut Medienberichten hat die Huffington Post endlich einen Partner für den Start in Deutschland gefunden. U.a. die FAZ berichtet, dass die us-amerikanische Website mit Burdas Internet-Tochter Tomorrow Focus AG gemeinsame Sache machen will. Zuvor war auch mal Gruner + Jahr als möglicher Partner für die HuffPo im Gespräch gewesen. Der Deutschland-Start der Huffington Post wird in der Branche argwöhnisch beäugt. Das Geschäftsmodell der Amerikaner gilt als hoch umstritten. Und wackelig.

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Die Huffington Post ist so etwas wie eine riesige publizistische Reste-Rampe im Internet. Dort findet sich mehr oder weniger Alles zu Allem: politische Analysen, Sport, Service-Stücke, Popkultur, Bikini-Slide-Shows – eben alles, was Klicks bringt. Berühmt berüchtigt wurde die HuffPo-Story “What Time does the Superbowl start?”. 2011 veröffentlichte die Huffington Post erstmals den “Artikel”, der im wesentlichen nichts anderes enthielt, als Köder-Schlagworte für Google und eben die Antwort auf die Frage, wann genau der Superbowl (das Endspiel der us-amerikanischen Football-Liga) beginnt. Der “Artikel” war klickmäßig so erfolgreich, dass es mittlerweile in jedem Jahr eine Fülle von “What time does the Superbowl start?” Klickfängern in amerikanischen Online-Medien gibt. Das mag ganz witzig sein – Journalismus ist das freilich nicht.

Aber das gehört eben auch zu den Markenzeichen von Arianna Huffington und ihrer Content-Schleuder. Bei der HuffPo finden sich solche banalen Klickfänger und dämlichen Galerien genauso wie interessante Artikel und Analysen. Berüchtigt ist die HuffPo außerdem dafür, dass ihre redaktionellen Mitarbeiter nicht gerade gut verdienen und Blogger für lau eingebunden werden. Ruhm, Ehre und Reichweite sollen genug Lohn dafür sein, Teil des HuffPo-Universums zu werden.

Kritik steckt die HuffPo auch immer wieder dafür ein, dass die Website gerne Artikel von anderen Sites aggregiert, also verkürzt umschreibt und damit Klicks generiert. Arianna Huffington argumentiert stets, dass viele Sites geradezu betteln, von der HuffPo aggregiert zu werden. Weil das eben Traffic bringe. Kritiker sehen in der Methode eine Art verkappter Content-Piraterie.

Kurz gesagt geht das Geschäftsmodell der Huffington Post also so: Möglichst große Reichweite mit möglichst billig produzierten Inhalten vermarkten. Damit haben viele deutsche Verlage ein Problem. Die Reichweite würden sie zwar schon ganz gerne nehmen – nur ziehen hiesige Verleger seit einiger Zeit landauf, landab und singen das hohe Lied vom Paid-Content. Qualitativ hochwertige Bezahl-Inhalte sind so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was Frau Huffington mit ihrer Truppe im Angebot hat. Außerdem haben sich deutsche Verlage groß gegen den vermeintlichen Content-Klau von Google aufgeplustert. Verleger Hubert Burda bezeichnete Google einst als die “Killerapplikation” des Web. “Killer” meinte er dabei wohlgemerkt wörtlich. Nun ist die HuffPo nicht Google. Inhalte werden dort nicht von “bösen” Algorithmen verwurstet, sondern von meist schlecht bezahlten Menschen aggregiert – so ganz konform geht das Prinzip HuffPo mit dem verqueren Leistungsschutzgedanken der Verlage trotzdem nicht.

Aus den genannten Gründen war ein Partner wie Axel Springer für die Huffington Post hierzulande auch ganz und gar undenkbar. Springer ist der erste Vorkämpfer sowohl für Paid Content als auch für ein Leistungsschutzrecht. Außerdem laufen die Digital-Geschäfte bei den Berliner auch ohne HuffPo exzellent. Bertelsmann mit seiner Tochter Gruner + Jahr hätte da als Partner schon eher Sinn ergeben: Die Hamburger wollen und müssen dringend digitaler werden, wobei eine deutsche HuffPo durchaus hilfreich sein könnte. Da hätte man endlich noch was anderes Digitales vorzuzeigen als immer nur Chefkoch.de. Letztlich konnte man dort aber wohl doch nicht über seinen Schatten springen.

Bleibt nun also laut FAZ die Tomorrow Focus AG aus dem Hause Burda. Die Tofo AG ist auf die Vermarktung von Reichweite spezialisiert. Burda macht digital zwar gute Geschäfte, verfolgt im Web bislang aber auch keine explizite Premium-Bezahlstrategie. Insofern würde das schon ganz gut passen. Die wichtigste Frage ist aber nach wie vor nicht beantwortet. Sie lautet: Funktioniert das Modell Huffington Post überhaupt? Der größte wirtschaftliche Erfolg von Arianna Huffington war, dass AOL ihren Laden 2011 für 315 Mio. Dollar gekauft hat. Dass die HuffPo mit ihrer Strategie der brutalst möglichen Reichweiten-Maximierung für lousy Pennies langfristig erfolgreich wirtschaften kann ist längst nicht ausgemacht. Andererseits: Ob Paid Content im Internet wirklich funktioniert weiß derzeit auch kein Mensch. Der Start einer deutschen Huffington Post ist also – wie so Vieles im digitalen Medienbusiness – eine Wette auf die Zukunft. Ihren Wettpartner für Deutschland scheinen die Amerikaner nun gefunden zu haben.

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