Henris an FTD, General-Anzeiger und Zeit

Der Eklat blieb aus: Nachdem der Henri Nannen Preis in den vergangenen Jahren immer wieder für Kontroversen sorgte, ging die aktuelle Auflage der wohl wichtigsten deutschen Journalisten-Auszeichnung diesmal wohlgeordnet über die Bühne. Gewinner des Abends sind der Außenseiter Wolfgang Kaes vom General-Anzeiger aus Bonn, die FTD und die Zeit. Der Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste Reportage geht an Heike Faller und ihre Zeit Magazin-Story „Der Getriebene“.

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Zum Start verliehen die Moderatoren Linda Zervakis und Jörg Thadeusz den Preis für für Dokumentation. Er geht an das Handelsblatt-Duo Sönke Iwersen und Fabian Gartmann für ihre höchst detailreiche Schlecker-Recherche („Ladenschluss“). Sie setzten sich gegen Florian Flade und Lars-Marten Nagel und ihre Welt-Geschichte über YouPorn und Christoph Kucklick von Geo durch.
Der Henri in der Kategorie Essay geht an den Politikchef der Zeit, Bernd Ulrich, für „Wer sind wir, heute?“. Die Jury war von dem „als Reisebericht verkleideten Essay“ begeistert. Im Teaser zu dem Stück heißt es: „Deutsche werden wieder öfter als Nazis beschimpft. Zugleich sollen sie Europa führen. Und die jüngere Generation will sich nicht mehr schuldig fühlen. Eine Reise in die Zukunft unserer Vergangenheit.“
Die beste Fotoreportage kommt von Sandra Hoyn für „Kampfkinder“. Erschienen ist die Fotoreportage im Rahmen einer Serie über Kinderboxer in Thailand im emerge-mag.com – einem Online-Magazin für jungen Fotojournalismus. Ihr Geld verdient Hoyn nach eigenen Angaben mit Hochzeitsfotos.
Der Henri für Investigation geht in diesem Jahr nicht an den Spiegel, die Süddeutsche Zeitung oder die Zeit, sondern an Wolfgang Kaes vom General-Anzeiger in Bonn für das Stück „Vermisst. Verschollen. Und beinahe vergessen“.
Ein Höhepunkt der Award-Show in Hamburg war der Sonderpreis. Er ging an die Redaktion der Financial Times Deutschland für ihre letzte Ausgabe. Mit Anstand und einem gewissen Stolz verabschiedete Gruner + Jahr alle Macher der eingestellten Wirtschaftszeitung.

Den Preis für ihr Lebenswerk erhielt Annelise Friedmann. Unter dem Pseudonym "Sibylle" schrieb sie Mode- und Lebensart-Kolumnen. Zuerst in der Abendzeitung, dann im stern. Für ihre Arbeit als Herausgeberin und den Einsatz für Bedürftige erhält Friedmann nun die Auszeichnung für ihr Lebenswerk.

"Anneliese Friedmann ist eine hervorragende und mutige Journalistin, eine durchsetzungsstarke Verlegerin, eine unerschrockene Streiterin für ihre Standpunkte, eine lebenskluge Frau", begründete Jury-Mitglied Andreas Petzold die Entscheidung. "Sie hat als geheimnisvolle und doch lebensnahe ‚Sibylle‘ in den 50er und 60er Jahren den Leserinnen und Lesern die Welt erklärt und den Männern den Kopf verdreht. Sie hat dem Lebensgefühl ihrer Zeit Ausdruck verliehen wie damals keine zweite deutsche Journalistin. Ihre Texte wurden millionenfach gelesen."

Bereits im Vorfeld war René Wappler für seine besonderen Verdienste um die Pressefreiheit ausgezeichnet worden. Trotz vieler Attacken auf die Redaktionsräume der Lausitzer Rundschau und persönlicher Drohungen gegen seine Person hat sich der Journalist der Lausitzer Rundschau nicht davon abbringen lassen, in der Lokalzeitung über Aktivitäten von Neonazis im brandenburgischen Spremberg zu berichten. "René Wappler hat sich von den ‚Lügenpresse, halt die Fresse’-Parolen an der Mauer seiner Redaktion nicht einschüchtern lassen", heißt es in der Begründung.
Bereits in ihre Eröffnungsrede sagte die Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel: "Qualität hat ihren Preis. Den Henri."

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