Spiegel: Augstein-Witwe will Aust zurück

Die Autorin Gisela Stelly war als vierte Frau des verstorbenen Spiegel-Gründers Rudolf Augstein 20 Jahre lang mit ihm verheiratet gewesen. Im Hamburger Abendblatt äußert sie sich nun auf bemerkenswerte Weise zur Debatte, wer neuer Chefredakteur des Spiegel werden soll. Ihr Vorschlag: Der Spiegel solle Stefan Aust als Chefredakteur zurückholen - zumindest für eine Übergangszeit. Jakob Augstein kommt bei ihr nicht gut weg. Bei ihm stehe Augstein draußen drauf, sei aber nicht drin.

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Rudolf Augsteins Witwe Gisela Stelly gibt im Hamburger Abendblatt zu Protokoll, das Outing Jakob Augsteins, dass sein Vater in Wahrheit der Schriftsteller Martin Walser ist, habe sie “entsetzt”. Sie ist sich sicher, dass Augstein senior Jakob nicht zum Sprecher der Erbengemeinschaft gemacht hätte, wenn er gewusst hätte, dass dieser der Sohn von Martin Walser ist. Stelly: “Was besonders seltsam ist, dass Jakob nun, nach seinem Outing, weiterhin die Vertretung der Erbengemeinschaft beansprucht. Es wäre besser, wenn Franziska, die leibliche Tochter Rudolf Augsteins, Sprecherin der Erbengemeinschaft würde. Das würde Rudolf Augstein mit dem Wissen von heute ganz gewiss so entscheiden.”

Die Marke “Im Zweifel links” (so heißt Jakob Augsteins Kolumne bei Spiegel Online) sei Rudolf Augsteins “Markenspruch” gewesen, so Stelly weiter. Von der Idee, Jakob Augstein eventuell zum Spiegel-Herausgeber zu machen, hält sie nichts: “Der ‘Spiegel’ täte gut daran, die Herausgeberschaft weiter im Geiste von Rudolf Augstein zu belassen, der ein Jahrhundertjournalist war, auch um sich immer wieder an diese hohe Messlatte zu erinnern.

Auch die Mitarbeiter KG bekommt bei der Augstein-Witwe ihr Fett weg. Stelly im Abendblatt: “Ich habe kürzlich eine Bemerkung gehört, die heißt, ‘Was Adenauer und Strauß nicht gelungen ist, nämlich den ,Spiegel‘ zu zerstören, das könnte jetzt der Mitarbeiter KG gelingen’.” Beim Spiegel sei es der Fall, dass “die Mitarbeiter, die beschenkt worden sind, sich nicht wirklich unternehmerisch verhalten oder verhalten können.”

Ein Fan ist die Augstein-Witwe dagegen von Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust. Er war immerhin auch der letzte Chefredakteur, den Rudolf Augstein selbst eingesetzt hat. Stelly: “Mein Rat ist, der ,Spiegel‘ sollte jetzt über seinen Schatten springen und Stefan Aust, zumindest für eine Übergangszeit, noch mal holen. Er hat ‘Spiegel-TV’ groß gemacht, er hat zukunftsträchtige Ideen für alle Medien. Er hat eben nicht nur sein Gesicht im Fernsehen gezeigt, er hat Fernsehen gemacht. Das ist ein großer Unterschied.”

Ob die Spiegel-Gesellschafter sich an den Rat der Augstein-Witwe halten werden – es darf bezweifelt werden.

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