Mini-Börsencrash wegen AP-Twitter-Hack

Publishing Twitter wird kursrelevant: Gestern Abend gegen 19 Uhr brach die Wall Street plötzlich ein. Was war passiert? Über den Twitter-Account der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) wurde eine Eilmeldung verbreitet, die Schreckliches verhieß. Zwei Explosionen hätten sich im Weißen Haus ereignet, und US-Präsident Barack Obama wäre verletzt. Die Richtigstellung folgte Minuten später. Der AP-Account wurde gehackt. Der Vorfall unterstreicht die immer größere Bedeutung von Twitter.

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Ziemlich genau drei Jahre ist es her, als die Kapitalmärkte nach vermeintlichen Unruhen in Athen plötzlich binnen weniger Sekunden atemberaubend in die Tiefe rauschten. 1.000 Punkte im Dow Jones: weg – und Minuten später wieder da. Ein Algorithmus spielte verrückt und stellte den weltweiten Börsenhandel auf den Kopf.  

Gestern im Kleinformat derselbe Anblick: Binnen gerade mal drei Minuten ein V-artiges Abtauchen und Emporschießen der US-Aktenmärkte in einer Handelsspanne von knapp 150 Punkten. Wieder ein Systemfehler? Mitnichten! Eine ziemlich kursrelevante Eilmeldung kursierte – und zwar auf dem 140-Zeichendienst Twitter.

Fake-Tweet: "Zwei Explosionen im Weißen Haus, und Barack Obama ist verletzt"

Dort war um exakt 19.07 Uhr deutscher Zeit für die 1,9 Millionen Follower zu lesen: „Eilmeldung: Zwei Explosionen im Weißen Haus, und Barack Obama ist verletzt.“  Der Aufruhr war entsprechend: Der Mini-Flash Crash vernichtete 175 Milliarden Dollar Börsenwert, ehe die Erholung einsetzte. Die AP reagierte prompt und verschickte binnen weniger Minuten die Entwarnung: „This is a bogus @AP tweet“, war zu lesen – „dies ist ein gefälschter @AP Tweet.“

Das Weiße Haus wies in einer Pressekonferenz fast zeitgleich darauf hin, dass es Präsident Obama gut gehe und an dem Vorfall nichts dran sei. Die AP berichtete unterdessen, dass ihr Twitter-Konto gehackt worden sei und sperrte den Account vorübergehend.

"Twitter ist der angesagteste News-Kanal der Wall Street"

Es ist nicht das erste Mal, dass Twitter-Accounts von Nachrichtenagenturen oder Medien-Unternehmen gehackt worden sind. Erst am Wochenenende wurden die Konten des 140-Zeichendienstes von der US-TV-Sendungen „60 Minutes“ und „48 Hours“ Opfer von Cyber-Angriffen.

So irritierend die Fake-Tweets für Nutzer sein mögen – gleichzeitig verdeutlichen die vermehrten Hacker-Angriffe die immer größere Bedeutung des 140-Zeichen-Dienstes.

Auch in der Finanzbranche: „In vielerlei Hinsicht ist Twitter der angesagteste News-Kanal der Wall Street“, erklärte etwa Jack Ablin, CIO der BMO Private Bank, gegenüber Marketwatch. „ Anleger verlassen sich inzwischen auf das soziale Medium für minütliche News und Meinungen.“ Welchen fatalen Ausgang das haben kann, war gestern zu beobachten.

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