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Apple: Keine neuen Produkte bis Herbst

100 Milliarden Dollar sind nicht genug: Weder das größte Programm zur Kapitalrückzahlung in der Börsengeschichte noch besser als erwartete Quartalszahlen reichen der Wall Street – die Apple-Aktie fällt weiter. Das ist das bemerkenswerte Fazit nach Vorlage der Geschäftsbilanz für das abgelaufene zweite Quartal, in dem Apple die Analystenschätzungen knapp schlagen konnte. Ein schwacher Ausblick und erneute Ernüchterung in der Telefonkonferenz verstimmten Anleger – neue Produkte soll es nicht vor Herbst geben.

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100 Milliarden Dollar sind nicht genug: Weder das größte Programm zur Kapitalrückzahlung in der Börsengeschichte noch besser als erwartete Quartalszahlen reichen der Wall Street – die Apple-Aktie fällt weiter. Das ist das bemerkenswerte Fazit nach Vorlage der Geschäftsbilanz für das abgelaufene zweite Quartal, in dem Apple die Analystenschätzungen knapp schlagen konnte. Ein schwacher Ausblick und erneute Ernüchterung in der Telefonkonferenz verstimmten Anleger – neue Produkte soll es nicht vor Herbst geben.

Man kann sich Tim Cook als modernen Sisyphos vorstellen: Ob er dabei glücklich ist, ist eine andere Frage. Zumindest kann man Cook, der eineinhalb Jahre nach der Amtsübernahme von Steve Jobs schwer in der Kritik steht, nicht vorwerfen, einiges versucht zu haben.

Mit Vorlage der Geschäftszahlen für das abgelaufene zweite Quartal ging Cook in die Großoffensive. Mit einer besseren Bilanz als erwartet ging der Apple-CEO in die Analystenkonferenz und machte dort eine weitaus bessere Figur als noch im Januar. Obwohl Cook Apples ersten Gewinnrückgang seit 2003 vermelden musste, hatte er einige positive Überraschungen parat.

iPhone und iPad überzeugen

Zunächst einmal konnten die Analystenerwartungen leicht geschlagen werden: Statt des prognostizierten Gewinns je Aktie von 10,04 Dollar konnte Apple tatsächlich 10,09 Dollar je Anteilsschein ausweisen. Auch die Umsätze lagen mit  43,6 Milliarden Dollar besser als die Prognosen der Analysten und damit sogar am oberen Ende der eigenen Schätzungen – und damit noch 11 Prozent über dem Vorjahr.

Treiber von Apples Geschäftsentwicklung war erneut das iPhone. 37,4 Millionen Geräte verkaufte Apple zwischen Januar und März – immerhin noch 7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die jüngste Unternehmenssparte, die Tablet-Unit, wächst weiter kräftig dank des iPad minis.

Insgesamt 19,5 Millionen iPad gingen in den ersten 90 Tagen des Jahres über die Ladentische – 65 Prozent mehr als im Vorjahreszeittraum. Mit knapp 4 Millionen Macs wurden in etwa so viele Computer verkauft wie im vorherigen März-Quartal, während die Absätze der iPods erwartungsgemäß um 20 Prozent auf rund 6 Millionen zurückging.

Gigantisches Aktienrückkaufprogramm angekündigt

So weit, so gut. Für den echten Knaller sorgte Tim Cook indes mit der Ankündigung des größten Kapitalrückzahlungsprogramms der Börsengeschichte. 100 Milliarden Dollar seiner Barmittel will Apple in den kommenden zweieinhalb Jahren für Aktienrückkäufe und Dividenden verwenden – im Vorjahr hatte Tim Cook zunächst angekündigt, lediglich 45 Milliarden Dollar binnen eines Dreijahreszeitraums einzusetzen.   
 
Der Löwenanteil der 55 Milliarden geht dabei in Aktienrückkäufe (50 Milliarden Dollar), wie sie Starinvestor Warren Buffett bereits schon angeregt hatte. Weitere 5 Milliarden fließen in die Anhebung der Quartalsdividende auf nunmehr 3,05 Dollar je Anteilsschein, was einem Anstieg von 15 Prozent entsprach.

Dieser aggressive Umgang mit den immensen Barreserven war mehr, als sich Anleger zuvor versprochen hatten. Hedgefondsmanager David Einhorn, der sich mit Tim Cook zuvor ein öffentliches Scharmützel geliefert hatte, begrüßte die Maßnahme. Anleger waren ähnlicher Meinung und schickten die Apple-Aktie im nachbörslichen Handel zunächst um 6 Prozent bis auf 430 Dollar nach oben.

Ausblick enttäuscht, Produktloch schockt Anleger

Dann begann die Telefonkonferenz – und die Geschichte wiederholte sich. Wie im Januar fiel die Apple-Aktie wie ein Stein, als Tim Cook über die Geschäftsentwicklung und den Ausblick referierte und sich den Fragen der Analysten stellte. Wichtigste Erkenntnis: Die Geschäfte laufen aktuell noch schlechter als im Vorfeld erwartet. Im Juni-Quartal wird nicht nur erneut der Gewinn zurückgehen – auch die Erlöse könnten unter Vorjahresniveau zurückfallen. Apple nannte die Umsatzspanne von 33,5 bis 35,5 Milliarden Dollar, die weit unter den Analystenschätzungen von 38,4 Milliarden lag.

Mit dem Hauptgrund für die Erosion rückte Tim Cook auf Nachfrage heraus. Erst im Herbst und in 2014 werde es „wieder wirkliche tolle Sachen“ von Apple geben, ließ der angeschlagene Apple-CEO durchblicken und machte damit seinen Befreiungsschlag wieder vollends zunichte.

Als Anlegern dämmerte, dass mit einem neuen iPhone nicht vor September zu rechnen sei und Apple damit ein ganzes Jahr keine neuen Produte vorstellen würde, kam die Aktie erneut unter den Hammer. Alle Zugewinne des nachbörslichen Handels wurden komplett abgegeben und sogar bei einem Schlusskurs von unter 404 Dollar in Verluste verwandelt. Tim Cook und die Wall Street – es wird keine Liebesbeziehung mehr.

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