stern verschenkt die Hitler-Tagebücher

Spätestens jetzt sind die Hitler-Tagebücher das, was sie ursprünglich nie waren: ein historisches Dokument. 30 Jahre nach der vermeintlichen Weltsensation überlässt Gruner + Jahr die Original-Kladden dem Bundesarchiv in Koblenz. Mit diesem Zug beweisen die Hamburger auch einen sehr feinen Sinn für Geschichte. Immerhin gehörte das Bundesarchiv 1983 zu den Experten, die – wie auch das Bundeskriminalamt – die Fälschung festgestellt hatten und somit halfen, den stern weltweit bloßzustellen.

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"Die gefälschten Tagebücher sind ein Teil der Geschichte des stern", sagt Chefredakteur Dominik Wichmann. "Wir wollen das nicht wegdrücken, sondern damit angemessen und vor allem sachlich umgehen. Daher haben wir entschieden, die Kladden nach 30 Jahren ins Bundesarchiv zu geben."

Die Historiker in Koblenz freuen sich über die prominente Schenkung: "Die gefälschten Hitler-Tagebücher sind Dokumente der Zeitgeschichte. Sie sind im Bundesarchiv bestens aufgehoben", findet der Präsident des Bundesarchives, Michael Hollmann.

Reporter Gerd Heidemann wird sich wohl weniger freuen. Der Entdecker der vermeintlichen Hitler-Schriften hatte vor wenigen Wochen noch versucht, die Dokumente zurück zu bekommen. Via Bild hatte der heute 81-Jährige einen Vertrag präsentiert, den er am 23. Februar 1981 mit dem stern geschlossen haben soll und der den Umgang mit den Büchern regelte. So soll in dem Schriftstück unter Punkt 4 stehen, dass der Verlag "die Originalmanuskripte zehn Jahre nach Beginn der publizistischen Nutzung dem Autor überlassen" werden.

Die Bild zitierte zudem Heidemann: "Wenn ich die finanziellen Möglichkeiten hätte, würde ich den Verlag auf Herausgabe verklagen. So kann ich nur hoffen, dass sich der Verlag an den Vertrag hält."

Alle Tagebücher werden allerdings nicht nach Koblenz gehen. Im Bonner Haus der Geschichte liegt bereits ein Exemplar, im Museum für zeitgenössische Kunst in Paris und auch zur Sammlung des Polizeimuseums in Hamburg gehört eine Kladde. Allerdings ist das Tagebuch in der Hansestadt immer noch nicht zu sehen. Die Eröffnung des Museums wird immer wieder verschoben.

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