„Henry Nonsens Preis“ für Gaga-Reportagen

Am kommenden Freitag verleiht Gruner + Jahr in Hamburg wieder den Henri Nannen Preis, die wohl wichtigste journalistische Auszeichnung, die es in Deutschland gibt. Passend zur Relevanz kommt der Award oftmals sehr staatstragend daher. Der altehrwürdigen Veranstaltung setzt Reportagen.fm nun einen echten Kontrapunkt entgegen. Die Reportagen-Plattform ruft nun eine neue Auszeichnung für absurde Artikel ins Leben: den "Henry Nonsens Preis".

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Klingt komisch, ist aber durchaus ernst gemeint. „Es gibt Reportagen, die sind wahnsinnig gut und werden trotzdem nie einen Preis gewinnen“, heißt es in der Erklärung. Weil sie nicht vom Krieg, vom Hunger oder vom Sterben handeln würden. Zudem seien sie weder lehrreich noch relevant sind. „Dafür sind sie schön bekloppt, abgedreht und manchmal hemmungslos peinlich. So wie der betrunkene Onkel auf der Familienfeier: Allen macht er Spaß, aber bei offiziellen Anlässen wird er gemieden.“

Was sich die Macher von Reportagen.fm unter absurden Reportagen so vorstellen, verraten sie auf ihrem Portal. Dort nennen sie fünf Beispiele von fünf besonders gelungen Texten. Dabei sind Stücke von Christoph Zürcher aus der NZZ am Sonntag, Leif Randt aus der Zeit oder auch Oliver Maria Schmitt in der FAS.

Hinter der Plattform Reporter.fm stehen drei Nachwuchsjournalisten, denen es – neben absurden Reportagen – vor allem darum geht, zu beweisen, dass im Internet auch lange Texte gelesen werden. So stellen sie jede Woche die drei besten langen Stücke vor, die im laufe der letzten sieben Tage online gegangen sind. Neben einen kurzen Teaser-Text gibt es auch immer einen Hinweis zur voraussichtlichen Lesezeit eines Textes.

Mögliche Gewinner-Stücke müssen drei Kriterien erfüllen:

  • Die absurde Reportage ist in der 1. Person Singular geschrieben. Diese reist und erkennt unterwegs etwas, das sie auch zu Hause hätte erfahren können.
  • Die absurde Reportage ist in ihrem Vorhaben entweder völlig über- oder komplett unambitioniert. Die Reportage ist weder lehrreich noch relevant.
  • Die absurde Reportage kann nicht oder sollte nicht überprüft werden.

Der oder die Preisträger werden allerdings erst am Ende des Jahres bekanntgegeben. Bis dahin wollen die Macher entsprechende Texte sammeln. Allerdings können auch die Leser via Twitter (#henrynonsens) Vorschläge machen. Am Ende des Jahres entscheidet eine Jury, wer die "Sir Henry Trophäe" erhält.

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