Götze-Transfer: das PR-Glück des FC Bayern

Jeder Profi für Krisenkommunikation weiß: Es gibt zwei Möglichkeiten einen öffentlichen Aufreger zu beenden. Der Protagonist, an dem sich der Fall aufhängt, muss sich entschuldigen oder eine andere - gefühlt spektakulärere - News muss das erste Thema von den Titelseiten drängen. Im Fall Hoeneß bedeutet dies zweierlei. Erstens: Via Sport Bild zeigt der Bayern-Manager eine gewisse Reue. Zudem muss eine Breaking-News her. Und siehe da: "Götze wechselt zu Bayern!".

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Mit dieser Exklusiv-Meldung macht die Bild bereits am heutigen Dienstag auf. Woher das Boulevard-Blatt die Information hat, ist nicht klar. Aus Sicht einer erfolgreichen Krisenkommunikation ist es allerdings ein Glücksfall. Ob die News absichtlich vom FC Bayern an die Boulevard-Redaktion durchgestochen wurde, ist unklar. Dafür gibt es keinen echten Beleg. Den Spitzenkräften des Meisters wird sie jedoch höchst zupass gekommen sein.

In seiner Berichterstattung macht sich die Bild allerdings nicht gänzlich zum Sprachrohr des FCB. Denn die Hauptzeile dürfte den Verantwortlichen an der Säbener Straße nicht gefallen. Sie lautet: "Börsen-Zockerei: Ist Hoeneß süchtig?". Bereits am Vorabend hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass es sich bei dem Geld in der Schweiz offenbar um ein Konto handelt, dass in Zusammenhang mit einem Kredit des ehemaligen Adidas-Chefs Jean-Louis Dreyfus an den damaligen Bayern-Manager steht.

Via Facebook bestätigte Borussia Dortmund inzwischen den Götze-Transfer. Die Bayern sollen für den Nationalspieler eine festgeschriebene Ablösesumme von 37 Millionen Euro zahlen. Die Kommunikation des Deals scheint tatsächlich nicht ganz sauber gelaufen sein. So heißt im letzten Satz des BVB-Postings: "Vom FC Bayern München hat sich bis zum heutigen Tag in dieser Angelegenheit kein Offizieller bei Borussia Dortmund gemeldet."

Die Sport Bild zitiert zudem noch Hoeneß mit dem Satz: „Ich habe erkannt, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe“.

Möglicherweise wäre die Götze-News gar nicht mehr nötig gewesen. Das Hoeneß-Thema scheint medial bereits auf dem absteigenden Ast. Nachdem Günther Jauch am Sonntag noch eine Rekord-Quote von 6,67 Millionen Zuschauern mit seinem Talk über den Fußball-Manager und seinen Steuer-Millionen erzielte, bewegte sich Frank Plasberg mit seiner Gesprächsrunde nur noch leicht über Normal-Niveau.

Allerdings schlägt die Nachricht vom Wechsel des Kickers von Dortmund nach Bayern auch schon so im Social-Web ein wie eine Bombe. Die erste Bild-Story kommt mittlerweile auf über 48.000 Facebook-Likes und auch das BVB-Posting wurde innerhalb weniger Minuten über 3.200 mal geteilt. Allerdings gefällt es nur 1.500 Personen. Aber wie soll ein BVB-Fan auch in dieser Situation auf den Like-Button klicken?

Zudem haben es die Bayern im gewissen Sinne selbst in der Hand, das Thema weiter zu drehen. Ein begeisterndes Spiel gegen Barcelona am heutigen Dienstagabend und alle reden am Mittwoch nur noch über die Partie. Wenn dann am Mittwochabend Dortmund so freundlich ist und auch gegen Real Madrid gewinnt, ist das Thema für den Donnerstag schon gesetzt. Spätestens ab Freitag wird das Thema massiv an Brisanz verloren haben.

Mit dem bestätigten Götze-Transfer hat Hoeneß auf einmal sogar wieder gute Karten, Chef des FC Bayern zu bleiben. Stand gestern Abend hätte es moralisch verzwickt werden können. Ein Rücktritt war mittelfristig durchaus denkbar. Doch kein Fan der Münchner will den Macher absägen, der dem großen gelben Rivalen aus dem Revier das größte Fußball-Talent seit Messi wegschnappte.

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