Hohn über Hoeneß: der maximale Beißreflex

Rund ein Jahr nach dem vor allem medial erzwungenen Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff bahnt sich ein neuer, tiefer Fall eines Prominenten an. Bayern-Präsident Uli Hoeneß, für viele der mächtigste Mann im deutschen Fußball, hat sich beim Münchner Finanzamt selbst angezeigt. Reflexartig läuft die Medien-Meute los und zerfleischt den Bayern-Präsidenten, während sich auf Twitter ein Shitstorm zusammenbraut. Nur die Fußballwelt übt sich in Zurückhaltung.

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Sonntagabend, 20 Uhr: Uli Hoeneß blockiert die deutschen Nachrichtenportale. Die Selbstanzeige beim Münchner Finanzamt schlägt hohe Wellen. "Muss Hoeneß sogar ins Gefängnis?", fragt sich Bild.de, während Sueddeutsche.de "Vorbild a.D. " titelt und Spiegel Online mit dem Stück "Der Steuermann" aufmacht.  

Doch dabei bleibt es nicht.  Die Kommentare zu Hoeneß klingen wie Nachrufe. Spiegel Online erinnert sich an das Finale der Landesmeister 1974. Die deutschen Medien geben sich größte Mühe, die Ära Hoeneß zu beerdigen.

Mediale Beerdigung: "Ein Fall aus maximaler Höhe"

Die "Abteilung Attacke" richtet sich direkt gegen den Bayern-Präsidenten: Es sei "ein Fall aus maximaler Höhe", setzt Spiegel Online seinen Abgesang fort, während Welt Online mit heißer Nadel die Klickgalerie "Aufstieg und Fall" zusammenstrickt, in der Hoeneß plötzlich wieder sechs Jahre jünger ist.  Es musste ja schnell gehen.

So geht es eigentlich immer zu, wenn sich die Nachrichtenlage überschlägt und ein Prominenter mal wieder unter Beschuss ist – Erinnerungen an Christian Wulffs letzte Tage in Bellevue und Jenny Elvers Totalabsturz werden wach. Die Stunde der Abrechner ist gekommen, es wird geholzt und geknüppelt, was das Opfer eben so hergibt.  Hauptsache zunächst einmal maximale Erregung!

Epischer Shitstorm bei Jauch-Talkshow

Der Beißreflex greift natürlich auch auf die sozialen Medien über – und jeder muss etwas dazu beitragen. Wohl selten hat das deutsche Twitter einen veritableren Shitstrom erlebt, als gestern um 21.45 Uhr der Fall Hoeneß bei Günther Jauch diskutierte wurde. Einige Kostproben:

"Hoeneß kommt von Hohn. #jauch"

"Wurde Uli Hoeneß im #Tatort schon festgenommen? "

"Lothar Matthäus in "Um alles gebracht" #Hoeneßfilme #Jauch #Hoeneß"

"Hoeness – eine Dunkelgestalt #ard #jauch"

"#Hoeneß hat sein Geld mit Pferdehandel in Rumänien gemacht? Lecker #Bratwurst im Stadion"

"@oliverpocher Zeit, dass St.Pauli ein Benefizspiel für Uli Hoeneß ausrichtet"

"Wenn #Hoeneß ebenfalls in den Knast muss, kann er dort ja mit Breno eine FC #Bayern-Erlebniszelle aufmache"

"Bin gespannt,  ob #Hoeneß nun eine #Haarprobe anbietet,  um seine Unschuld zu beweisen "

"Würstchen-Uli wird in Abwesenheit gegrillt. #Hoeneß #jauch"

"Hoeneß kommt vor dem Fall @FCB #Fcbayern #hoeneß"

"Ich google "Hoeneß", Google schlägt "Wurst" vor. Passt. "

"Das Ungesteuer von Loch Hoeness. #hoeness #jauch"

Bushido twittert: "Kopf hoch, Herr Hoeneß"

Auch Prominente wollten zum Fall Hoeneß auf Twitter nicht hinterm Berg halten: "hoeness kann mich auch mal am arsch lecken", fühlte sich die Schriftstellerin Sibylle Berg zu einem deftigen Tweet berufen. Gangster-Rapper Bushido, der selbst eine turbulente Woche hinter sich hatte, schlug sich unterdessen auf die Seite des angeschlagenen Bayern-Präsidenten: "Kopf hoch Herr Hoeneß, ich hatte letztes Jahr die selbe Bild Schlagzeile", twitterte Bushido ("Sorry Frau Elvers, dass ihre Trennung wegen mir medial untergegangen ist").

Aus der Fußballbranche gab es unterdessen moderatere Töne: "Die mediale Vorverurteilung von Uli Hoeneß nimmt langsam Wulffsche Züge an", twitterte der frühere Schalke-Profi Hans Sarpei. Während der frühere Nationaltrainer Rudi Völler erklärte: "Man muss sich zurückhalten". Das jedoch ist offenbar von vielen zu viel verlangt.

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