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Wie sich Autojournalisten bestechen lassen

Die Berliner Zeitung berichtet über einen bemerkenswerten Prozess vor dem Kölner Landgericht. Dort wird der ehemalige Pressechef des japanischen Autoherstellers Mazda, Franz Danner, wegen Veruntreuung in großem Stil angeklagt. Bei dem Prozess erzählte Danner auch ausführlich darüber, wie Autojournalisten bei Pressereisen mit luxuriösen Zuwendungen gefügig gemacht wurden. Und wenn mal doch einer kritisch berichtete, gab es die “Spezialbehandlung”.

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Die habe zum Beispiel so ausgesehen, dass der kritische Journalist mit seiner Familie für ein Wochenende in ein Spitzenhotel am Tegernsee eingeladen wurde. Dort habe er dann exklusiv mit dem Europa-Chef des Autoherstellers sprechen können, Ingenieure und Designer hätten bereit gestanden, Autos wurden Probe gefahren. Danner: “Das war Rundumbetreuung bis Sonntagabend. Und das hatte auch Erfolg.”

Die Normalbehandlung sah so aus, dass Journalisten beispielsweise mit einem Privatflugzeug an die Costa Smeralda gedüst seien. Der frühere Mazda-Mann wird in der Berliner Zeitung mit den Worten zitiert: “Je attraktiver der Vorstellungsort, desto besser die Presse.” Seine Leute hätten genau ausgerechnet, welchen finanziellen Gegenwert die positiven Auto-Berichte für den Hersteller hatten.

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Die Berechnung ging so: Ein Journalist kostet bei einem durchschnittlichen Presse-Event 3.000 bis 5.000 Euro und sollte einen Media-Gegenwert von mindestens 15.000 Euro bringen. Um dies zu kontrollieren sei vermessen worden, wie viele Zentimeter ein Artikel in einer Zeitung oder Zeitschrift einnahm, bzw. wie viele Sekunden ein TV-Bericht dauerte und wie teuer eine Anzeige oder ein Spot in der entsprechenden Größe oder Länge gewesen wäre. Danner: “Wenn Sie überlegen, was eine Anzeige in Zeitungen oder gar Spots im Fernsehen kosten, war der journalistische Bericht über ein Auto trotz der durchschnittlichen Eventkosten von rund zwei Millionen Euro geradezu billig.”

Die Erzählungen erinnern ein wenig an die Vorgänge, die die Welt jüngst aufdeckte und bei denen der Konzern ThyssenKrupp Wirtschaftsjournalisten teils Luxusreisen im Privatjet bezahlte.

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