Das süße Erfolgsgeheimnis der Zeit

Think positive! So lautet offenbar das süße Erfolgsgeheimnis der Zeit - jedenfalls sehen das Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo und der Economist so. Der frühere Max- und GQ-Chefredakteur Andreas Wrede verarbeitet sein Schicksal als Scheidungs-Papa in einer Bild-Serie schon zum zweiten Mal in den Medien. Laut einer Studie sind deutsche Journalisten ziemliche Zimperlieschen und die Berliner Zeitung versucht vergeblich via Twitter Kontakt zum Gangsta-Rapper und stern-Coverboy Bushido aufzunehmen.

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Andreas Wrede war mal Chefredakteur der Max und Chefredakteur der GQ. Mittlerweile macht er nicht mit, sondern in Medien Karriere, und zwar als “der getrennte Papi”, bzw. der “Scheidungs-Papa”. In der Bild hat er eine neue Serie namens “Plötzlich Scheidungs-Papa!”, in der er über den schwierigen Alltag als geschiedener Vater berichtet und sich eher finster dreinblickend Blick mit Kinderspielzeug ablichten lässt. Ganz so “plötzlich” ist er freilich nicht Scheidungs-Papa geworden. Für stern.de schrieb Wrede schon mal von 2010 bis 2012 das Blog “Der getrennte Papi – ein neues Leben, zwei Kinder und der Rest der Welt”. Ein zeitloses Thema, das ganz offenbar Potenzial hat. Jetzt fehlt nur noch ein Ratgeber-Buch inklusive Auftritt bei “Markus Lanz”. Aber vielleicht ist das ja schon in Arbeit.

Der getrennte Scheidungs-Papi Andreas Wrede bei Bild.de

Der stern hat mit seiner Titelstory zu dem deutschen Rap-Star Bushido und seinen Verstrickungen mit der Mafia einen großen Wurf gelandet. Viele andere Medien griffen die Geschichte auf. Bushido selbst äußert sich nicht direkt dazu. Die Berliner Zeitung versuchte auf fast rührend naive Art, sich auf Twitter an ihn ranzuwanzen und funkte den twitternden Bushido direkt an: “Hallo @Bushido78 Wir hätten gern eine Stellungnahme von Ihnen zu Berichten über Ihre angebliche Nähe zu einer polizeibekannten Familie.vg” Der Rap-Rüpel antwortete nicht auf die höfliche Anfrage (das vg steht wohl für viele Grüße …) und twitterte stattdessen lieber Zeug wie: “Am Arsch ist die Ente fett.

Was müssen wir da bei sueddeutsche.de lesen: Die TU Dortmund hat eine Studie darüber vorgelegt, wie Journalisten im internationalen Vergleich mit Selbstkritik umgehen. Die Ergebnisse sind laut sueddeutsche.de “überraschend”: Deutsche Journalisten sollen der Studie zufolge regelrechte “Zimperlieschen” sein, die Kritik an der eigenen Arbeit weder kennen noch sonderlich schätzen. Zitat: “Obwohl die Journalisten regelmäßig Politiker, Manager und andere Entscheidungsträger in die Mangel nehmen, haben sie selbst kaum Erfahrung mit Kritik. Ein Drittel der deutschen Befragten kritisiert selbst nie oder fast nie Kollegen, umgekehrt werden zwei Drittel nie oder fast nie von Kollegen kritisiert.” Aha. Aber was bitte ist daran so “überraschend”?

Kaum sind die beiden Spiegel-Chefredakteure rausgeschmissen, steigen die Anzeigen-Umsätze. Nein, nein. Stimmt natürlich so nicht, denn die Anzeigen-Zuwächse, die Nielsen diese Woche für Spiegel und die Zeit meldet, stammen noch aus Tagen da Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron fest im Sattel saßen. Der oberschlaue Economist hat dem Spiegel ja ins Stammbuch geschrieben, er soll nicht immer so miesepetrig sein und die Welt ein bisschen positiver sehen. So wie die Zeit. Die hat nicht nur steigende Anzeigen-Erlöse, sondern hat auch mal wieder eine Rekord-Auflage. Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo sieht das übrigens ganz genauso wie der Economist. Diese Woche war er bei der Akademie der bayerischen Presse in München zu Gast, um über das Erfolgsgeheimnis der Zeit zu parlieren. Der Zeit-Chef sagte, beim Blick in die Zeitungen halte er die alte Regel “bad news are good news” für völlig überholt. Permanenter Negativ-Journalismus könne nicht erfolgreich sein. “Die Zeit ist nicht zynisch, womöglich ist das auch etwas, das unsere Leser schätzen. Es liegt in unserer DNA als Journalisten, kritisch zu berichten, und das werden wir auch weiterhin tun. Aber es spricht meines Erachtens nichts dagegen, hin und wieder das hervorzuheben, was neugierig macht und worüber man sich auch freuen kann.“

In diesem Sinne: freudiges Wochenende!

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