„iSteve“: Erstes Steve Jobs-Biopic debütiert

76 Minuten für die Ewigkeit dürften es eher nicht sein: Die Comedy-Website "Funny or Die" hat mit „iSteve“ den ersten Film über den legendären Apple-Gründer nach dessen Tod veröffentlicht – und zwar online und kostenlos für jedermann. Das Low-Budget-Projekt, das in drei Tagen geschrieben und in fünf Tagen abgedreht war, dürfte Apple-Fans eher enttäuschen. Die Comedy-Version des Jobs-Biopic ist aber nur mäßig lustig geworden. Immerhin: Mit Justin Long und Jorge Garcia sind zwei prominente Gesichter dabei.

Anzeige

Das Wettrennen ist entschieden – und das mit einem ziemlich überraschenden Gewinner. Nicht die ambitionierte Sony-Verfilmung nach der Biografie von Walter Isaacson und auch nicht das eigentlich für April angekündigte und dann verschobene Biopic „jOBS“ mit Ashton Kutcher sind der erste Film über den visionären Apple-Gründer – sondern „iSteve“ von der Comedy-Website "Funny or Die".

„Vielleicht sind wir nicht die Besten, aber die Ersten“, scherzte Ryan Perez, der das Skript in drei Tagen geschrieben und den Film in fünf Tagen abgedreht hatte, gegenüber der New York Times. Immerhin kann die Low-Budget-Produktion mit gleich zwei namhaften Hauptdarstellern aufwarten: Jorge Garcia, bekannt als Hugo aus dem US-Serienhit „Lost“, spielt Steve Wozniak und Justin Long („Die Hard 4“, New Girl“) spielt Steve Jobs.

Zwischen nostalgischer Verklärung und ungelenker Ironie

Tatsächlich müsste Apple-Fans die Wahl des Hauptdarstellers gefallen: Justin Long dürfte nämlich vielen aus der legendären Kampagne „Get a Mac“  bekannt sein, in der er Windows-Nutzer immer wieder ziemlich dumm aussehen ließ.

Hier fängt das Problem an: Kaum ein Zuschauer wird dem 34-Jährigen die Rolle des visionären Apple-Gründers abnehmen – auch nicht in einer Satire. In der Anfangssequenz sieht man einen von erstaunlichen Selbstzweifeln geplagten Steve Jobs am Vorabend einer seiner legendären Keynotes.

Richtig: Der 76-minütige Jobs-Film will ironisch mit dem Biopic-Boom umgehen, verfällt aber gleich zu Beginn selbst in jene Stimmung sentimentaler Verklärung, die für Verfilmungen von Persönlichkeiten der Zeitgeschichte so typisch ist.

Seltsame Slapstick-Mythen

Der Steve Jobs von Justin Long ist keinesfalls unsympathisch, er ist nur nicht besonders tiefgründig – und eben auch nicht witzig, was er ja vom Format her sein wollte oder sollte. Immerhin: Ein paar lustige Stellen gibt es – etwa, als Jobs im Homebrew Computer Club das erste Mal auf Bill Gates trifft und der Microsoft-Gründer dort, gebannt vom Apple I, minutenlang vergisst, Steve Wozniak die Hand zu schütteln. 

Dass es Perez bei seiner "iSteve"-Verfilmung mit dem Wahrheitsgehalt nicht genau nimmt, müssen Online-Zuschauer allerdings verkraften. Zu sehen ist in „iSteve“ etwa, wie Jobs mit Bill Gates in der Garage an Platinen lötet, während plötzlich dessen zukünftige Frau Melinda vorbeigeradelt kommt, in die sich Steve allerdings ebenso verliebt und mit der er dann später auch noch Cybersex hat.

Netter Zeitvertreib für Fanboys

Oder etwa das Woodstock-Revival von 1994, am Rande dessen Jobs von Smashing Pumpkin-Sänger Billy Corgan auf die Idee des iMacs gebracht wird. Wie Perez diese Zusammenhänge aus dem Wikipedia-Eintrag von Steve Jobs konstruiert, den er als einziges Hintergrundmaterial zur Verfilmung des Lebens des Apple-Gründers gelesen haben will, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Sei’s drum: Es gibt langweiligere und schlechtere Möglichkeiten, um eineinviertel Stunden seines Lebens herumzubringen. „iSteve“ ist zumindest ein netter Zeitvertreib für echte Apple-Fanboys – mehr aber auch nicht.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige