Der Bushido-stern bewegt die Branche

An diesem Donnerstag liegt der stern mit einer bemerkenswerten Titelgeschichte am Kiosk: “Bushido und die Mafia” steht da in rot über einem Foto des deutschen Rap-Stars. Und weiter: “Die Wahrheit über einen deutschen Popstar und seinen kriminellen Freund”. Bild schnitzt sich daraus den Aufmacher des Tages. Andere Journalisten verweisen via Twitter darauf, dass die Mafia-Nähe des Rappers längst bekannt sei. Der Bushido-stern bewegt. Auch die Medien-Branche.

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Und zwar deutlich mehr als die sonst üblichen Jogging-, Diät- und Lebensgefühl-Titel der hiesigen Print-Magazine. Bereits vor dem Erstverkaufstag wurde der Bushido-Titel des stern im Netz eifrig diskutiert. Einige Journalisten wiesen darauf hin, dass die Nähe des Rappers Bushido zu hochkriminellen Berliner Kreisen bereits von Spiegel TV ausführlich dokumentiert wurde. Am Donnerstag twitterte der Medienjournalist und Spiegel-Autor Stefan Niggemeier dann den Link zu einem solchen Spiegel-TV-Beitrag mit dem Hinweis “Bonusmaterial zum Stern-Titel vor 1 Jahr in Spiegel-TV”.

FAZ-Redakteur Claudius Seidl wies – ebenfalls bei Twitter – auf ein FAZ-Interview aus 2012 mit Bushido hin, in dem der “eigentlich alles zugegeben” habe. Ist da etwa Neid im Spiel? Der Rapper selbst wollte den stern-Artikel über seine Anwältin nicht kommentieren. Laut stern hat die Anwältin allerdings presserechtliche Schritte angekündigt. Am Tag der Veröffentlichung juckte es Bushido dann doch. Er stellte ein Foto des stern-Titels bei dem Fotodienst Instagram online und schrieb dazu: “Frank Sinatra in Jogginghose”. Als das Thema am Mittwochabend bei “stern TV” thematisiert wurde, höhnte Bushido via Twitter: “Hahahahahaha voll der Experte im Fernsehen”.

Mit dem “Frank Sinatra in Jogginghose” bezieht er sich auf ein Zitat aus der stern-Story. Darin heißt es: “Was einst die italienischen Mafia-Familien für Chicago waren, sind die A. (Name abgekürzt, die Red.) für Berlin. Und Bushido ist ihr Sinatra. Ein Frank Sinatra in Jogginghosen.” Auch dem Sänger Frank Sinatra wurde stets eine Nähe zum organisierten Verbrechen nachgesagt. Vermutlich hält Bushido diesen Vergleich auch noch für eine Art Kompliment.

Tatsächlich kommen einem große Teile der stern-Story über Bushido und die Mafia bekannt vor, wenn man die entsprechende  Spiegel-TV-Berichte gesehen hat. Der Überfall auf das Berliner Hyatt-Hotel, die dubiose Vertragsauflösung beim Plattenlabel Aggro Berlin, die auch im Bushido-Film “Zeiten ändern dich” gezeigt wurde, der Berliner Gerichtssaal, in dem der Clan der Familie A. regelmäßig aufläuft – all dies sind Bestandteile sowohl bei Spiegel TV als auch in der Geschichte des stern. Das Magazin geht allerdings ausführlich auf die Vorarbeit von Spiegel-TV ein und würdigt die Arbeit der Kollegen.
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So berichtete Spiegel-TV über Bushidos Nähe zu kriminellen Kreisen

Die stern-Reporter haben aber auch Neues ausgegraben. Eine Ermittlung der Finanzbehörde gegen Bushido wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung beispielsweise. Und vor allem eine Vollmacht, die belegt, dass sich der Rap-Star dem kriminellen Berliner Clan praktisch mit Haut und Haaren, Haus und Hof ausgeliefert hat. Es sind diese Recherche-Ergebnisse, die den stern hammerharte Sätze formulieren lassen wie: “Deutschlands erfolgreichster Hip-Hop-Star ist in der Hand der Mafia.” Auch wenn man vorher viel wusste oder ahnte – so deutlich auf den Punkt und ohne Wenn und Aber formuliert hat man das noch nicht gelesen.

So macht der stern die Bushido-Story im Heft auf

Die Bushido-Story zeigt auch, wie machtvoll das Medium Print sein kann, wenn Form und Inhalt stimmen. Das Fernsehen hat die Macht des bewegten Bildes aber es versendet sich auch vieles. Als geschriebener Text ist die Geschichte vom Rap-Star, der sich in die falschen Kreise begibt, etwas Bleibendes. Schwarz auf Weiß, wie ein spannender Krimi. Aber es ist echt, es ist Journalismus. Guter Journalismus. Dazu kommt ein tolles Layout, das mit der überdimensional vergrößerten Unterschrift des Rappers unter die verräterische Vollmacht einsteigt. Bei allen Prügeln, die Blätter wie der stern in der Vergangenheit für Larifari-Titel immer wieder einstecken mussten: Eine Story wie “Bushido und die Mafia” kann einem den Glauben an den Journalismus so ein bisschen zurückgeben.
Nun wird es spannend sein zu beobachten, ob das Publikum diese Art von hartem Journalismus honoriert und bereit ist, davon mehr zu kaufen als vom sonst üblichen Diät- und Lebensgefühl-Einerlei . Das werden nicht nur die Leute beim stern aufmerksam verfolgen. Die Verkaufszahlen dieses Heftes haben Relevanz für die ganze Branche.

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