SPD-nahe Agentur pusht Steinbrück im Web

Die Überraschung war perfekt: Der bekennende Social Media-Muffel Peer Steinbrück wurde über Nacht zum aktivsten Politiker auf Facebook gekürt. Dies hatte eine Analyse der Marketing-Agentur Goldmedia ergeben. Deren Unterfirma Goldmedia Political & Staff Gmbh wurde vor drei Jahren gegründet. Geschäftsführer ist Clemens Appel – Staatssekretär a.D. des Landes Brandenburg, das seit der Wiedervereinigung fest in SPD-Hand ist. Spätestens an dieser Stelle kommt man ins Grübeln ...

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Nach dem Debakel mit dem peerblog nun die verstärkten Facebook-Aktivitäten: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück lässt keinen Versuch ungenutzt, um via Web verlorenen Boden in der Wählergunst  gutzumachen. So eine Überraschung – galt doch Steinbrück bis vergangenen Herbst als ausgemachter Social Media-Muffel ("Ich werde nicht twittern")…

Wochen später fing der 66-jährige Hanseat dann doch an, sich über den 140-Zeichen-Dienst mitzuteilen und seine Facebook-Seite regelmäßiger zu befüllen. Wenige Monate später wurde Steinbrück dann plötzlich zum Facebook-König gekürt.  

Netz-Bemühungen mit Geschmäckle

Gestern ernannte die Berliner Marketingagentur Goldmedia Steinbrück überraschend zum aktivsten Politiker auf Facebook. "Eine aktuelle Analyse von Goldmedia für das Debattenportal medienpolitik.net erfasst die Interaktion von deutschen PolitikerInnen auf Facebook im Monat März 2013", verkündeten die Berliner per Pressemeldung. "Peer Steinbrück führt das Ranking an und erzielt mit einem Interaktions-Index von 10 den höchsten Wert."

Doch wie schon beim peerblog.de, das mit einer sechsstelligen Summe von nicht genannten Unternehmern finanziert wurde, kommen die Netz-Bemühungen des Kanzlerkandidaten auch auf Facebook mit einem Geschmäckle daher. Die Auszeichnung von Goldmedia entpuppt sich als klassischer Spin: Die Berliner Marketingagentur ist gerade mal drei Jahre alt und wird von Clemens Appel geführt – einem SPD-Urgestein.

PR-Gefälligkeiten unter Genossen

Der Fachjurist fungierte von 1996 bis 2004 unter den Regierungen Stolpe und Platzeck als Staatssekretär, ehe er 2009 Chef der Staatskanzlei wurde. Dort wurde Appel nicht das beste Kabinettszeugnis ausgestellt: "Auf seinem Posten als Staatskanzleichef erntete er nicht viel Anerkennung", monierte die Berliner Morgenpost 2009. "Appel wirkt ausgebrannt."

Die Folge: Das Ausscheiden aus der Regierungspolitik und der Einstieg in die Medienwirtschaft mit der Gründung der "Goldmedia Political & Staff Gmbh" (2010) und zwei Jahre später dem Launch des Debattenportals medienpolitk.net, dem Appel als Chefredakteur vorsitzt und bei dem – wenig überraschend – in erster Linie SPD-Politiker zu Wort kommen.  

Die "Medienanalyse", die Steinbrück die beste Interaktion auf Facebook bescheinigt, darf also mit gebotener Vorsicht genossen werden. Um sich echten Respekt in der Facebook-Gemeinde zu verschaffen, müsste der an sich sehr authentische Hanseat vielleicht einfach selbst mehr Zeit auf dem weltgrößten Social Network verbringen – und nicht seine PR-Berater vorschicken.

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