Birgit Schrowange über Sexismus beim ZDF

"Ich war kurz davor, die Brocken hinzuschmeißen!", gestand Birgit Schrowange am Dienstag Abend in der Talkshow "Menschen bei Maischberger" im Ersten. Grund: Die Moderatorin war in den 80ern bei ihrem Job als Ansagerin im ZDF Sexismus ausgesetzt. Ihr damaliger Vorgesetzter habe ihr eindeutige Avancen gemacht, als sie sich wehrte habe sie keine Aufträge mehr erhalten. Als sie sich beschwerte sei die erste Reaktion gewesen: "Stell dich doch nicht so an!" Allen Frauen rät Schrowange: "Wehrt euch sofort!"

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In der Show am Dienstagabend erinnerte sich die heutige RTL-Moderatorin. Zu Sandra Maischberger sagte sie: "Eine politische Talkshow, wie Sie moderieren, dass hätte damals keine Frau gemacht." Frauen seien in den 80ern und frühen 90ern nur als Ansagerinnen und im Unterhaltungsbereich denkbar gewesen. Als Ansagerin war auch Schrowange aktiv.
Ihr damaliger Sendeleiter habe bereits ein Verhältnis mit einer anderen Ansagerin gehabt und sein Glück daraufhin auch bei Schrowange probiert. Er habe ihr zu verstehen gegeben, dass es auch für die "nur Vorteile" habe, wenn sie sich auf ihn einlasse. Es habe väterliches Tätscheln gegeben, ebenso Besprechungen zu zweit.
Zunächst habe sie sich nicht gewehrt, berichtete die Moderatorin: "Das war damals auch tabuisiert, man war ziemlich allein auf weiter Flur." Sie habe mit kaum jemanden darüber reden können. Da sie sich jedoch nicht auf ihren Vorgesetzten einließ, folgte "hammerhartes Mobbing", wie die Moderatorin erzählte. 
Auf einmal habe sie keine oder nur noch schlechte Dienste bekommen, habe nicht mehr gewusst, wie sie die Miete bezahlen soll. Außerdem seien Einladungen aus ihrem Fach verschwunden. Sie sei "systematisch schlecht gemacht" worden. In ihrem Nebenjob als Messeansagerin habe sie keine Aufträge mehr bekommen, da man hinter ihrem Rücken Einsätze an andere vergeben habe. 
"Mir ging es so schlecht", sagte Schrowange. "Ich war kurz davor, die Brocken hinzuschmeißen!" Vom Vorgesetzten ihres Chefs habe sie auf ihre Beschwerde hin nur gehört, sie solle sich nicht so anstellen. Ein offenes Ohr fand sie erst bei Programmdirektor Oswald Ring und ZDF-Intendant Dieter Stolte. Dort habe man ihr geglaubt. Schrowange spekulierte, die Herren könnten bereits von anderen solcher Fälle gehört haben. Im Anschluss habe das Mobbing aufgehört. 
Die RTL-Moderatorin meinte, heute sei die Lage besser. Durch das Internet sei es Betroffenen zumindest möglich, leichter Ansprechpartner und Leidensgenossinnen zu finden. Das Thema sei nicht mehr tabuisiert, man rede darüber. Dennoch rät sie jedem in einem Fall, wie sie ihn erlebt hat, sich sofort zu wehren: "Sofort an den Betriebsrat, Vorgesetzten und nicht denken, das hört schon irgendwie auf!"
Die komplette Sendung über Sexismus bei "Menschen bei Maischberger" in der Mediathek

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