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Wie “heute” in Sachen NSU-Prozess trickste

stern.de hat einen Fall von Trickserei bei den ZDF “heute”-Nachrichten entdeckt. Am vergangenen Freitag wurde dort über die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts berichtet, dass internationale Medienvertreter beim NSU-Prozess Plätze bekommen müssen. Eine Stellungnahme des Vize-Chefs der türkischen Zeitung Sabah, die in der Sache geklagt hatte, war allerdings noch vor der Gerichtsentscheidung aufgezeichnet worden. Das ZDF bezeichnet den Fall als "Fehler, der sich nicht wiederholen sollte".

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Matthias Fornoff, Anchorman der 19-Uhr-Ausgabe der “heute” Nachrichten des ZDF, moderierte die Gerichtsentscheidung zum NSU Prozess als Aufmachermeldung am vergangenen Freitag an. Der Filmbeitrag begann mit den Worten “Vor knapp einer Stunde die mit Spannung erwartete Entscheidung aus Karlsruhe …” Im O-Ton kam Ismail Erel, der stellvertretende Chefredakteur der Europa-Ausgabe der türkischen Tageszeitung Sabah zu Wort. Die Entscheidung aus Karlsruhe sei “eine sehr, sehr positive Nachricht”, kommentierte er. Sabah habe für die ganzen Türkischen Medien in Deutschland etwas bewirkt, nämlich dass diese am Prozess teilnehmen können, sagte er weiter. Soweit, so normal. Scheinbar.

Stern.de ist aber die Uhr im Hintergrund bei dem O-Ton-Einspieler Erels aufgefallen. Die Uhrzeit dort zeigt kurz vor 14.30 Uhr nachmittags. Die Gerichtsentscheidung wurde aber erst gegen 18.15 Uhr verkündet. Im “heute”-Beitrag bleibt die zeitliche Diskrepanz unerwähnt. Wer auf das winzige Detail mit der Uhr nicht achtet, gewinnt den Eindruck, dass das “heute”-Team einfach sehr schnell einen Kommentar zur aktuellen Entscheidung eingefangen hat.

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Tatsächlich wurde der O-Ton aber sozusagen “auf Verdacht” aufgenommen, wie das ZDF auf stern-Nachfrage einräumte. Bei einem Dreh für die Sendung “Forum am Freitag” sei das Statement “in Erwartung einer entsprechenden Entscheidung” vorab eingeholt worden. Wäre die Entscheidung aus Karlsruhe anders ausgefallen, hätte man den Kommentar wohl einfach nicht verwendet. Keiner hätte etwas gemerkt.

Ist das nun “Schummelei” wie stern.de schreibt oder nur harmlose Trickserei? Immerhin ist ja bekannt, dass Medien z.B. auch Nachrufe von Prominenten vorab schreiben, um sie bei Bedarf schnell zur Hand zu haben. Die Methode der “heute”-Nachrichten ist damit aber nicht vergleichbar. Bei ausformulierten Nachrufen liegt es auf der Hand, dass diese nicht brandaktuell verfasst werden. Im Falle der NSU-Entscheidung des Verfassungsgerichts erwecken die “heute”-Nachrichten aber gezielt einen falschen Eindruck. Nicht umsonst wird beispielsweise bei vorab geführten Interviews bei TV-Nachrichten stets darauf hingewiesen, dass das “Gespräch vor der Sendung aufgezeichnet” wurde – auch wenn die Zuschauer den Unterschied niemals bemerken würden.

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